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Stuttgart

Zehntausende Osterlämmer im Südwesten geschlachtet

Lammfleisch gehört für viele genau so zu Ostern wie gefärbte Eier und Hefezopf.

30.03.2018
  • dpa/lsw

Stuttgart. Mehr als 21 000 Lämmer wurden laut statistischem Landesamt zu Ostern 2017 in Baden-Württemberg geschlachtet. In dieser Saison dürfte die Zahl noch etwas höher liegen, vermutet der Vorsitzende des Landesschafzuchtverbandes, Alfons Gimber. Er selbst führte in diesem Jahr 160 Osterlämmer zur Schlachtbank.

Das Osterlamm ist Sinnbild für den Opfertod Jesu. Entstanden ist es aus dem Ritual der Juden, zum Passahfest in Gedenken an Gott ein Lamm zu schlachten und zu essen. In den christlichen Kirchen ist das Osterlamm symbolisch zum «Lamm Gottes» geworden. Im Johannesevangelium wird Jesus am Passahtag gekreuzigt und erscheint als das für alle geopferte Passahlamm. Seit Jahrhunderten essen Christen daher zu Ostern Lammfleisch.

Die Osterlämmer werden zwischen November und Dezember geboren und dann ein bis zwei Wochen vor Ostern geschlachtet. In freier Natur bringen Schafe ihren Nachwuchs erst im Frühjahr zur Welt - aus dem einfachen Grund, dass die Mutterschafe dann mehr zu fressen haben und es für die Lämmer wärmer ist. Tierschützer kritisieren daher die Zucht von Osterlämmern, einige Produzenten würden die kleinen Tiere auf verschneiten Weiden stehen lassen, wo sie hungern müssten und frieren. Das komme in seinem Verband nicht vor, sagt Gimber.

«Unsere Lämmer wachsen im Stall auf und werden gefüttert», sagt der Hirte. Anders könnten sie bis Ostern gar nicht ihr Schlachtgewicht von 40 bis 45 Kilogramm erreichen. Der Zeitpunkt ihrer Geburt lasse sich recht einfach planen. «Schafe sind ziemlich genau fünf Monate trächtig», so Gimber. Je nachdem, wann im nächsten Jahr Ostern ist, lassen die Züchter dementsprechend zwischen Juni und Juli Zuchtböcke in ihre Schafsherden. «Die haben dann ein paar Tage ganz schön Stress», sagt Gimber. Ein einziger Bock begatte 80 bis 100 Schafe.

Obwohl der Preis, den Schäfer für Lammfleisch erlösen, in diesem Jahr je nach Qualität auf bis zu drei Euro gestiegen sei, könne vom Fleisch und der Wolle kein Hirte leben, sagt Gimber. 50 bis 60 Prozent ihrer Einnahmen stammten aus Fördergeldern vom Land und der EU. Außerdem müsse man als hauptberuflicher Hirte große Herden halten. «Wenn Sie einen Kühlschrank, einen Fernseher und ein beheiztes Zimmer finanzieren wollen, brauchen Sie mindestens 500 Tiere», sagt Gimber.

Auch deshalb mangele es der Zunft an Nachwuchs. «Sie müssen jeden Tag für Ihre Tiere da sein, der Verdienst eines Schäfers liegt daher meist unter dem Mindestlohn», berichtet Gimbers. Von den 700 Mitgliedern seines Verbandes gingen nur etwa 140 hauptberuflich der Schafzucht nach, der Rest seien Hobbyzüchter. Dabei sei es ein wunderschöner Beruf, den man größtenteils in freier Natur ausüben könne. Es gehe halt nur mit Idealismus und Leidenschaft.

Gimber selbst hat seine Herde von rund 700 Tieren gerade geschoren. Jetzt hofft er auf gutes Wetter, damit die Tiere endlich wieder auf die Weide können. Schon in zwei bis drei Monaten lässt er dann wieder die Böcke auf die Herde los - und legt so für hunderte Menschen im Südwesten den Grundstein für den Festschmaus an Ostern 2019.

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30.03.2018, 09:11 Uhr | geändert: 30.03.2018, 09:10 Uhr

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