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Immer noch viel zu sagen

Wolfgang Niedecken auf Erinnerungs-Tour im ausverkauften franz.K

Neil Youngs „Cowgirl in the sand“ hat sogar dann noch etwas, wenn es amerikanisch beginnt und kölsch endet. Wolfgang Niedecken (61) ist verantwortlich für dieses Kuriosum. Der Sänger, Texter, bildender Künstler und nicht zuletzt engagierter Mensch, füllt nicht nur die Hallen, sondern auch die Bühne mit seiner souveränen Präsenz.

14.11.2012

Reutlingen. Im mit 400 Sitzplätzen ausverkauften franz.K in Reutlingen nahm er die Zuhörerinnen und Zuhörer am Montagabend mit auf eine Reise durch sein abwechslungsreiches Leben.

Zu diesem Zweck hatte er nicht nur zwei Gitarren und eine Mundharmonika, sondern auch seine Autobiographie „Für ne Moment“ im Gepäck. So kam es, dass das Publikum vieles über seine Jugend den kleinen Laden der Eltern, ein Chippendale-Tischchen, einen arbeitslosen Kirchenmaler, der sein Großvater war, und ein katholisches Internat erfuhr, in dem ein sadistischer pädophiler Pater den Kindern, darunter auch der junge Wolfgang, das Leben zur Hölle machte.

Bereits die Jugendlichen in den 60-er Jahren verstanden es ihre Eltern zu provozieren. Mit „Lautstärke, Haarlänge und ausgefallener Kleidung“ war auch Niedecken mit dabei. Mick Jaggers Karohose, ein Quelle-Bass und die Gitarrenakkorde C, F und G7 bildeten das solide Fundament für eine zukünftige Rockkarriere. Dass sich die Akkorde auch für Klassenfahrtheuler, wie „Wir lagen vor Madagaskar“ oder das fröhliche „Dedicated Follower of Fashion“ von den Kings eigneten, demonstrierte Niedecken umgehend.

Die Anfangszeit der Rockgruppe BAP wurde unter anderem mit der Beschreibung eines desaströsen Auftritts beim Sommerfest der Pädagogischen Hochschule in Köln beschrieben – aber auch mit einer Erinnerung an den Auftritt im Vorprogramm der Rolling Stones im Müngersdorfer Stadion. Bei „Verdamp lang her“ geriet das Publikum aus dem Häuschen. Worauf Mick Jagger der Überlieferung nach zu Tourveranstalter Fritz Rau gesagt haben soll: „What the hell is this, Fritz?“

Auch im franz.K singt Niedecken „Verdamp lang her“, jene wehmütige Erinnerung an den eigenen Vater, mit dem er noch vieles hätte besprechen müssen. Den legendären Auftritt im August 1982 als erste deutsche Band im Rockpalast unter anderem mit Rory Gallagher hätte BAP beinahe verpasst, weil er nicht so recht in die Urlaubsplanung passen wollte.

Später folgten auch Soloalben. Niedecken erzählt Annekdoten von seinen „Komplizen“, von den Toten Hosen, aus dem Münchner Nachtleben mit „Nachtcafé“, „P1“ und einer Kiste Bier, bevor er auch noch eine ganz andere Facette seines Erfahrungsschatzes öffnet: Als Mitbegründer des Hilfsprogramms Rebound hat er ehemalige Kindersoldaten aus Uganda unterstützt. Herzzerreißend und schockierend die Erfahrungen zum Thema, die er in seiner Autobiographie beschreibt und in seinem Lied „Noh Gulu“ auch musikalisch verarbeitet hat.

Länger als drei Stunden dauert der Auftritt des charismatischen Künstlers, der im vergangenen Jahr einen Schlaganfall erlitten hat. Das merkt man ihm nicht an. Wolfgang Niedecken hat immer noch viel zu sagen und zu singen. Und das hat er zur Freude seines Publikums am Montag im franz.K auch ausgiebig getan. Bernhard Haage

Wolfgang Niedecken auf Erinnerungs-Tour im ausverkauften franz.K
Drei Stunden lesen, singen, plaudern: Mit Wolfgang Niedecken wurde den 400 Zuhörern im franz.K die Zeit nicht lang. Bild: Haas

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14.11.2012, 12:00 Uhr

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