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Botanischer Garten

Wo fleischfressende Pflanzen verführerisch aufblühen

Derzeit blühen im Botanischen Garten fleischfressende Pflanzen. Wieso nur gehen ihnen Insekten nicht in die Falle?

04.09.2012
  • Alexandra Kehl

Tübingen. Die Vielfalt und Lebensweise von fleischfressenden Pflanzen wird im Botanischen Garten der Universität Tübingen anschaulich in der „Karnivoren-Vitrine“ gezeigt. Von den nordamerikanischen Schlauchpflanzen bis zur allseits bekannten Venus-Fliegenfalle sind dort zahlreiche fleischfressende Arten zu sehen.

Diese Karnivoren bilden in der Regel aus ihren Blättern Fallen, mit deren Hilfe sie Insekten fangen und verdauen, um sich auf diese Weise eine zusätzliche Stickstoffquelle zu erschließen. Kein Wunder also, dass die Lebensweise als Fleischfresser vor allem bei Pflanzenarten entstanden ist, die auf sehr mageren, nährstoffarmen Böden, wie zum Beispiel in Hochmooren leben.

Immer der Sonne zugewandt

Obwohl die Besonderheit bei diesen Pflanzen ihre spezialisierten, zu Fangapparaten umgebildeten Blätter sind, blühen viele Arten auch sehr schön. Derzeit stehen gleich mehrere südafrikanische und asiatische Sonnentau-Arten in Blüte. Beim südafrikanischen Kap-Sonnentau (Drosera capensis) entfalten sich die leider nur kurzlebigen rosafarbenen Blüten in wickeligen Blütenständen. Sie wenden sich immer der Sonne zu und öffnen sich auch nur im Sonnenschein vollständig.

Wie andere Pflanzen benötigen auch die Sonnentau-Arten Insekten als Bestäuber für die erfolgreiche Produktion von Samen. Damit diese jedoch nicht in die Falle geraten, erheben sich die Blüten an langen Stielen weit über die gefährliche Blattrosette. Beim Kap-Sonnentau sind die Blätter schmal und auf der Oberseite dicht besetzt mit langstieligen Tentakeln, die rot gefärbt sind und an der Spitze den glänzenden Tropfen eines klebrigen Sekrets tragen.

Angelockt von dem scheinbar süßen Tropfen bleiben Insekten an der klebrigen Flüssigkeit hängen. Benachbarte Tentakel bewegen sich aktiv zu dem gefangenen Insekt, sodass ein Entkommen unmöglich wird. Langsam wird das Insekt schließlich von der Flüssigkeit mit Hilfe von Verdauungsenzymen aufgelöst. Auch in der Karnivorenvitrine sieht man immer wieder glücklose Insekten, die dem Sonnentau in die Falle gegangen sind.

Anpassungen an Lebensräume

Die Karnivoren-Vitrine ist Teil der Ökologischen Abteilung im Botanischen Garten, die derzeit neu gestaltet wird. Hier werden Anpassungen von Pflanzen an bestimmte Lebensräume und Standorteigenschaften wie Trockenheit oder Nährstoffarmut, aber auch Anpassungen an Tiere, zum Beispiel Bestäuber oder Fraßfeinde gezeigt.

Wo fleischfressende Pflanzen verführerisch aufblühen
Blüte des Kap-Sonnentau: immer sonnenzugewandt. Bild: Botanischer Garten

Alexandra Kehl, die Kustodin des Botanischen Gartens der Universität Tübingen, stellt in dieser TAGBLATT-Serie regelmäßig eine Pflanze des Monats vor. Mit Hilfe eines Hinweisschilds am Eingang des Gartens können die Besucher dieses Highlight gezielt aufsuchen.
Eine Infotafel neben der Pflanze gibt Aufschluss über deren Herkunft, über Besonderheiten und die Nutzung des Gewächses.

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04.09.2012, 12:00 Uhr

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