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Die Brauerei Heinrich entwickelte sich bis zum Ersten Weltkrieg zum größten Betrieb am Ort

Wo das Bier in Strömen floss

Vor hundert Jahren gab es in Lustnau zahlreiche Wirtschaften, aber nur einen Betrieb, der die Kneipen mit Bier versorgte: die Brauerei Heinrich, die in der Zeit vor der Industrialisierung der größte Arbeitgeber im 1800 Einwohner zählenden Dorf war.

04.10.2013
  • Sepp Wais

Lustnau. Der Gründer der drei Generationen lang florierenden Brauerei-Dynastie war der 1804 in Bläsibad geborene Johann Ludwig Heinrich, der 1831 die Wirtschaft „Zum Ochsen“ mit allen Nebengebäuden und Liegenschaften samt Gärten, Äcker und Wiesen kaufte. Ein Jahr später baute er auf der anderen Seite der Dorfackerstraße seine Brauerei auf und zu einem ansehnlichen Betrieb aus. Nach seinem Tod im Jahr 1876 ging das Unternehmen an seinen 38-jährigen Sohn Christoph Jakob über, von dem – nach den Recherchen des Lustnauer Geschichtsvereins – die „historische Wasserleitung“ von Pfrondorf nach Lustnau stammt.

Seine größte Ausdehnung erreichte der Betrieb unter Ludwig Karl Heinrich, genannt „Louis“. Er baute 1896 ein stattliches Dampfmaschinen- und Kesselhaus, dem er 1897 ein Bürogebäude anfügte und im Jahr 1905 dazu noch eine Branntweinbrennerei angliederte. Später folgten noch eine Abfüll- und Kühlanlage, eine Schlosserwerkstatt und eine Garage für drei Lastwagen.

Auch in der Kneipenszene war „Louis“ sehr aktiv: 1896 erwarb er die Wirtschaft „Zur Sonne“, drei Jahre danach die Wirtschaft „Zum Hirsch“ und schließlich richtete er sich am Lustnauer Tor in Tübingen, wo heute die Kreissparkasse residiert, auch noch das Restaurant „Hanskarle“ ein.

Laut einer Statistik der Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen war die Brauerei Heinrich im Jahr 1912 deren größter Kunde in Tübingen – mit 135 Wagenladungen Hafer, Gerste, Kohlen, Malz, Flaschen, Torfmull, Maschinen und Salz. Der jährliche Ausstoß der Brauerei wuchs bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs auf bis zu 40.000 Hektoliter Bier an.

Im Krieg, zu dem 34 Mitarbeiter der Brauerei an die Front abberufen wurden, brach diese Expansion dann sehr abrupt ab: 1919 war „Louis“ Heinrich mit seiner Brauerei am Ende, 1942 starb er im Alter von 76 Jahren.

Das Bild wurde wohl zum 80-jährigen Bestehen der Brauerei Heinrich im Jahr 1912 gemacht. Es zeigt nur einen Teil der damaligen Mitarbeiter, die durchweg in Feiertagslaune und gerne auch mit ihrem Handwerkszeug samt Pferdegespann und Nobelkarosse zum Fototermin angerückt sind. Letztere gehörte vermutlich dem Chef „Louis“, der mit seinem Zylinder in zentraler Position am mittleren Tisch unschwer auszumachen ist.

Hinter den Riesenfässern mit der Aufschrift Bock und Pils sieht man das Dampfmaschinen- und Kesselhaus – das einzige Gebäude der Brauerei, das heute noch steht. Auf dem restlichen Betriebsareal breitet sich längst das „Lustnauer Zentrum“ aus. Auf dem Parkplatz gegenüber stand ehedem der „Ochsen“.

Info: Das 130 Seite dicke Bilderbuch des Lustnauer Geschichtsvereins über „Die Entwicklung des Handwerks und Handels in Lustnau im 20. Jahrhundert“ ist noch zu haben – entweder im Schreibwarengeschäft Walter im Lustnauer Einkaufszentrum (Dorfackerstraße) oder bei Richard Kehrer (Tel. 0 70 71/ 8 12 60). Preis: 23 Euro.

Wo das Bier in Strömen floss
In Festtagslaune zum Jubiläumsfoto angetreten: Die Belegschaft der Lustnauer Brauerei Heinrich, die 1912 ihr 80-jähriges Bestehen feierte.

Wo das Bier in Strömen floss

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04.10.2013, 12:00 Uhr

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