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Wochenmärkte im Wandel
Bundesweit gibt es etwa 3300 Wochenmärkte. Doch in den vergangenen Jahren sind viele von ihnen deutlich geschrumpft, weil die Nachfrage fehlt. Foto: Bildquelle
Konkurrenz

Wochenmärkte im Wandel

Discounter machen den Händlern das Leben schwer. Manche geben auf, andere versuchen, eine Nische zu finden.

17.11.2016
  • DPA

Bremen. Wer zum Marktstand von Kai Oldenbütel kommt, will nicht nur Käse kaufen. „Gerade älteren Menschen mit wenigen sozialen Kontakten ist es wichtig, ins Gespräch zu kommen“, sagt Oldenbüttel. Immer freitags bietet er auf einem Wochenmarkt Heumilchkäse aus Österreich an. Die meisten seiner Kunden kennt er, einige auch mit Namen. Sie wissen die Qualität seiner Produkte zu schätzen. „So etwas findet man nicht im Supermarkt“, sagt eine Frau.

Bundesweit beleben mehr als 3300 Wochenmärkte Plätze und Einkaufsstraßen. „Das ist nach wie vor eine ordentliche Zahl“, sagt Gerhard Johnson, Vorstandssprecher der Marktgilde, die mehr als 200 Märkte organisiert. Aber in den letzten sechs bis acht Jahren seien die Märkte teilweise um bis zu 50 Prozent geschrumpft.

Die Gründe sind vielschichtig. „Die klassischen Händlerfamilien sterben aus“, sagt Johnson. Die Kinder wollen das Geschäft nicht übernehmen. „Das ist oft ein Knochenjob.“ Morgens um 3 Uhr aufstehen, auf den Großmarkt fahren, selber ernten, bei Wind und Wetter draußen verkaufen: „Das ist für viele nicht attraktiv.“

Zudem haben die Wochenmärkte starke Konkurrenz. Früher habe der Markt der allgemeinen Nahversorgung gedient, sagt der Wirtschaftswissenschaftler Johnson. Heute finden die Kunden die Waren im Discounter und haben auch noch den Parkplatz vor der Tür. „Preislich können die Wochenmärkte da nicht gegen an“, sagt Carlos Aragues Bremer von der Marktgilde Hannover. Die Folge: Der Umsatz auf Märkten ist laut Johnson in den letzten 20 Jahren extrem gesunken.

Deshalb sei es wichtig, dass die Händler auf hohe Qualität und das besondere Angebot setzten: „Die Nische ist die große Stärke“, so Bremer. Das haben die verbliebenen Händler erkannt. Die Palette ihrer Spezialitäten ist breit gefächert: Von selbstgemachter Marmelade, frischen Nudeln bis zu Holzofenbrot. Auf einigen Märkten gibt es Produkte wie Filzhüte oder Haushaltswaren aus Olivenholz. In einigen Städten wie Hamburg werden Nachtmärkte von 16 bis 22 Uhr angeboten, um sich dem Verhalten der Kunden anzupassen. „Es geht auch um das Erlebnis“, sagt Block.

Er weiß, wie wertvoll Wochenmärkte für die Städte sind: „Sie sind ein wichtiger Anker. Sie bringen Frequenz in die kleinen und mittleren Städte, die oft unter dem hohen Leerstand von Ladenlokalen leiden.“ Allerdings wird auch eine gewisse Kaufkraft der Besucher gebraucht. Deshalb seien Wochenmärkte zumindest in Großstädten eher in gut situierten Stadtteilen zu finden, sagt Dittmar Machule, emeritierter Professor für Städtebau und Stadtbaugeschichte aus Hamburg. „Ein guter Wochenmarkt braucht auch das Bewusstsein für gute Nahrungsmittel und Menschen, die kochen wollen.“ dpa

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17.11.2016, 06:00 Uhr

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