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Weihnachtsgruß an die NSA

25.11.2015

Wunderbare Winterweihnachtszeit. Jetzt kommen wieder die Engel und Nikoläuse, die heißen Maroni und der Glühwein. In der Horber Innenstadt haben die städtischen Mitarbeiter die Adventszweige und die Weihnachtsbeleuchtung aufgehängt. Auf dem Flößerwasen werden schon die Buden aufgebaut für den Weihnachtsmarkt, der am Freitag beginnt.

Wunderbare Winterweihnachtszeit? Nichts ist mehr wie gewohnt. Bei all dem Singen und Musizieren, dem Schnabulieren und Konsumieren plagen die Menschen Terror-Ängste wie seit den 1970er-Jahren nicht mehr. In Frankreich wird der Ausnahmezustand für drei Monate zur Normalität. Von wegen wunderbare Winterweihnachtszeit. Paris auf allen Kanälen, sogar das Schweizer Fernsehen diskutiert über Bodenangriffe gegen den sogenannten „Islamischen Staat“ in Syrien und im Irak.

Stille Nacht – nicht für die Menschen in Aleppo und Damaskus. Dort sterben jeden Tag so viele Menschen wie in der Terror-Nacht am Eiffelturm – doch die täglichen Meldungen verhallen hier fast unbeachtet.

Kein Weihnachten wie jedes Jahr, auch wegen der vielen Flüchtlinge in ihren Notunterkünften. Wer jetzt nicht helfen will, in dieser mildtätigsten Zeit des Jahres, der tut es auch nach Dreikönig nicht mehr. Aber viele wollen helfen und lassen sich von den Schwarzmalern und Bedenkenträgern keinesfalls die Hilfsbereitschaft austreiben. Was nervt, sind diese Äußerungen, die jetzt argwöhnen, dass unter den Flüchtlingen verkappte Islamisten seien. Dabei sind die Flüchtlinge genau vor dem Terror geflohen, der jetzt auch bis nach Europa gedrungen ist.

Wunderbare Winterweihnachtszeit – dennoch. Ich will mir die Laune nicht von den Amokläufern und Selbstmordattentätern vermiesen lassen. Vielleicht gehe ich demnächst wieder mal in die Stuttgarter Fußballarena zum VfB, auch wenn dort die Sicherheitskräfte in Alarmstimmung sind. Was passiert, wird passieren – es langt, dass jeder Spielzeugpistolenträger bundesweit zum Terrorverdächtigen hochgejazzt wird.

Bitte jetzt keine neue bleierne Zeit mehr wie damals in meiner Kindheit, als die Links-Terroristen der Rote Armee-Fraktion die Republik in Atem hielten, denke ich mir. Wenn ich höre, wie Bundesinnenminister Thomas de Maizière nach dem abgesagten Fußball-Länderspiel gegen die Niederlande von Hannover herumgeeiert hat, dann wünsche ich mir ein bisschen mehr Klarheit und weniger Wischi-Waschi-Sätze. Denn keine Bedrohung ist so schlimm wie die vielsagend verschwiegene.

Das gilt auch für die Dauerüberwachung der Geheimdienste. Neulich habe ich eine Mail über einen Zeitungstermin verschickt, in der gleich mehrfach die Begriffe „NSU“ und „Zschäpe“ standen. Das hat bestimmt unsere amerikanischen Freunde alarmiert. Somit sind sie jetzt sicherlich die ersten, die dieses „Außerdem“ lesen. Und so wünsche ich der NSA hiermit exklusiv ein gesegnetes Weihnachtsfest! Matthias Reichert

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25.11.2015, 01:00 Uhr

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