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Neue Höchstzahl an Asylanträgen

Wohl über 100 000 Flüchtlinge in diesem Jahr

Im Oktober haben in Baden-Württemberg 17 307 Flüchtlinge einen Erstantrag auf Asyl gestellt - ein Allzeitrekord. Das Bild dominieren Syrer.

05.11.2015
  • ROLAND MUSCHEL

Stuttgart Die Bemühungen der Politik, durch den jüngsten Asylkompromiss und weitere Maßnahmen die Zahl der Flüchtlinge zu begrenzen, spiegeln sich in den Statistiken bislang nicht wider. Im Gegenteil: Im Oktober haben exakt 17 307 Menschen in Baden-Württemberg einen Erstantrag auf Asyl gestellt. Das ist die höchste Zahl in der Landesgeschichte. Im März waren es noch weniger als 3000, seitdem steigen die Zahlen Monat für Monat an.

In den ersten zehn Monaten dieses Jahres hat Baden-Württemberg insgesamt mehr als 70 000 Erstanträge registriert, davon allein 40 000 zwischen August und Oktober. Wenn die Entwicklung anhält, wird sich die den Planungen für zusätzliche Unterkünfte zugrunde liegende Prognose, wonach das Land in diesem Jahr mit 100 000 Flüchtlingen rechnen muss, nicht halten lassen.

Der Blick auf die Statistik belegt, dass inzwischen kaum noch Flüchtlinge von den von der Politik als "sichere Herkunftsländer" eingestuften Westbalkan-Staaten kommen. In der Top Ten der Hauptzugangsländer finden sich im Oktober nur noch die Balkanländer Albanien und Serbien, mit zusammen lediglich knapp 600 Flüchtlingen, was einem Anteil von 3,5 Prozent an der Gesamtzahl entspricht. Der Kosovo, der zu Beginn des Jahres noch die Schlagzeilen dominiert hatte, spielt als Fluchtland keine Rolle mehr. Die Anerkennungsquote für Asylbewerber vom Balkan liegt deutlich unter einem Prozent. Das hat sich inzwischen offenbar genauso rumgesprochen wie die Ankündigungen der Politik, Flüchtlinge aus dieser Region möglichst zügig wieder rückführen zu wollen - auch zwangsweise.

Dass die Zugangszahlen insgesamt dennoch weiter steigen, liegt daran, dass nun immer mehr Flüchtlinge aus Kriegs- und Krisengebieten kommen, die tatsächlich Anspruch auf Asyl haben und damit langfristig im Land bleiben dürften: Über 70 Prozent der Erstantragsteller im Oktober sind aus Syrien (knapp 8000), Afghanistan (2615) und dem Irak (2107). Syrern wird bislang in rund 90 Prozent aller Fälle Asyl gewährt; Irakern in rund 60 Prozent und Afghanen in rund 40 Prozent aller Fälle. Für die Politik im Land wie im Bund bedeutet das, dass sie - allen Debatten über Transitzonen und Abschiebungen zum Trotz - ihre Anstrengungen, zusätzliche Unterkünfte für Flüchtlinge zu finden, weiter verstärken muss.

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05.11.2015, 12:00 Uhr

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