Autozulieferer

ZF stellt sich der neuen Normalität

Das Unternehmen kämpft derzeit an vielen Fronten. Die Aussichten sind verhalten.

08.08.2020

Von THOMAS VEITINGER

Montage von Pkw-Hybridgetrieben. Foto: ZF

Friedrichshafen. So schlimm ist es auch wieder nicht. Oder doch? ZF erwartet für das Jahr 2020 ein positives bereinigtes Ergebnis. Andererseits befinde sich das Unternehmen in einer „sehr ernsten Situation“, sagte ZF-Chef Wolf-Henning Scheider bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen. Der fünftgrößte Automobilzulieferer der Welt sieht zunächst keine Erholung des Marktes. Erst 2023 dürften weltweit wieder 88,5 Millionen Pkw und leichte Nutzfahrzeuge gebaut werden, in diesem Jahr werden es wohl keine 70 Millionen sein.

„China und Asien entwickeln sich aktuell am vielversprechendsten. Das Geschäft dort kommt sehr stark zurück und hilft uns, unsere Umsätze wieder zu steigern“, sagte Scheider. Nicht so in Europa und Amerika.

ZF reagiert mit einer Reihe von Maßnahmen auf die Auswirkungen der Pandemie und die Strukturveränderungen der Branche. Die Kostenreduzierung – die im ersten Halbjahr 1 Milliarde Euro einbrachte – läuft weiter. Die Arbeitszeiten wird um 20 Prozent gekürzt. Dadurch sind die rund 50 000 Tarifbeschäftigten bis Ende 2022 vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt. „Das gibt uns Flexibilität für die nächsten zweieinhalb Jahre, um uns der neuen Normalität anzupassen.“ In den kommenden Jahren werden aber weltweit bis zu 15 000 Stellen gestrichen.

Die neue Normalität heißt: Kapazitäten an volatile Märkte anpassen und trotz Sparmaßnahmen und Abbau hoher Schulden nach Firmeneinkäufen in die Elektromobiltät, Autonomes Fahren und Softwareentwicklung investieren. ZF will keine Antriebskomponenten für Fahrzeuge mit reinen Verbrennungsmotoren mehr entwickeln. Plug-In-Hybride und rein elektrische Fahrzeuge sollen es sein.

An den Corona-Folgen hat ZF schwer zu knabbern: Das bereinigte operative Ergebnis belief sich im ersten Halbjahr auf minus 177 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum lag das Ergebnis vor Zinsen und Steuern noch bei rund 650 Millionen Euro. Unterm Strich stand ein Verlust von 911 Millionen Euro. Beim Umsatz musste der Konzern mit 13,5 Milliarden Euro 27 Prozent Einbußen hinnehmen. Thomas Veitinger

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Erstellt:
8. August 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
8. August 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 8. August 2020, 06:00 Uhr

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