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„Tierversuche sind wichtig“

Wissenschaftler wollen mit der Initiative Pro-Test informieren und diskutieren

Warum machen Wissenschaftler Tierversuche? Das ist eine Frage, die in erster Linie die Wissenschaftler selbst beantworten können – und sollten, sagt Florian Dehmelt. Er hat zusammen mit anderen die Initiative Pro-Test Deutschland gegründet.

10.06.2015
  • Angelika Bachmann

Tübingen. Als im vergangenen Herbst in Deutschland die Debatte um die Affenversuche am Tübinger Max-Planck-Institut für Biologische Kybernetik entbrannte, war Florian Dehmelt noch an der Uni in Lissabon. Weil der 30-jährige Physiker und Biologe, der fünf Jahre lang im Ausland forschte, aber in Kürze nach Tübingen wechseln wollte, stöberte er auf den Internetseiten auf tagblatt.de, was es über seine künftige Uni zu lesen gab.

Statt bei den Wohnungsinseraten las er sich bei der Debatte um die Tierversuche fest. Je länger diese anhielt, je mehr die Auseinandersetzung eskalierte, desto mehr „rumorte es“ – in ihm, aber auch bei befreundeten Kollegen, die in der biomedizinischen Forschung arbeiten, berichtet Dehmelt. Während sich viele Tierrechtler zu Worte meldeten, hab es kaum Stimmen aus der Wissenschaft gegeben. „Warum sagt denn niemand was?“ habe nicht nur er sich gefragt.

Zusammen mit zwei Dutzend jungen Wissenschaftlern, viele davon aus Tübingen, hat Dehmelt jetzt die Initiative Pro-Test gegründet. Die Forscher wollen informieren, warum sie Tierversuche nicht nur für ethisch vertretbar, sondern für notwendig halten. In der Öffentlichkeit gebe es „einen Mangel an konkreten Informationen“, sagt Dehmelt. „Nicht weil sie geheim, sondern weil sie schwer zugänglich sind.“ Man wolle es auch nicht dabei belassen, dass ein Oberbürgermeister, eine Pressestelle oder ein Ministerium ein Statement dazu herausgebe. Dass die Diskussion sehr einseitig verlaufen sei, daran hätten auch die Wissenschaftler ihren Anteil – weil sie sich nicht an der Debatte beteiligten.

Die Initiative will Ansprechpartner sein für Menschen, denen das Thema Tierversuche „unter den Nägeln brennt“. „Wir hoffen, dass die Menschen mit ihren Fragen zu uns kommen.“ Bislang ist das über die Homepage und Facebook möglich. Künftig will die Pro-Test-Initiative aber auch mit Aktionen und Veranstaltungen in der Uni-Stadt Präsenz zeigen. Man wolle zudem andere Wissenschaftler ermutigen, das Thema offensiver anzugehen.

Von der Maus zum Menschen

Im „Faktencheck“ auf der Internetseite haben die Wissenschaftler Antworten auf häufige Argumente von Tierrechtlern zusammengestellt, kurze Statements etwa zu „Alternativen zu Tierversuchen“ oder zur Übertragbarkeit von Erkenntnissen aus Tierversuchen auf den Menschen. Die Initiative will eine Plattform sein, die Raum bietet auch für kontroverse Diskussionen. „Ich kann auch akzeptieren, dass jemand sagt, ich bin gegen Tierversuche.“ Aber er solle zuvor wenigstens die Möglichkeit haben, sich darüber zu informieren, weshalb Tierversuche in der Wissenschaft nach wie vor eine große Rolle spielen.

„Sehr vieles, was man im Tierversuch herausfindet, ist auf den Menschen übertragbar.“ Nicht von ungefähr seien Maus, Elefant und Mensch am Anfang des Embryonalstadiums für den Laien kaum zu unterscheiden. Stoffwechsel und die Arbeitsweise der Zellen seien weitgehend identisch. Und dort, wo es tatsächlich Unterschiede gebe, helfen auch diese, Erkenntnisse zu gewinnen, sagt Dehmelt. Was zum Beispiel schützt den Nacktmull vor Krebs?

Florian Dehmelt hat selbst mehrere Jahre in der theoretischen Hirnforschung daran gearbeitet, mit Computern die Arbeitsweise von Nervenzellen zu simulieren. Die persönliche Erkenntnis, die bei ihm daraus gewachsen ist, ist auch ein Grund, warum er jetzt wieder in die experimentelle Hirnforschung zurückkehrt und mit Fischlarven arbeitet: Am Computer könne man zwar vieles simulieren. Aber wenn man einige Annahmen nur geringfügig ändere, erhalte man ganz andere Ergebnisse. Computersimulationen, so Dehmelt, erhalten deshalb erst dann einen Wert, wenn man sie in Beziehung setzen könne zu Daten, die aus Experimenten am echten Gehirn gewonnen wurden.

www.pro-test-deutschland.de

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10.06.2015, 17:25 Uhr

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