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Glatt · Umwelt

Wo Wasser wieder wild wandert

Nach der Verlegung der Glatt im Zuge der Sanierung der Glatttalstraße zwischen Glatt und Neckarhausen präsentiert sich der Fluss naturnah und zugänglich. Der Großteil der gefällten Gehölze wurde im Wasser und der Böschung wiederverwendet.

22.08.2019

Von Cristina Priotto

Nicht nur Verkehrsteilnehmer und der Fluss haben Vorteile von der Verlegung. Die Zugänglichkeit zur Glatt ist verbessert worden – nur so konnte dieses Foto von mitten im Wasser aus aufgenommen werden.

Idyllische Ruhe herrscht dieser Tage am Ufer der Glatt, leise plätschert das Wasser dahin, ein Windhauch lässt das Laub in den Bäumen rauschen, doch kein Motorenlärm durchbricht die nachmittägliche Stille.

Das aktuelle Fehlen unnatürlicher Geräusche hängt damit zusammen, dass der Straßenabschnitt zwischen Glatt und Neckarhausen seit Ende März und noch bis 24. September für den Verkehr gesperrt ist. Als letztes Teilstück der Glatttalstraße wurde die 1,1 Kilometer lange Strecke ausgebaut. Dafür ist auch ein mehrere hundert Meter langer Teil des Flusses Glatt im Bereich der einst schärfsten Kurve verlegt worden, wo sich das Gewässer und die Straße früher am nächsten kamen und von den Kalksinterfelsen immer wieder Brocken abbrachen. Etwa 23000 Kubikmeter Erde haben Bagger und Lastwagen für diesen ungewöhnlichen Eingriff in die Natur in den vergangenen Monaten bewegt.

Gefällte Bäume eingebaut

Zudem mussten etliche Bäume und Sträucher am Steilhang und zum Ufer hin gerodet werden. Wer bei einem Spaziergang am Ufer genau hinschaut, kann die gefällten Riesen jedoch wiederentdecken: Zur Regulierung der Fließgeschwindigkeit sowie als Rückzugsraum für Tiere ist ein Teil des Holzes im Flussbett eingearbeitet worden. Zudem dienen etliche der langen Stämme der Sicherung der Böschung zur Glatttalstraße hin und ersetzen die bisherige Steinmauer. Etwa 18000 Kubikmeter Naturmaterial wurden wieder eingebaut, wodurch die Glatt ein naturnäheres Äußeres wiedergewonnen hat.

Die größten Unterschiede zum bisherigen Fluss sind außer den fehlenden Bäumen und dem neuen Bett die flacheren Uferböschungen. Durch die neue Gestaltung wurde nicht nur der Hochwasserschutz verbessert, sondern auch die Zugänglichkeit erhöht.

Mit wenigen Schritten kann man von einer flachen Stelle aus über Steine ins kühle Nass treten, Mutige wagen sich bis zu den großen Steinen in der Flussmitte. Zwei Hunde eines Schäfers erkennen diesen Vorteil ebenfalls und nehmen ein kurzes Erfrischungsbad im Wasser. Lauschige Plätzchen für Mensch und Tier bieten auch die Gebüsche mit Drüsigem Springkraut am Ufer sowie die Totholzbarrieren im neuen Glattbett – ein Paradies für Fische.

An den Böschungen sprießen erste Pflanzen, und auch das eingesäte Gras auf den Überflutungsflächen ist dank Regen und Sonne bereits mehrere Zentimeter in die Höhe geschossen.

Noch ist dem Fluss deutlich anzusehen, dass dort erst unlängst ein großer Eingriff stattgefunden hat. Doch anders als bei der Begradigung aus Hochwasserschutzgründen in den 1950er-Jahren handelte es sich beim aktuellen Vorhaben um eine Renaturierung.

Renaturierung nach Begradigung

Die Gesamtkosten lagen bei rund 3,1 Millionen Euro, worin auch die Ausgaben für den Straßenbau enthalten sind. A propos Glatttalstraße: Nachdem der Fahrbahnbelag bis auf den Feinbelag fertig aufgebracht ist, haben längst unmotorisierte Verkehrsteilnehmer die gesperrte Strecke für sich entdeckt: Bei Fahrradfahrern und Spaziergängern, die sich nach einem Tortengenuss im „Schloss-Café“ etwas die Beine vertreten möchten, liegt das Teilstück in Richtung Neckarhausen in der Beliebtheit fast gleichauf wie der sonst klassische Verdauungs-Spazierweg auf dem Radweg nach Hopfau.

Neu gemauert wurden auf der Seite zum Wald hin die Entwässerungsgräben, was besonders unterhalb von Claudia Götz-Hebbels „Pfotenstübchen“, dem letzten Grundstück am Ende der Allerheiligenstraße auffällt, auf das ohne Bäume freie Sicht besteht.

An der Glatttalstraße entlang stehen auch schon die Leitplanken sowie die Eingrabsockel für die Leitpfosten bereit. Ferienbedingt ist auf der Baustelle einige Wochen lang nichts vorangegangen, doch bis zur Freigabe in fünf Wochen werden nochmals einige Baumaschinen anrollen. Danach ist ohnehin Schluss mit der Ruhe.

Die Glatt fließt nach der Verlegung naturnäher und weiter entfernt von der Straße zwischen Glatt und Neckarhausen. Den ehemaligen Verlauf des Flussbetts markieren die erhaltenen einstigen Randsteine, die zur Erinnerung wieder eingebaut wurden. Bilder: Cristina Priotto

Die Entwässerungsgräben neben der Straße sind beim Bau der Straße neu gestaltet worden.

Noch ist der Glatttalstraßen-Abschnitt zwischen Neckarhausen und Glatt nur durch Fahrradfahrer und Inlineskater befahrbar. Nach der Freigabe ab 25. September können auch Autos die Strecke passieren.

Zwar mussten zahlreiche Bäume an der Böschung der Straße sowie am Ufer der Glatt gefällt werden, doch das Straßenbauamt hat darauf geachtet, dass möglichst viel Holz wiederverwendet wird.

Freigabe: 25. September

Der Abschnitt der Glatttalstraße zwischen Neckarhausen und Glatt wird am Mittwoch, 25. September,

um 16.30 Uhr mit einem Festakt

wieder für den Verkehr freigegeben.

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Erstellt:
22. August 2019, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
22. August 2019, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 22. August 2019, 01:00 Uhr

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