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Kommentar

Wohl und Wehe von Nebenjobs

In jungen Jahren passen Wünsche und das Guthaben auf dem Girokonto meist nicht zusammen. Kinokarten, ein neues Buch, endlich die angesagte Jeans, Haarwachs zum Stylen oder Nagellack in der Trendfarbe: Je nach den häuslichen Spielregeln – was finanzieren die Eltern, wofür muss das eigene (Taschen-)Geld herhalten? – können die vermeintlichen Bedürfnisse in die Miesen führen. Da hilft nur ein passender Nebenjob.

07.10.2014
  • Ute Kaiser

Die sind Typsache. Es gibt Jobber, die eine überschaubare kontinuierliche Arbeit bevorzugen, etwa als Nachhilfelehrerin oder als Prospektausträger. Andere suchen nach Ferienbeschäftigungen, deren Verdienst sie lange über Wasser hält.

Wer Glück hat, kann von dem jeweiligen Job nicht nur finanziell profitieren. Eine meiner tollsten Nebenbeschäftigungen war, für ein Dentallabor Gebisse und Zahnersatz auszufahren. Zwar war der „Dienst“-Renault 4 schon ziemlich verrostet und verbeult. Aber es machte mich kurz nach der Führerscheinprüfung stolz, allein damit durch die Stadt zu kurven. Und das war auch noch gut bezahlt. Je nach Persönlichkeit des Zahnarztes war die Auslieferung sogar amüsant – allerdings eher für mich als für den Patienten, der mit weit geöffnetem Mund ausharren musste, weil der Dr. med dent. mir unbedingt zeigen wollte, wie perfekt sich die künstliche Krone in das echte Gebiss einpasst.

Ebenso bleibend ist die Erinnerung an einen mehrwöchigen Ferienjob. Meine Aufgabe war es, Flugzeugscheiben aus Plexiglas auf Fehler hin zu kontrollieren. Die Platten hatten scharfe Kanten. Oft genug waren die Unterarme trotz der Schutzhandschuhe angeritzt. Doch die gute Stimmung im Team wog das Weh auf. Die hatten wir unserem italienischen Kapo zu verdanken. Obwohl er am Wochenende auch noch einen Reisebus chauffierte, um das Häuschen für seine Familie zu finanzieren, war er stets fröhlich. Wir haben viel gelacht.

Ein kulinarisches Vergnügen dagegen war die Spätschicht in einer Kassettenfabrik. Meine türkischen Kolleginnen brachten ihr Essen immer in Henkelmännern mit – so reichlich, dass auch für mich stets etwas zum Probieren übrig war. Leider konnte ich mir schon damals keine Rezepte merken.

Mit Essen zu tun hatte auch der einzige Job, den ich schon nach wenigen Stunden satthatte. Mitten im Hochsommer stellten wir Plätzchenherzen mit Pistazienfüllung her. Damit nicht genug. Sie waren auch noch mit einer dicken Schicht dunkler Schokolade überzogen. Augen und Nase wurden besonders strapaziert, wenn die Maschinen am Ende der Schicht geleert wurden und sich – gefühlt – Tonnen von Schokolade daraus ergossen. Der Geruch verfolgte mich stundenlang. Dagegen kamen weder Essiggurken noch Senf an. Weil sich auf die Schnelle kein anderer Job fand, blieb da nur: die Wünsche dem schmalen Budget entsprechend abzuspecken.

Jugendredaktion Flugplatz

Wohl und Wehe von Nebenjobs

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07.10.2014, 12:00 Uhr

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