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Wird Spargelgenuss bald ein teureres Vergnügen?
Der erste Spargel konnte auch in Deutschland schon gestochen werden. Vielerorts wuchs er unter einer Folie heran. Foto: dpa
Erzeuger wollen Ausgleich für Mindestlohn - Noch gibt es keine Veränderung für die Verbraucher

Wird Spargelgenuss bald ein teureres Vergnügen?

Der erste Spargel im Land ist gestochen. Richtig losgehen wird es erst in den kommenden Tagen - vorausgesetzt, das Wetter wird so gut, wie angekündigt. Der Mindestlohn könnte zu höheren Preisen führen.

02.04.2016
  • MIRIAM KAMMERER (MIT DPA)

Ludwigsburg. Die Arbeiter stehen schon auf den Feldern und bücken sich um den weißen und grünen Spargel zu stechen. Frank Scheuler konnte schon am Mittwoch dieser Woche den ersten, weißen Spargel ernten. Er betreibt einen Spargelhof in Löchgau bei Bietigheim-Bissingen im Kreis Ludwigsburg. 50 Hektar Spargelanbaufläche bewirtschaftet er. Und gehört damit nach eigener Aussage zu den größeren Spargelanbauern im Land.

Noch sind es auf seinem Hof nur 15 Mitarbeiter, die Tag für Tag den frischen Spargel ernten. Auf dem Höhepunkt der Saison beschäftigt Scheuler bis zu 85 Arbeiter. Und diese Arbeiter verdienen, seit es den Mindestlohn gibt, mehr als zuvor. Das sollte sich auch bei den Preisen für den Spargel niederschlagen, findet Scheuler. "Der Preis muss steigen, sonst können wir es lassen." Wenn der Lohn pro Person und Stunde zum Beispiel um 1 EUR steige, solle sich das auch beim Produkt niederschlagen.

Auch der Bauernverband fordert höhere Preise. Rund 1500 Arbeitsstunden brauche es, um den Spargel auf einem Hektar Land zu ernten und für den Verkauf aufzubereiten, berichtet Hans-Dieter Stallknecht vom Deutschen Bauernverband. Bei einem Durchschnittsertrag von 5000 Kilogramm pro Hektar komme man leicht auf einen fixen Personal-Kostenblock von 2,50 EUR pro Kilo, die auf dem Markt erst einmal wieder reingeholt werden müssten.

Gegen erheblichen Widerstand der Bauern gilt seit dem vergangenen Jahr auch in der Landwirtschaft ein Mindestlohn, der aufgrund eines Tarifvertrags aktuell noch unter dem gesetzlichen Niveau von 8,50 EUR liegt, aber schrittweise angepasst wird. Schon in diesem Jahr müssen die Verbraucher nach Einschätzung des Bauernverbandes bei einem Stundenlohn von 8,00 EUR im Westen und 7,90 EUR im Osten wegen der gestiegenen Lohnkosten 30 bis 50 Cent mehr pro Kilo zahlen. Nun müsse sich zeigen, ob sie dazu und zu weiteren Preissteigerungen in den Folgejahren auch bereit seien.

Abgesehen davon entscheidet natürlich auch die Menge des Spargels über den Preis. Christian Böttcher, Sprecher des Bundesverbands für Lebensmittelhandel, sagt, dass gerade jetzt zu Beginn der Saison, wo noch wenig Ware auf dem Markt ist, Anbieter die Chance haben, gute Preise zu erzielen.

Das Wetter spielt für den Spargelanbau eine große Rolle. Der milde Winter sei von Vorteil gewesen, erklärt Scheuler. Jetzt muss es warm bleiben, damit das edle Gemüse gedeiht.

Die badischen Spargelbauer sind bisher mit dem Saisonstart nicht zufrieden: Zu wenig Sonne lautet ihre Bilanz. Der erste Spargel sei zwar schon Mitte März auf beheizten und mit Folien geschützten Feldern gestochen worden, doch noch sind die Mengen bescheiden, sagt Hans Lehar, Geschäftsführer der Obst- und Gemüse-Absatzgenossenschaft Nordbaden (OGA). "Wenn die Sonne mal zwei Tage scheint, kann die Folie ihre Wirkung voll entfalten, dann geht es mit dem Wachstum der Spargelpflanzen rasant vorwärts."

Die OGA ist unter den Erzeugerorganisationen in Deutschland mit rund 6000 Tonnen pro Jahr der größte Vermarkter von deutschem Spargel.

Der Mindestlohn, so Hans Lehar, hat bisher nicht zu höheren Spargelpreisen geführt. "Diese Kostensteigerungen sind im Moment nicht über höhere Markterlöse abgedeckt." Er sieht hingegen die Unternehmen durch die Lohnerhöhungen belastet. Scheuler ist seit 2001 Spargelanbauer. Es sei nicht schwieriger geworden, aber das Mehr an Bürokratie belaste schon. "Kleinere Betriebe geben dann halt auf", sagt er.

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02.04.2016, 06:00 Uhr

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