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Schnellere Digitalisierung

Wirtschaftsminister Gabriel will mehr Bildung sowie Hilfen für Startups

Die deutsche Wirtschaft ist bei der Digitalisierung zu langsam. Insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen unterschätzen Möglichkeiten und Risiken. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel drückt aufs Tempo.

20.11.2015
  • DIETER KELLER

Berlin Ist der deutsche Mittelstand ausreichend auf die Herausforderungen der Digitalisierung vorbereitet? Nein, meinten gestern 88 Prozent der rund 1000 Teilnehmer des IT-Gipfels in einer Umfrage. Die Veranstaltung wird seit 2007 jährlich vom Bundeswirtschaftsministerium organisiert und hat sich zum Digital-Gipfel gemausert. Denn Digitalisierung und die "Industrie 4.0" sind weltweit die Megatrends, bei denen sich Deutschland eine Spitzenposition erkämpfen will.

Die Wirtschaftler, Politiker und Wissenschaftler mögen nicht repräsentativ sein. Aber auch Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) ist sich im Klaren, dass mindestens ein Drittel der Unternehmen keine Digitalstrategie hat. Jedes fünfte sieht sogar seine Existenz bedroht, zeigt eine Umfrage. Das ist kein Problem der Konzerne, sondern des Mittelstands und der kleinen Unternehmen. Dabei bietet die Digitalisierung allen nicht nur neue Herausforderungen, sondern auch Chancen.

Doch Deutschland steht eher schwach da. Die erste Halbzeit habe man verloren, hatte der Chef der Deutschen Telekom, Thimotheus Höttges, bereits vor einem Jahr geklagt. Viel zu lange habe die Angst vor der Digitalisierung gelähmt. Inzwischen sieht er ein Umdenken. Doch im weltweiten Vergleich wurde die deutsche Digitale Wirtschaft von China von Platz fünf verdrängt, zeigt eine Untersuchung im Auftrag des Ministeriums. Einsamer Spitzenreiter sind die USA, gefolgt von Südkorea und Großbritannien.

Den Grund sieht der Präsident des Bundesverbands Informationswirtschaft (Bitkom), Thorsten Dirks, im mangelhaften Zusammenspiel von Unternehmen und Politik. Das zu verbessern, ist ein zentrales Ziel des IT-Gipfels. Ein wichtiger Punkt in Gabriels Agenda ist die digitale Bildung, die spätestens in der Schule beginnen und ein lebenslanger Begleiter sein müsse. Andere Länder mit zentralisierten Strukturen seien besser, kritisierte er das deutsche föderale System. EU-Digitalkommisssar Günther Oettinger wurde konkreter mit der Forderung nach zwei Semestern IT für jedes Berufsbild.

Daneben fordern Startups eine besser Förderung. Junge Unternehmen, die neue Geschäftsideen gerade im Bereich der Digitalisierung entwickeln, brauchen besseren Zugang zu Risikokapital. Das Wirtschaftsministerium bietet ein Förderprogramme. Zudem habe die Regierung den Plan aufgegeben, dass beim Verkauf von Beteiligungen bis zu 10 Prozent des Gewinns versteuert werden muss, erfüllte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eine lange erhobene Forderung. Das hätte das Engagement von Wagniskapitalgebern uninteressant gemacht, hatte die Branche kritisiert. Zudem sagte Merkel zu, in der EU um die Verlustvorträge zu kämpfen. Hat dies keinen Erfolg, müssten Investoren hohe Steuern zahlen, weil sie den Verlust nicht nutzen dürfen.

Bei einem Punkt klopfte Merkel ihrer Regierung auf die Schulter: Die Versteigerung der Mobilfunkfrequenzen habe "für unsere Verhältnisse zügig geklappt". Aus dem Erlös werden 2,7 Mrd. EUR verwandt, um bis 2018 auch die letzten weißen Flecken beim Internet-Zugang zu beseitigen und überall mindestens 50 Megabit zu ermöglichen. Gabriel geht das zu langsam. Deutschland müsse 2025 die modernste digitale Infrastruktur der Welt haben, und das gehe nur mit Glasfaserkabeln. Am Geld dürfe das nicht scheitern. Da gibt es einen Konflikt mit der Deutschen Telekom, die weiter ihr Hausanschluss-Netz mit Kupferkabeln vermarkten will.

Die Arbeitnehmer schwanken angesichts der Digitalisierung zwischen Neugier und Ängsten, beobachtet IG-Metall-Chef Jörg Hofmann. Die Praxis zeige: Wo die Beschäftigten von Anfang an beteiligt werden, herrsche ein positiver Geist. Sonst werde sie als Bedrohung des Arbeitsplatzes angesehen. "Man muss die Menschen beteiligen, mitnehmen und qualifizieren", forderte Hofmann.

Die deutsche IT-Branche will in diesem Jahr mit mehr als 1 Mio. Mitarbeitern den Umsatz um knapp 2 Prozent auf 156 Mrd. EUR steigern.

Wirtschaftsminister Gabriel will mehr Bildung sowie Hilfen für Startups
Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel auf dem IT-Gipfel in Berlin über die Notwendigkeit verstärkter digitaler Bildung: "Andere Länder mit zentralisierten Strukturen sind besser." Foto: Getty Images

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20.11.2015, 12:00 Uhr

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