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Pistazien oder Sex

Woody Allen auf der Brechtbau-Bühne

Was geschieht, wenn Woody Allen die komplizierten New Yorker Paarbeziehungen einmal hinter sich lässt und stattdessen in den Wohnzimmern von Suburbia zuschlägt, zeigt die aktuelle Inszenierung der Provisional Players im Brechtbau-Theater.

08.07.2015
  • dhe

Tübingen. In „Old Saybrook“ führt das englischsprachige Studierendenensemble in das Aufsteigermilieu (Zahnarzt, Steuerberater) eines Küstenstädtchens in Connecticut (Regie: Lena Först). In einem schicken Wohnzimmer (einfach, aber überzeugend gestylt von Chantal Ott, Oliver Schröder und Regina Schweizer) quälen sich zwei Männer und zwei Frauen durch eine vorabendliche Runde Drinks.

Sichtlich bemüht lavieren sie zwischen quälend stockendem Smalltalk und dem aufgesetzten Arrangieren von Knabberzeug. Wer als Paar zu wem gehört, scheint in diesen ersten Szenen noch unklar.

Solche Allerwelts-Verlegenheiten mit viel Ironie und gleichzeitig mit einem hohen Wiedererkennungseffekt zu skizzieren, dürfte ein Markenzeichen von Woody Allen sein. Mindestens ebenso kurios wie die Sprödheit zwischen Norman (Andrey Fadeev), Sheila (Nika Noverijan), Jenny (Irina Rückert) und David (Stefan Kahn), die fast alle auch noch miteinander verwandt sind, wirken die Pausen, das kurze Verstummen, wenn einer dem anderen verbal so heftig eine übergebraten hat, dass dem für den Augenblick nichts mehr einfällt. Solche K.O.-Momente wirken auf der Bühne noch stärker als in einem Film.

Das Maximum an Individualität leistet sich David, der sich brüsk entzieht, um (für die Zuschauer außer Sicht) vor seinem Fernsehgerät dem Golfer Tiger Woods zu huldigen – bis ihn eine zwanghafte Vorliebe für geröstete Pistazien zurück ins Wohnzimmer zwingt. Pistazien oder Cashews – von dieser Beschaffenheit sind in Old Saybrook die Existenzfragen. Es sind zwei Eindringlinge von außen, die eine erheblich stärkere emotionale Dynamik in Gang setzen. Angeblich wollen Sandy (Sarah Kentner) und Max (David Janssen), sich nur kurz im Haus umsehen, weil sie früher selbst dort gelebt hatten. Als Max die anderen auf einen geheimen Safe aufmerksam macht, ist es, als hätte er mit Freudscher Symbolwucht Pandoras Box geöffnet, aus der bislang sorgfältig verborgene Affären ans Licht drängen.

Obwohl eine eher kleine Produktion – 50 Minuten, begrenzter Schauplatz – garantieren die perfekt gesetzten Pointen und überraschenden Wendungen ein sehr amüsantes Theatervergnügen.

Info Von Mittwoch bis Freitag jeweils um 20 Uhr im Brechtbau-Theater, Wilhelmstraße 50.

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08.07.2015, 12:00 Uhr

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