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Der „König“ blieb – aber aus dem Gasthaus wurde ein Parkhaus

Wo Reisende früher nächtigten

Einst und jetzt: Gleitet der Blick auf die beiden Tübinger Stadtansichten von links nach rechts, findet er zwei Anhaltspunkte, die gleich geblieben sind. Zum einen das prunkvoll auf der Anhöhe thronende Klinikgebäude, zum anderen das Gartenhäuschen an der linken Flanke. Schmerzlich vermisst Auf dem linken Foto schaut man vom Schmiedtorplatz über die Ammer hinweg frontal auf den von den älteren Tübingern noch heute schmerzlich vermissten Gasthof „König“, das rechte Foto vermittelt den Eindruck, als seien an dessen Stelle hängende Gärten gerückt. Wie sehr gerade letzterer Eindruck trügt, nimmt wahr, wenn man sich dem Ort (und seiner Geschichte) etwas nähert.

13.08.2005
  • Hans-Joachim Lang

Die Universitätsklinik für Gemüts- und Nervenkranke, wie sie ursprünglich hieß, wurde von 1891 bis 1894 nach Plänen von Albert von Bok im Stil der Hochrenaissance auf dem Föhrberg errichtet. Möglicherweise ist diese herausgehobene Höhenlage der Platz, an dem Tübingen im 7./8. Jahrhundert unserer Zeitrechnung überhaupt seinen Anfang nahm. Auf dieses Areal richtete jedenfalls die Mittelalter-Archäologin Barbara Scholkmann in ihrer vorgestrigen Sommervorlesung die Aufmerksamkeit bei der Suche jener alemannischen Ansiedlung, deren Bewohner ihre Toten auf einem Friedhof in der östlichen Münzgasse begraben haben.

Die gelbrote Klinkerfassade der gen Süden ausgerichteten Psychiatrischen Klinik hat sich in den vergangenen hundert Jahren – im Gegensatz zu seiner Umgebung – kaum verändert. Stolz steht die dreigieblige Front Schloss Hohentübingen gegenüber, für das sie von Touristen nicht selten schon gehalten wurde.

Todesurteil vollstreckt

„Der König muss fallen“, teilte unsere Zeitung im Februar 1976 das Todesurteil der Gemeinderatsmehrheit mit, das dann ein halbes Jahr später bereits vollstreckt wurde. Damit war einer der ältesten Tübinger Gasthöfe dem Verkehr geopfert worden. Dass der Name noch in dem anschließend errichteten städtischen Parkhaus überdauert, ist nur ein schwacher Trost. Wenn man gut will, kann man die Namenspatenschaft noch als einen Anklang dafür nehmen, dass sich an dieser exponierten Stelle viele Jahrhunderte lang eine Pferdestation befand.

Der „König“, ein mit großen Stallungen und vielen Übernachtungszimmern ausgestatteter Gasthof, an der Fernstraße nach Straßburg gelegen, war ein beliebter Rastplatz für Reisende. Vergeblich versuchte noch eine Bürgerinitiative, die zuletzt von einem Griechen betriebene Gaststätte vor dem Untergang zu bewahren. Die nach dem Bebauungsplan von 1969 gebaute Frondsbergauffahrt setzte der an diesem Ort anzutreffenden Behaglichkeit ein Ende.

Rechts vom „König“ stand eine weitere Gaststätte, der „Engel“. Er wurde noch vor seinem berühmteren Nachbarn geopfert. Unmittelbar nach dem Abriss entstand dort ein Parkplatz. Auch eine Stätte der rast, wenn auch nur für Blechkarossen. Für sie entstand ja dann ein ganzes Gehäuse. Die Erwartungen an die Nachfrage, die damit gehegt worden waren, erfüllten sich freilich nur eingeschränkt.

Hauptsitz eingerichtet

Links vom „König“, wo auch der Schornstein hervorragt, befand sich die Brauerei „Marquardtei. Die dazugehörigen Gebäude plante Franz Josef Bärtle in den 1890er Jahren – sie sind längst abgerissen. Die stattliche Gaststätte „Marquardtei“ dagegen entstand auf dem Reißbrett von Bärtle-Sohn Franz Georg und wurde 1910 hochgemauert.

Jener Bärtle Junior (Vater des Künstlers Ugge Bärtle) baute bis in die 1930er Jahre in Tübingen und Umgebung zahlreiche Wohnhäuser, Gewerbeanlagen und Gasthäuser. Die Baulücke beispielsweise, die noch auf dem linken Foto gegenüber dem „König“ gähnte, wurde 1905 nach seinen Vorstellungen geschlossen. Das elegante Gebäude hatte die Lauppsche Druckerei in Auftrag gegeben, die ihren Sitz aus der Innenstadt (in einem der beiden Cotta-Häuser) an die verkehrsgünstigere Peripherie verlegte. Vor 17 Jahren hat darin die Volksbank ihren Hauptsitz eingerichtet.

Wo Reisende früher nächtigten
Blick in die Herrenberger Straße mit dem Gasthaus „König“, drüber die Universitätsnervenklinik.

Wo Reisende früher nächtigten
An die Stelle des Gasthauses „König“ erbaute die Stadt das Parkhaus „König“.

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13.08.2005, 12:00 Uhr

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