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Unglück

Wurzeln lösen Felsblock

Nach dem tödlichen Unfall auf der A81 bei Tuningen läuft die Ursachenforschung. Weitere Quader werden entfernt. Opfer noch nicht sicher identifiziert.

15.10.2019

Von PETRA WALHEIM

Gegen den Felsquader ist ein Porschefahrer gefahren. Foto: Wilhelm Bartler/dpa

Tuningen. Es ist ein tragisches Unglück, das nicht vorhersehbar war und wahrscheinlich auch nicht hätte verhindert werden können. Der Felsblock, gegen den am Samstagabend auf der A81 zwischen Tuningen und Villingen-Schwenningen ein Porsche gefahren ist, wurde nach „ersten Erkenntnissen des Landesamtes für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (LGRB)“ vom Wurzeldruck von Bäumen aus dem Hang gelöst. Der Felsabsturz hat damit eine „natürliche Ursache“.

Der Fahrer des Porsches, der in Fahrtrichtung Stuttgart unterwegs war, soll nach Auskunft der Polizei ein 62 Jahre alter Mann aus dem Landkreis Rottweil gewesen sein. „Sicher ist das aber noch nicht. Dafür muss erst noch die Obduktion der Leiche abgewartet werden“, sagte Michael Aschenbrenner, der Leiter des Polizeipräsidiums Tuttlingen.

Erster Staatsanwalt Andreas Mathy von der Staatsanwaltschaft Konstanz sagte, mit dem Ergebnis sei nicht vor Ende der Woche zu rechnen. Um 100-prozentige Sicherheit über die Identität des Fahrers zu bekommen, müsse ein DNA-Abgleich gemacht werden.

Der Fahrer war am Samstag gegen 20.30 Uhr nach Auskunft der Polizei mit seinem Sportwagen „mit hoher Geschwindigkeit“ und ungebremst auf einen Felsquader aufgefahren, der auf der Überholspur der A81 lag. Er konnte dem Hindernis nicht mehr ausweichen, schreibt die Polizei. Der Porsche fing sofort Feuer, der Mann ist in seinem Sportwagen bis zur Unkenntlichkeit verbrannt.

Zwei Geologen des Regierungspräsidiums Freiburg (RP) haben am Sonntagmorgen die Absturzstelle an dem unscheinbaren Hang an der Autobahn untersucht, um die Frage zu klären, warum sich ein 3,5 Tonnen schwerer Felsblock aus dem Hang löst und auf die Autobahn rollt. Nach ersten Erkenntnissen „hat der Wurzeldruck von Bäumen an der dicht bewachsenen Böschung den 3,5 Tonnen schweren Sandsteinblock 22 Meter oberhalb der Fahrbahn gelöst und ins Rollen gebracht“, heißt es in einer Pressemitteilung des RP.

Täglich eine Kontrolle

Die Kontrolle des Hangs ergab, dass zwei weitere, ähnlich große Felsblöcke an der „Ausbruchnische“ absturzgefährdet waren. Sie wurden mit Hilfe einer Fachfirma und des THW entfernt. Deshalb war die Autobahn zwischen den Anschlussstellen Tuningen und Villingen-Schwenningen bis Sonntagabend gesperrt.

Das Verkehrsministerium versichert, dass die Strecke „täglich mindestens einmal kontrolliert“ wird. Auch an den Wochenenden. Das RP informiert, dass nach Informationen der Autobahnmeisterei an dem Streckenabschnitt in der Vergangenheit „keine herabgefallenen Steine oder Felsbrocken festgestellt“ wurden.

Nichts habe darauf hingedeutet, dass sich ein Felsbrocken lösen könnte, sagt Pressesprecherin Heike Spannagel. Nach ihren Informationen ist der natürliche Fels an der Stelle von Spalten und Klüften durchzogen. „Die Spalten waren schon da.“ Durch den Druck der Baumwurzeln habe sich der Quader und hätten sich die anderen Quader gelöst.

Nach Auskunft des RP wurde das Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau beauftragt, ein Gutachten zu erstellen und es der Staatsanwaltschaft Konstanz vorzulegen. Nach Auskunft von Aschenbrenner soll auch ein unabhängiger Gutachter beauftragt worden sein.

Die Staatsanwaltschaft werde Ermittlungen einleiten, sagte Mathy. Wenn ein Mensch auf nicht natürliche Weise zu Tode komme, müsse die Staatsanwaltschaft reagieren.

Ob der Porschefahrer gerast sei, könne nicht gesagt werden, sagte Aschenbrenner. „Das ist reine Spekulation.“ Unklar sei auch, ob der Stein schon auf der Überholspur lag oder in dem Moment auf die Fahrbahn gerollt ist, als der Porschefahrer vorbei kam.

Mit einem Lastwagen wird einer der entfernten Felsbrocken abtransportiert. Die Männer der Autobahnmeisterei wollen sicherstellen, dass nicht noch ein tonnenschwerer Felsbrocken auf die Fahrbahn stürzt. Foto: Wilhelm Bartler

Am Hang an der Unfallstelle wird ein zweiter Fels abtransportiert, weil er ebenfalls nicht sicher ist. Foto: Wilhelm Bartler/dpa

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Erstellt:
15. Oktober 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
15. Oktober 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 15. Oktober 2019, 06:00 Uhr

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