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Mobilität

Wundermittel E-Fuels?

Was für ein Versprechen: Niemand muss seinen Diesel stehen lassen, und auch Benziner haben kein CO2-Problem mehr.

23.08.2019

Von Igor Steinle

Verkehrsminister Andreas Scheuer. Foto: dpa/Lisa Ducret

Berlin. Möglich wäre das, wenn man anstatt fossiler Treibstoffe deren synthetische Äquivalente tankt, so genannte E-Fuels. Sie werden aus Wasserstoff hergestellt und könnten Diesel, Benzin und Erdgas eins zu eins ersetzen. Gasheizungen könnten weiterbetrieben werden, der Umstieg auf E-Autos würde unnötig.

Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) ist begeistert: „Wir gehen voll auf saubere Treibstoffe“, kündigte er nach einer Sitzung des Klimakabinetts an. Diese Woche forderte er, die Einnahmen aus der Luftverkehrssteuer für deren Erforschung zu verwenden. Wissenschaftler jedoch beäugen die Begeisterung mit Misstrauen. Sie kritisieren: Synthetische Kraftstoffe sind nicht die Heilsbringer, als die sie verkauft werden.

„Es wird suggeriert, dass ein vermeintlich einfacher Wechsel zu ,grünen‘ Brennstoffen energetische Gebäudemodernisierungen, Investitionen in effizientere Produktionsprozesse oder den Ausbau einer nachhaltigeren Verkehrsinfrastruktur obsolet machen könnte“, schreiben 23 Energie-Experten namhafter Institute wie Fraunhofer oder dem Potsdamer IASS in einem Warnruf.

Wahre Verschwendungsorgie

Denn die Sache hat einen Haken: bei „Power to X“, wie sich das Verfahren nennt – das „X“ steht für den gewünschten Kraftstoff – findet eine regelrechte Verschwendungsorgie von Strom statt. E-Fuels haben aktuell einen Wirkungsgrad von 13 Prozent. Das bedeutet: Die restlichen 87 Prozent des verwendeten Stroms werden für die Herstellung der künstlichen Kraftstoffe verwendet und landen nicht auf der Straße oder im Heizkessel.

Zwar bezweifelt niemand, dass der begrenzte Einsatz in Flugzeugen oder Schiffen mangels Alternativen sinnvoll sein könnte. Würden E-Fuels jedoch im großen Stil produziert, hätte dies „enorme Umweltauswirkungen“, warnt der Karlsruher Fraunhof-Forscher Wolfgang Eichhammer: Unmengen an grünem Strom müssten produziert werden, was einen unvorstellbaren Flächenverbrauch für Windräder und Stromleitungen zur Folge hätte.

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Erstellt:
23. August 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
23. August 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 23. August 2019, 06:00 Uhr

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