Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Wirtschaft fürchtet nach der US-Wahl Einschränkung des Handels
An der Frankfurter Börse (Bild) drückte Donald Trump zunächst deutlich auf die Stimmung. Foto: dpa
Abschottung

Wirtschaft fürchtet nach der US-Wahl Einschränkung des Handels

Die USA sind der wichtigste Partner für die hiesige Industrie. Trumps protektionistische Töne lösen Sorge aus. Vielleicht waren sie nur Wahlkampfgetöse?

10.11.2016
  • DPA

Nach dem Sieg des Rechtspopulisten Donald Trump fürchten die deutschen Unternehmen eine Abschottung der US-Wirtschaft. Trump habe sich im Wahlkampf äußerst skeptisch gegenüber Freihandel geäußert – die Vereinigten Staaten müssten aber weiter auf offene Märkte setzen, erklärte der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Für deutsche Unternehmen haben die transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen eine „immense Bedeutung“: Die USA sind der weltweit größte Absatzmarkt für Waren made in Germany.

„Die Verunsicherung in der Wirtschaft ist riesengroß“, sagte BDI-Präsident Ulrich Grillo. Nun müsse „die isolationistische Wahlkampfrhetorik“ beendet werden, forderte er. Entscheidend sei, „dass die USA ihr globales Engagement auf Basis bestehender Verträge, Institutionen und Bündnisse fortsetzen“.

„Black Tuesday“

Trump hatte Freihandelsverträge sder USA hart kritisiert und neue Zölle, Subventionen für die heimische Wirtschaft und einen abgeschotteten Binnenmarkt angekündigt. Seine Wahl sei ein „Black Tuesday“ für den Welthandel, erklärten die Familienfirmen.

Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) betonte, die protektionistischen Vorschläge von Trump würden sich direkt auf das Investitionsklima in den USA auswirken und damit auch auf die Maschinenimporte aus Deutschland. Ihr Wert betrug im vergangenen Jahr fast 17 Mrd. EUR; die USA waren damit der wichtigste Einzelmarkt für die Maschinenbauer. „Wir können nur hoffen, dass er seinen Worten keine entsprechenden Taten folgen lässt“, erklärte VDMA-Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann.

Der Präsident der US-Handelskammer in Deutschland, Ford-Chef Bernhard Mattes, forderte den Wahlsieger auf, die USA „mit einer weltoffenen Perspektive zu stärken“. Protektionistische Maßnahmen seien in einer komplexen und globalisierten Welt keine Lösung, mahnte er.

Kann Abkommen nicht kippen

Auch die Wirtschaftsforschungsinstitute äußerten sich skeptisch. Der Wahlsieg Trumps bedeute einen „Rückschlag für die wirtschaftliche Entwicklung“, erklärte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Er hofft allerdings auf den Kongress: Trump könne die Handelspolitik nicht allein bestimmen. „Er wird bestehende Abkommen kaum kippen können.“

Auch das Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln betonte, es sei „völlig offen“, ob Trump umsetzen könne und werde, was er während des Wahlkampfs versprochen habe. Sollte er dies allerdings tun, dann seien die Folgen kaum einzuschätzen. Die Wiedereinführung von Handelsbarrieren werde Arbeitsplätze kosten und die Preise für Endverbraucher in die Höhe treiben.

Der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel, Dennis Snower, warnte: „Amerika wird ärmer werden, der weltweite Wohlstand durch weniger Handel zurückgehen“, wenn Trump seine Ankündigungen in praktische Politik umsetzen „will und kann“.

Dass Trump im Wahlkampf keinen Hehl daraus gemacht, was er von Freihandel hält, treibt auch der exportstarken baden-württembergischen Wirtschaft Sorgenfalten auf die Stirn. Der Präsident des Landesindustrieverbands, Hans-Eberhard Koch, sagte: „Wir können nur hoffen, dass sich die pragmatische Politik durchsetzt trotz der protektionistischen Ankündigungen.“ Der Geschäftsführer des Maschinenbauverbands VDMA, Dietrich Birk, warnte: Die protektionistischen Vorschläge Trumps würden sich direkt auf das Investitionsklima in den USA auswirken und damit auch auf die Maschinenimporte aus Deutschland.

TTIP dürfte damit tot sein

Die USA sind der wichtigste Außenhandelspartner für den Südwesten. 2015 lagen die Vereinigten Staaten mit einem Anteil von 13,3 Prozent aller Exporte oder absolut 26 Mrd. EUR aus Baden-Württemberg auf Platz 1 der Zielländer, bei den Importen lagen die USA auf Platz 3. Allein die Maschinenbauer exportierten im vergangenen Jahr Waren im Wert von 5 Mrd. EUR in die Vereinigten Staaten.

Südwestmetall-Chef Stefan Wolf sorgt sich um Nachteile für die deutschen Firmen. „Meine Befürchtung ist, dass Trump in der Wirtschafts- und Handelspolitik den amerikanischen Interessen rigoros den Vorzug geben wird“, sagte Wolf. „Jedenfalls hat er einem weiteren Ausbau des Freihandels, etwa über das TTIP-Abkommen, bisher eine klare Absage erteilt, TTIP dürfte damit tot sein.“

Dabei gibt es auch Hoffnung, dass genau das nicht passiert. Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) sagte: „Ich hoffe sehr, dass die bisweilen schrillen protektionistischen Töne, die oftmals den US-Wahlkampf geprägt haben, jetzt verstummen und wieder maßvolle Sachlichkeit einkehrt.“ Der Präsident des baden-württembergischen Industrie- und Handelskammertags, Peter Kulitz, betonte: „Mit Blick auf die starke und professionelle US-Regierungsadministration setze ich wirtschaftspolitisch gleichwohl auf Kontinuität.“ Persönlich glaube er sogar, dass Trump sich nicht so sehr in Details einmischen wird wie es Clinton täte.

Daimler hält sich zurück

Klaus Fischer, Inhaber und Firmenchef der Unternehmensgruppe Fischer, sagte: „Donald Trump war sicher nicht mein Wunschkandidat.“ Es gelte aber abzuwarten, was er tatsächlich umsetze.

Von großen Konzernen waren hingegen zurückhaltendere Töne zu hören. Der Autobauer Daimler, der in den USA 22 000 Menschen beschäftigt, teilte mit: „Wir setzen auf einen konstruktiven Dialog mit der neuen Regierung.“ Daimler-Chef Dieter Zetsche sagte, er versuche sich offen zu halten und zu hören, was Trump nach seinem Amtsantritt tue. „Was sich in Wahlkämpfen abspielt, beschreibt nur bedingt, was nach der Wahl zu erwarten ist“, sagte Zeitsche, aber: „Dass nach dem Wahlkampf eine gehörige Portion an Skepsis da ist, ist klar.“ dpa

Kommentar

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

10.11.2016, 06:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball