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Interview

„Wo fängt eine Bezahlung an?“

Petra Thorn ist Mitglied des Deutschen Ethikrats. Die Paar- und Familientherapeutin befürwortet eine Freigabe der Leihmutterschaft unter strengen Auflagen.

28.08.2019

Von MICHAEL GABEL / NBR

Petra Thorn ist Paar- und Familientherapeutin. Foto: R. Zensen/Deutscher Ethikrat

Berlin. Frau Thorn, Sie setzen sich für eine begrenzte Freigabe der Leihmutterschaft ein. Warum?

Petra Thorn: Weil es Situationen gibt, in denen eine Leihmutterschaft für alle Beteiligten eine gute Lösung sein kann. Beispielsweise wenn eine Schwester, eine Cousine oder eine gute Freundin bereit ist, ein Kind für ein Paar auszutragen, das auf anderem Weg kein Kind bekommen kann.

Wie groß ist die Gefahr illegaler Zahlungen?

Wir haben Gesetze, mit denen illegale Handlungen geahndet werden können. Aber die Frage, die genauer diskutiert werden müsste, ist: Wo fängt eine Bezahlung an, was ist legitime finanzielle Kompensation? Was ist mit dem Bedürfnis, der Leihmutter zum Dank ein Geschenk zu machen?

Wer soll die eigentliche Mutter sein – die Freundin/Cousine oder die Frau, die das Kind zu sich nimmt?

Aus der Perspektive des Kindes, die in meinen Augen die zentrale ist, sind alle Personen wichtig, die zur Zeugung oder zur Schwangerschaft beitragen. Insofern kann man wahrscheinlich nicht von Mutter oder Vater sprechen, aber von Personen, die für die Identitätsfindung des Kindes eine große Bedeutung haben.

Alle entscheiden gemeinsam, wie man mit dem Kind umgeht?

Im Idealfall lernen sich Wunscheltern mit Leihmutter und gegebenenfalls deren Ehemann kennen. Gut wäre es, wenn sie freundschaftlich oder zumindest als Bekannte in Kontakt bleiben würden, damit das Kind die Personen, die für seine Zeugung relevant waren, kennenlernen kann.

Wo liegt in der Reproduktionsmedizin für Sie die Grenze, die man nicht überschreiten sollte?

Ich würde es anders formulieren. Für mich ist es immer ein zentrales Anliegen, dass alle Personen, die an der Fortpflanzung beteiligt sind, respektvoll und medizinisch möglichst schonend behandelt werden. Das Wohl des zu zeugenden Kindes sollte im Mittelpunkt stehen. Da es selbst zum Zeitpunkt seiner Zeugung nicht mitentscheiden kann, beispielsweise, ob sich die Eltern für eine anonyme oder offene Spende entscheiden, sollten diese sich so entscheiden, dass dem Kind der größtmögliche Handlungsspielraum erhalten bleibt. Es soll also erfahren können, von wem es abstammt – oder, im Falle der Leihmutterschaft, wer es ausgetragen hat. Michael Gabel

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Erstellt:
28. August 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
28. August 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 28. August 2019, 06:00 Uhr

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