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Freudenstadt · Jubiläum

Wo der Kuckuck noch die Zeit ansagt

Das Uhren-und Schmuckfachgeschäft Baldenhofer am Freudenstädter Marktplatz feiert in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen. Das Geschäft wird in dritter Generation geführt.

30.03.2020

Von Monika Schwarz

Drei Generationen haben sich hier unter den Kuckucksuhren versammelt (von links): Helmut Baldenhofer und sein Vater Walter sowie Tochter Lara, Ehefrau Kerstin und Mutter Heilwig Baldenhofer. Bild: Monika Schwarz

Ob und inwieweit das Jubiläum des bereits in dritter Generation familiengeführten Fachgeschäftes Baldenhofer in diesen Tagen auch tatsächlich mit Aktionen oder ähnlichem gefeiert wird, steht derzeit in den Sternen. Gleichwohl blickt Inhaber Helmut Baldenhofer in diesem Jahr auf das 100-jährige Bestehen des traditionsreichen Freudenstädter Uhren- und Schmuckgeschäftes im Zentrum Freudenstadts am Marktplatz 3 zurück.

Gegründet wurde das Geschäft im Jahr 1920 durch seinen Großvater, den Uhrmachermeister Otto Baldenhofer, der eines von neun Kindern des früheren „Ratskeller“-Wirts Adolf Baldenhofer und dessen Frau Friederike war. Otto Baldenhofer hatte
seine Lehre beim damaligen
Uhrmachermeister Jakob Frick absolviert und danach – der damaligen Sitte entsprechend –mehrere Jahre als Gehilfe im Ausland gearbeitet.

An der Front im Ersten Weltkrieg erlitt Otto Baldenhofer eine schwere Gasvergiftung. Nach seiner Rückkehr gründete er dennoch 1920 im elterlichen Haus neben dem Freudenstädter Rathaus das Uhrenfachgeschäft mit Uhren, Goldwaren und Bestecken sowie einer eigenen Reparaturwerkstatt. Die damalige Inflation erschwerte dem jungen Meister den Start. Dank seines Fleißes, Durchhaltevermögens und dank seiner beruflichen Qualifikation gelang es Otto Baldenhofer, die anfänglichen Probleme und Schwierigkeiten zu überwinden. Der Zweite Weltkrieg bereitete dem Aufschwung aber ein jähes Ende.

Freudenstadt wurde zerstört und auch sein Geschäft fiel im April 1945 den Flammen zum Opfer. Mit seiner Frau und den beiden Söhnen –darunter sein Nachfolger Walter – zog Otto Baldenhofer in eine Pension in der Mörikestraße. Er richtete dort vorübergehend seine Werkstatt ein, um den Betrieb fortzusetzen.

Im Jahr 1950 war der Neubau neben dem Rathaus fertiggestellt. Das Ladengeschäft mit Werkstatt entwickelte sich weiterhin sehr gut und wurde im Jahr 1962 an den Sohn übergeben. Walter Baldenhofer führte gemeinsam mit seiner Frau Heilwig das Geschäft in alter Tradition weiter.

Goldene Meisterbriefe

Im Jahr 1984 bekam zunächst Otto Baldenhofer und im Jahr 2011 auch sein Sohn Walter den Goldenen Meisterbrief von der Handwerkskammer überreicht. Walters Sohn Helmut, der heutige Inhaber, entschied sich ebenfalls für eine Ausbildung in der Tradition des Vaters und Großvaters. Er absolvierte seine Uhrmacherlehre Anfang der 1980er Jahre in der Uhren- und Schmuckstadt Pforzheim. 1985 beendete er diese erfolgreich mit der Gesellenprüfung, zehn Jahre später folgte der Meisterbrief nach dem einjährigen Meisterkurs an der Meisterschule in Villingen-Schwenningen.

Im Jahr 1998 konnte Helmut Baldenhofer das Geschäft schließlich von seinem Vater übernehmen. Unterstützt wird er im Laden von seiner Ehefrau Kerstin, die als gelernte Einzelhandelskauffrau die Kundschaft bedient. Die zwölfjährige Tochter Lara besucht derzeit die Schule, will beruflich später aber definitiv eine andere berufliche Richtung einschlagen. Ihr Interesse liege eher im Bereich Mediendesign, erklärt Lara.

Die Familientradition wird deshalb in wenigen Jahren voraussichtlich nicht weiter fortgesetzt. Der Schwerpunkt des Angebots im Geschäft liegt bei den Schwarzwälder Kuckucksuhren – traditionell und modern – sowie bei sonstigen Großuhren. Darüber hinaus gibt es aber auch Kinderuhren und klassische Wecker.

Verkauft werden keine Trends, sondern Stammmarken, betont Helmut Baldenhofer. Diese seien im stationären Handel nach wie vor gefragt. Neben den Uhren gibt es im Laden Schmuck und Ringe – darunter auch Trauringe im eher günstigen Preissegment.

Das Einkaufsverhalten der Käufer habe sich geändert, sagt der Uhrmachermeister. Früher sei die Kundschaft stärker auf ein bestimmtes Geschäft und die Inhaber fixiert gewesen. Heute kauften die Leute die Dinge halt irgendwo.

Deutlich gespürt hat das traditionelle Handwerk, dass nicht mehr so viele US-Amerikaner in Freudenstadt sind. Bei ihnen seien Kuckucksuhren sehr beliebt gewesen. Baldenhofer ist deshalb froh, mit der hauseigenen Reparaturwerkstatt samt Batteriewechsel ein weiteres Standbein zu haben.

Ihm mache es richtig Spaß, in der hinter dem Ladenraum gelegenen Werkstatt zu tüfteln, während Ehefrau Kerstin vorne im Laden die Kunden bedient. Die Reparaturen selbst seien oft recht zeitaufwändig. Die Kundschaft dafür komme aus dem ganzen Land und nehme weite Anfahrtswege in Kauf.

Um immer auf dem neuesten Stand zu sein, besucht Helmut Baldenhofer regelmäßig die angebotenen Fortbildungen der Branche. Der Laden selbst hat sich in all den Jahren allerdings wenig verändert. Das liege aber auch am Denkmalschutz. „Wir wollten vor einiger Zeit die Fensterfront ändern, das durften wir aber gar nicht“, erzählt Kerstin Baldenhofer.

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Erstellt:
30. März 2020, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
30. März 2020, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 30. März 2020, 01:00 Uhr

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