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Wo das Geschäft im Sitzen abgewickelt wird
Der Klassiker unter den Ausstellungsstücken: ein Nachttopf (um 1900) in einem historischen Kinderzimmer. Foto: dpa
Eine Ausstellung in Detmold widmet sich dem Klo

Wo das Geschäft im Sitzen abgewickelt wird

Von wegen "Scheiße sagt man nicht!": In der gleichnamigen Ausstellung nennt das Freilichtmuseum Detmold die täglich zu verrichtenden Geschäfte beim Namen. Alles dreht sich um die Geschichte der Toilette.

04.04.2016
  • BEATE DEPPING, DPA

Detmold. Lesen habe er auf der Toilette gelernt, sagte ein Besucher der Ausstellungskuratorin Janina Raub. Sie kann das nachvollziehen. Denn auch in Deutschland dienten alte Zeitungen bis weit ins 20. Jahrhundert hinein als Toilettenpapier.

"Solche Geschichten rund um das stille Örtchen haben uns Besucher erzählt, als sie von der Ausstellung erfuhren", sagt die Wissenschaftlerin. Sie will mit der Schau "Scheiße sagt man nicht", die bis 30. Oktober im Freilichtmuseum Detmold zu sehen ist, das Thema "Toilette" aus der Tabuzone holen.

"Wir haben auf dem Gelände 100 Gebäude mit 80 Toiletten und jeder Menge Mist vorm Haus", sagt Jan Carstensen, der Leiter des Freilichtmuseums. Es habe also nahegelegen, das Thema in einer Ausstellung aufzugreifen.

Überall auf dem Museumsgelände können Besucher die kleinen Plumpsklo-Häuschen neben den Höfen aus dem 16. bis 20. Jahrhundert entdecken. Auch eigens angebaute Erker im Obergeschoss, in denen menschliche Bedürfnisse sozusagen im freien Fall erledigt wurden, und erste, zu ihrer Zeit als absoluter Luxus empfundene Wasserklosetts sind zu sehen.

Die eigentliche Ausstellung ist in einer historischen Scheune. Die versprüht im Inneren den Charme eines Bahnhofsklos. Weiße Kachelwände, summende Leuchtstoffröhren - die Ausstellungsmacher haben eine ideale Klo-Umgebung geschaffen. Es gibt weit mehr als historische Nachttöpfe, dezent mit Leder gepolsterte und Rüschen verzierte Toiletten-Sessel und andere "Sitzungsmöbel". Hinzu kommen jede Menge Information, die ganz stilecht wie Klosprüche per Hand an die Wände geschrieben worden ist.

Immer wieder schlägt das Museum die Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart: So ist auf einer Wand zu lesen, dass in China 589 n. Chr. zum ersten Mal der Gebrauch von Klopapier erwähnt wird. Wenige Meter weiter erfährt der Besucher, dass in Deutschland in den 1920er-Jahren die ersten Rollen fürs Klo produziert wurden. Und dass jeder Deutsche heute jedes Jahr rund einen Kilometer der weich-weißen bis gräulich-kratzigen Blättchen pro Jahr benutzt. Das sind 2,70 Meter am Tag.

Die Ausstellung spricht auch Probleme an - Umweltverschmutzung durch die Spülung mit Trinkwasser, die Suche nach ressourcenschonenden Alternativen, den Alltag von Menschen, die auf einen künstlichen Darmausgang angewiesen sind.

Und auch die Frage wird beantwortet: Was macht der Astronaut beim Weltraumspaziergang, wenn er mal muss? In die Windel!

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04.04.2016, 06:00 Uhr

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