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Zwei Häuser für Flüchtlinge: Stadt Tübingen plant Neubauten

Wohnraum für 50 bis 70 Immigranten

Woche für Woche kommen mehr Flüchtlinge aus Kriegs- und Krisengebieten nach Deutschland. Auch Stadt und Kreis Tübingen suchen händeringend nach Wohnraum für die Immigranten. Jetzt hat die Kreisbau zwei Häuser in der Niethammerstraße zur Verfügung gestellt.

22.10.2014
  • Sabine Lohr

Tübingen. Vergangene Woche erst war der erste Spatenstich für ein Haus hinterm Landratsamt, in dem rund 100 Flüchtlinge unterkommen können, während sie auf den Ausgang ihre Verfahrens warten. Doch das neue Gebäude reicht bei weitem nicht aus: „Es kommen Woche für Woche mehr Flüchtlinge ins Land“, sagte Baubürgermeister Cord Soehlke am Montag im Planungsausschuss. Der Kreis will deshalb gegenüber dem ehemaligen Zentrum Zoo noch Container aufstellen, in denen 50 bis 60 Asylbewerber untergebracht werden. Die Fläche gehört dem Zweckverband Ammertalbahn, der, so Soehlke, „signalisiert hat, dass er bereit ist, diese Fläche freizugeben“.

Bisher war zudem geplant, 50 bis 70 Wohnplätze in einem weiteren Modulbau auf der Oberen Viehweide zu schaffen. Darüber informierte die Stadtverwaltung am Montag den Ortsbeirat Nordstadt.

Kurz danach tat sich etwas Neues auf: Die Kreisbau bot zwei Häuser in der Niethammerstraße an, einer kleinen Verbindungsstraße zwischen Schönblick und Gottlieb-Olpp-Straße. Die Häuser stehen leer, weil sie saniert werden sollten. 60 bis 70 Personen könnten dort sofort einziehen.

Der Standort auf der Viehweide ist deshalb aber nicht gestrichen. Allerdings will die Stadt dort keine langfristigen Bauten haben, weil die Fläche als Gewerbegebiet ausgewiesen ist. „Wir können nicht garantieren, dass dort zehn Jahre lang eine Erstunterbringung stehen wird“, sagte Soehlke. Der Landkreis dagegen wolle am liebsten eine Garantie für 25 Jahre. Darüber werde zur Zeit noch verhandelt.

In der Regel bleiben die Immi-granten anderthalb bis zwei Jahre in diesen so genannten „Erstunterbringungen“ – so lange dauert es, bis über ihr Asylverfahren entschieden wird. Wer bleiben darf, braucht dann aber auch Wohnraum. Für diese so genannten Anschlussunterkünfte sind die Kommunen zuständig.

Tübingen hat dafür, wie berichtet, einige Standorte für einfache Wohnungen ausgewählt. Im Planungsausschuss präsentierte Soehlke nun eine Prioritätenliste. Demnach soll zuerst das Grundstück hinter der Derendinger Straße 92 bebaut werden, danach Teile des Parkplatzes an der Waldhäuser Straße westlich der Markthalle. Auf dem Derendinger Grundstück könnte Wohnraum für 20 bis 40 Personen geschaffen werden, auf dem Parkplatz für 40 bis 50.

„Wir versuchen, diese Wohnungen nicht ausschließlich mit Flüchtlingen zu belegen, sondern zu mischen“, sagte Stadtplaner Tim von Winning. Ernst Gumrich (Tübinger Liste) regte an, die Wohnungen mit Studenten und Flüchtlingen zu belegen. Er habe über ein derartiges Projekt eine Fernsehsendung gesehen, „das funktioniert sehr gut.“

Wohnungsmarkt ist für alle Gruppen eng

Damit sprach er ein Problem an, das Gumrichs Fraktionskollegen Ulf Siebert Sorgen macht: „Viele wollen eine Wohnung in Tübingen – Studenten, Familien und auch wohlhabende Leute. Wir müssen aufpassen, dass dieses Spannungsfeld nicht zunimmt.“ Von Winning versprach, auf eine Durchmischung zu achten, allerdings räumte er auch ein, dass eben alle zugewiesenen Flüchtlinge untergebracht werden müssen. Es könne durchaus sein, dass die neuen Wohnungen ausschließlich mit Flüchtlingen belegt werden müssten – „bevor einer auf der Straße steht“.

Ingeborg Höhne-Mack (SPD) wünschte sich vor allem Flüchtlings-Familien in Tübingen. Soehlke verwies jedoch darauf, dass die Stadt keinen Einfluss darauf habe, wer dem Landkreis zugewiesen werde.

Wohnraum für 50 bis 70 Immigranten
Diese beiden Häuser in der Niethammerstraße stehen zur Zeit leer, weil sie saniert werden müssen. Die Kreisbau bot sie – im jetzigen Zustand – dem Landkreis als Asylbewerberunterkunft an. Bild: Metz

Auf Dauer werden die beiden jetzt priorisierten Flächen für Neubauten nicht reichen, um alle Flüchtlinge dauerhaft unterzubringen, die nach ihrer Anerkennung in Tübingen bleiben. Im Gespräch sind deshalb weitere Bauflächen, allerdings ohne Priorisierung.
Es sind dies:
  • Waldhäuser Straße 140 und 142
  • > Teile des Parkplatzes beim Herbstenhof
  • > Sindelfinger Straße 32-42 (GWG-Projekt)
  • > Zentrum-Zoo-Grundstück
  • > Hechinger Eck
  • > Zwischen Derendinger und Konrad-Adenauer-Straße
Die Stadt rechnet damit, dass bis Ende nächsten Jahres etwa 90 Flüchtlinge in Anschlussunterkünften untergebracht werden müssen. Erstunterkünfte werden für rund 170 Personen gebraucht.

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22.10.2014, 12:00 Uhr

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