Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Kreisverkehre im Kreis

Wolfenhausen war ein Blackpoint

Andere Menschen überqueren ihn schnöde und nichts achtend mit dem Auto, doch ich lege stets ein innerliches Gebinde vor dem Genius loci ab, wenn mich meine Fahrradtouren über den Kreisverkehr zwischen Wolfenhausen und Bondorf führen. Und manchmal drehe ich ganz andächtig eine Ehrenrunde.

18.08.2010
  • WILLIBALD RUSCHEINSKI

Nicht, weil ich auf der Suche nach dem Eingang ins nahe Maislabyrinth wäre – der ist inzwischen ganz unlabyrinthisch perfekt ausgeschildert. Schon eher, weil ich die Fernsicht auf den Albrand genießen möchte, die sich an dieser Stelle vom Gäu aus auftut, an klaren Tagen bis zur Teck. Vor allem aber einer Geschichte wegen, die mir nicht mehr aus dem Kopf geht, auch wenn sie teilweise eine Erfindung sein mag.

Tatsache ist, dass das zuvor nicht sonderlich bedeutende Verkehrsaufkommen an dieser Stelle eine erste beträchtliche Vermehrung erfuhr, seit Vorderösterreich 1784 eine Kunststraße von Seebronn nach Ergenzingen anlegen ließ. Sie war Teil der so genannten Breisgauer Chaussee, die Rottenburg über Horb mit dem fernen, aber ebenfalls habsburgischen Freiburg verband. Und just, wo heute der Kreisel sich befindet, kreuzte sie das Sträßle von Wolfenhausen nach Bondorf.

Hier aber liefen sich nicht nur Fuhrwerksführer über den Weg, sondern Konfessionen: Die Nord-Süd-Schiene, wie man heute sagen würde, war württembergisch und damit evangelisch, die Ost-West-Achse verband katholisches Terrain. Ob nun tatsächlich jenes sagenhafte Chausseehaus stand, wo sie einander querten, oder nicht: Hier sollen sich bis in neuere Zeit die jungen Männer aus den Nachbardörfern gern getroffen haben, die territorialen Gemengelage zu handfesten Raufhändeln zu nutzen – irgendein Grund dafür findet sich bekanntlich ja immer.

Probleme mit dem Verkehr im engeren Sinne hingegen gab es paradoxerweise erst, nachdem die Wolfenhäuser Kreuzung an Bedeutung verloren hatte. 1978 wanderte der Fernverkehr auf den neuen Autobahnzubringer B 28 a ab, und auch die Ost-West-Connection Ergenzingen-Seebronn wurde nun zur Kreisstraße herabgestuft. Gekracht hier freilich hat es, trotz einiger Übersichtlichkeit, seither so oft, dass die Kreuzung in den Unfallstatistiken zum Blackpoint Nummer 2 im Landkreis aufstieg.

Vielleicht hat besagter Fernblick auf die Alb der Autofahrer Sinne zu häufig umnebelt. Doch auch das ist seit dem Umbau zum Kreisverkehr im Jahre 2004 schon wieder Vergangenheit. „Dieser Kreistag mag Kreisel“, jubilierte der Landrat damals. In diesem Fall verstand ich sofort, warum.

Wolfenhausen war ein Blackpoint
Mit dem Albpanorama war es nicht so weit her an diesem diesigen Tag: Blick auf den Wolfenhäuser Kreisel.Bild: Sommer


Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball