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Versorgungsstärkungsgesetz

Wo ist der Fortschritt?

Mit einem Offenen Brief protestieren die niedergelassenen fachärztlichen Internisten im Kreis Tübingen gegen das geplante Versorgungsstärkungsgesetz (29. Mai).

10.06.2015

Seit einigen Jahren habe ich den Eindruck, dass das Gesundheitsministerium, einschließlich der uns wohlbekannten Staatssekretärin, seine ganze Arbeitskraft auf die Umverteilung der Finanzmittel zu Gunsten großer Konzerne konzentriert. Die Interessen und Bedürfnisse der Patienten bleiben praktisch unberücksichtigt. Diese Tendenz verfolgt offenbar auch das geplante Versorgungsstärkungsgesetz – allein der Name sagt schon einiges über die Autoren aus – es wird von dem Ministerium unter dem Etikett „Verbesserung der Versorgung der Patienten“ verkauft.

Wenn man den Ausführungen von Dr. Kläger folgt, ist das aber gerade nicht der Fall. Es stellt sich nämlich sofort die Frage, wieso wird die Versorgung besser, wenn in unserer Region 26 Facharztpraxen geschlossen werden. Schon heute muss man bei einem Facharzt auf einen Termin mindestens 14 Tage warten. Zum Beispiel ist das für einen Patienten mit Zahnproblemen, intensiven Schmerzen oder mit Herzkrankheiten ein unerträglicher Zeitraum.

Im neuen Gesetz sind Wartezeiten von vier Wochen geplant, wo ist da der Fortschritt? Außerdem sollen bevorzugt die Ambulanzen der Kliniken aufgesucht werden, diese unpersönliche Atmosphäre führt in vielen Fällen bei den Betroffenen zu Stresssituationen, die für eine Heilung kontraproduktiv sind. Mein Vorschlag wäre, dass ein Gesundheitsminister nur eine reife Person sein sollte, dann würde er die Bedürfnisse von Patienten wirklich verstehen.

Von unserer Regierung wird in allen Fällen die freie Marktwirtschaft propagiert, warum soll diese nicht auch im Gesundheitswesen funktionieren? Die niedergelassenen Ärzte würden selbst schon merken, wenn es zu viel Praxen und zu wenig Patienten gibt. Eine Abwanderung von den Städten aufs Land ist nur über finanzielle Anreize möglich, nicht durch Gesetze.

Dr. Hartmut Stegmann, Rottenburg

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10.06.2015, 12:00 Uhr

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