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Wie böse ist das denn?!

X-Solidus Konzert versammelt Punk- und Goth-Fans

Gothic Rock, Electronic Body Music und Industrial Synth Pop sind mit dem Punk weitläufig verwandt – vor allem was Kleidung betrifft. Am Freitag traf sich die Szene zum X-Solidus Festival im Tübinger Sudhaus.

03.09.2012
  • mICHAEL sTURM

X-Solidus Konzert versammelt Punk- und Goth-Fans
Gothic im Sudhaus: Frontmann und Mädchenschwarm Kris der Vampir-Punkband Vlad in Tears singt mit Theaterblut-verschmiertem Mund. Bild: Sommer

Tübingen. Eine Pickelhaube wirkt heute im Alltag etwas bizarr, erst recht, wenn sie mit den beiden weithin sichtbaren Worten „uber allez“ beschriftet ist. Beim X-Solidus-Festival im Tübinger Sudhaus fiel die Kopfbedeckung des Tübingers David Schwarz dagegen kaum auf. An diesem Abend herrschte der Stil der Gothic-Szene vor: Hohe Schnallenstiefel, Lack und Leder, knappste Röckchen, Netzstrumpfhosen. Die Haare oft an der Seite hochrasiert, hinten dafür ein Zopf.

Die Autokennzeichen zeigten an, dass einige Besucher von weit her kamen: Schwandorf in der Oberpfalz, München, Hamburg, Kaiserslautern. Doch das Festival hatte nicht die starke Magnetwirkung, die Veranstalter Marco Franz erhofft hatte. „Es geht ganz gut los“, dachte sich Franz, als er die Schlange vor dem Einlass sah. Doch nach den ersten 70 Besuchern tröpfelte es. Franz vermutete, dass die Tattoo-Convention im nahen Reutlingen Besucher abzog.

Er bot im Sudhaus Bands auf, die sich in der Szene bereits einen Namen gemacht haben und die sich bereitwillig mit ihren Fans fotografieren ließen. Schock, Devil-M, Grausame Toechter – manche der Bandnamen wirkten gewöhnungsbedürftig, doch dahinter verbarg sich interessante, abwechslungsreiche Musik. „Ich höre nicht mehr so viel Metal Industrial wie früher, aber bei Angelspit bin ich dran geblieben“, so Benjamin Tuchel aus Stuttgart über die Elektro-Punk-Band. Deren Sängerin Amelia Tan alias DestroyX suchte den Kontakt zu Fans und Mitmusikern: „Wir sind hier noch nicht sehr bekannt, andersherum kennen wir selbst die anderen Bands nicht.“ Sie verbrüderten sich später mit der italienischen Band Vlad in Tears.

Gesang durch die Gasmaske

Ebenfalls aus Stuttgart, aber eher zufällig in Tübingen gelandet war Aleksa Plamper. Eine Bekannte hatte sie auf eine Tanzveranstaltung im Sudhaus aufmerksam gemacht, sich aber im Datum geirrt: „Stattdessen tanze ich jetzt halt zu Punkmusik, egal.“ Extrem tanzbar war die Musik von Centhron, das man sich vom Sound wie die deutschen Billig-Disco-Bediener Scooter vorstellen muss. Nur eben böse. Richtig böse.

Martialische Posen zu über 120 Beats in der Minute, drei headbangende Musiker und vor allem der durch künstliche Kontaktlinsen verstärkte irre Blick von Sänger Elmar beeindruckten optisch. Auch weil er sich zwischendrin durch eine Gasmaske sang, an die er sein Mikrofon unten einhängte. kaum waren Centhron auf der Bühne, ging im Publikum der Punk ab. Alle tanzten, bis auf einen: „Ein Arbeitsunfall“, knurrte Jan Kostenbader aus Nürtingen. Seine Begleitung Larissa Schilling betonte: „Normalerweise wäre er jetzt bereits klatschnass.“

Normalerweise treffen sich die beiden, wie viele andere der Gäste an diesem Abend, in der Hechinger Disco WOM, wo die Musik der „schwarzen Szene“, wie sie sich selbst nennt, aufgelegt wird. Allerdings nicht ausschließlich, erklärt Larissa Schilling: „Dort läuft auch Industrial, das zieht wiederum Raver an.“ Abgeschlossen sei die Szene nicht: „Das Image entsteht, weil einen die Leute nicht kennen.“ Gothic-Fans seien durchaus fröhliche Menschen, bei denen die Hilfsbereitschaft groß geschrieben werde: „Viele arbeiten in Pflegeberufen“, erklärt Larissa Schilling, selbst Rettungssanitäterin.

Das Outfit ist nicht billig

Der Auftritt von Centhron geht seinem Ende entgegen. Eine knapp bekleidete Rothaarige steigt auf die Bühne und räkelt sich. Während Sänger Elmar eher symbolisch die Peitsche über ihrem Hinterteil schwingt, singt sie: „Mach schon, Arschloch, fick mich, fertig.“ Riesiger Applaus und Zugaberufe.

Währenddessen schaut sich die Tübingerin Birgit Schudde am Stand mit den Accessoires um. Eine Larve, die wie eine Fledermaus geformt ist, hat es ihr angetan, aber 110 Euro will sie doch nicht zahlen. „Das dazu passende Kleid kostet 500 Euro. Da müsste ich schon im Lotto gewinnen, um mir das leisten zu können.“

Das Festival selbst sammelte Geld zur Unterstützung des Vereins Sandmänner, der sich gegen Kinderarmut in Deutschland einsetzt.

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03.09.2012, 12:00 Uhr

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