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Übrigens

Wo ist bloß das Telefon geblieben?

06.04.2016
  • Gabi Schweizer

Im Verwaltungsausschuss geht es um die kommunale Doppik. Es ist warm im Raum. In der Vorlage stehen Sätze, die so anfangen: „Auf den Ansatz früher geleisteter Investitionszuschüsse (nach § 52 Abs. 3 Nr. 2.2 GemHVO...)“ Ich bin müde. So müde. Seit ich wieder arbeite, kompensiert mein Sohn die tagsüber verlorene Mama-Zeit nachts. Dann ist er öfters mal fit und will spielen. Um fünf, wenn ich Glück habe. Um drei, wenn ich Pech habe. Manchmal schläft er wieder ein, wenn ich aufstehen muss.

Mein Sohn ist 16 Monate alt und inspiriert zum verzaubert-kindlichen Blick auf die Welt. Wir backen gemeinsam Sandkuchen. Den Bach neben dem Spielplatz erkunden wir mit großer Begeisterung – so lange, bis trockene Klamotten dringend geworden sind. Blumen gießen ist ein Abenteuer, und jede krächzende Krähe eine wundersame Kreatur. Für ihn ist das kleine Dorf die große Welt.

Mein Kind ist wunderbar. Aber eine Freundin hat es mal so formuliert: „Man möchte irgendwann wieder in Haupt- und Nebensätzen kommunizieren.“ Im Büro hätte ich das gerne vom ersten Tag an getan, aber das ging nicht. Die Telefone waren abgeschafft worden und statt dessen ein Computerprogramm installiert. Die Kollegen hatten eine Schulung und eine 16-seitige Broschüre erhalten, wie die neue Anlage zu bedienen sei. Und Kopfhörer. Kopfhörer! Die Redaktion sieht aus wie ein Callcenter.

Ein bisschen konnte ich in meiner ersten Arbeitswoche nachvollziehen, wie es Menschen geht, die lange ohne Job waren. Wie geht nochmal der Kurzbefehl, der die Artikellängen anpasst? Habe ich früher nicht schneller getippt? Ich hatte mal einen Traum, in dem ich fortwährend Zeitungsseiten layoutete, wie am Schnürchen. So flott lief es in den ersten Tagen nicht.

Wie viel sich in anderthalb Jahren verändert hat! Auf dem Mössinger Merzareal ist eine Burg emporgewachsen. Als ich ging, blühten dort noch rosarote Cosmea. Das Rotkreuz-Häusle in Nehren steht nicht mehr. Und wo ist denn die Frau Horn im Gomaringer Gemeinderat geblieben? Auf ihrem Platz sitzt ein mir unbekannter Mann.

Inzwischen finde ich es großartig, dass ich während des Telefonierens tippen kann. Ich kann wieder schreiben. Ganz in Ruhe im Büro, ohne dass der Kleine auf meinen Schoß klettert und zielsicher nach der Computermaus greift, die er als wichtigstes Haustier identifiziert hat. Ich unterhalte mich über große und kleine Politik jenseits von Brei und Windeln. Nicht alles ist spannend, aber vieles. Ich lerne Menschen kennen, die Geschichten zu erzählen haben und deren Geschichten ich weitererzählen möchte. Wenn ich mal wieder wissen will, wie dieser oder jener Tastatur-Kurzbefehl lautet, gibt es viele nette Kolleg(inn)en.

Schön, wieder hier zu sein.

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06.04.2016, 01:00 Uhr

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