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Zeiten des Aufruhrs

Elf Jahre nach "Titanic" sind Kate Winslet und Leonardo DiCaprio in Sam Mendes' zermürbendem Ehedrama wieder ein Paar.

Elf Jahre nach "Titanic" sind Kate Winslet und Leonardo DiCaprio in Sam Mendes' zermürbendem Ehedrama wieder ein Paar.

Zeiten des Aufruhrs

© null 01:54 min

REVOLUTIONARY ROAD
USA

Regie: Sam Mendes
Mit: Leonardo DiCaprio, Kate Winslet, Michael Shannon, Kathryn Hahn

- ab 12 Jahren

Tagblatt-Wertung

Leser-Wertung

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Film bewerten

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23.11.2015
  • MAGDI ABOUL-KHEIR

Dass diese beiden zusammen gehören, ja füreinander bestimmt sind, glaubt man vom ersten Filmbild an. Leonardo DiCaprio und Kate Winslet haben eine Kinogeneration zum Schmachten und Schluchzen gebracht und dabei „Titanic“ zum erfolgreichsten Film aller Zeiten werden lassen. Das Tränenmeer- Epos funktionierte 1997 so: Leo und Kate liebten sich innig, und zum herzergreifenden Schluss ging’s mit ihm im eisigen Ozean zu Ende. Nun, in „Zeiten des Aufruhrs“, streiten sie sich die ganze Zeit innig, und zum bitteren Finale. . . aber das verraten wir nicht. Nur soviel: Es geht kein Schiff unter, auch wenn die beiden wieder den Atlantik überqueren wollen.

Sam Mendes’ Film ist „Szenen einer Ehe“ auf Amerikanisch und in den 50er Jahren angesiedelt. Es ist eine Adaption des 1961 erschienenen Romans „Revolutionary Road“ von Richard Yates, einer präzisen Bestandsaufnahme seiner Zeit, ihrer Konventionen und der darin gefangenen Menschen. Die zentrale Frage: Können sich ein Mann und eine Frau von ihrem banalen Alltag loslösen, ohne sich voneinander zu trennen?

April Wheeler (Kate Winslet) und Gatte Frank (Leonardo DiCaprio) leben frustriert in der Vororthölle. Was hatten sie für große Hoffnungen, wie stark war ihr Glauben, etwas Besonderes zu sein! Doch Aprils Ambitionen als Schauspielerin sind gescheitert, nun sitzt sie mit zwei Kindern zuhause. Frank hat einen Bürojob im gleichen Unternehmen, in dem schon sein Vater buckelte. Ja, sie sind wie alle anderen: Das Leben vergeht einfach, und die Menschen vergehen auch.

Der Schrecken der eigenen Mittelmäßigkeit befällt die Wheelers. Frank und April fassen den Entschluss, dem trüben Trott zu entfliehen: auf nach Paris! April will dort eine Arbeit suchen, Frank soll sich selbst finden. Europa sei voller „lebendiger Menschen“, weiß er, und schon fühlen sich die beiden viel vitaler. Er hebt sich plötzlich sichtbar von der grauen Masse ab, sie beginnt ebenso aufzublühen. Doch dann das: Frank bekommt ein attraktives Jobangebot, April wird schwanger, und die Nachbarn reagieren ohnehin argwöhnisch.

Spannungen, Streit, Stress, Seitensprünge folgen. Die Pläne vom neuen Leben in Paris geraten gleich wieder ins Wanken, die beiden entfremden sich voneinander – oder wird jetzt nur deutlich, wie entfremdet sie längst sind?

Sam Mendes, Oscarpreisträger für „American Beauty“ (und Ehegatte von Kate Winslet), liefert mit „Zeiten des Aufruhr“ ein filmhandwerklich brillantes Stück Kino ab. Jedes Bild des Kameramanns Roger Deakins zeugt von einem durchdachten Raumkonzept und einer erlesenen Lichtregie. Ausstattung und Produktionsdesign wirken weder museal noch aufmerksamkeitsheischend, sondern lassen Ort und Zeit der Handlung glaubwürdig aufleben.

Thomas Newmans Musik akzentuiert das Drama mal unterschwellig, mal anschwellend. Mendes’ Schauspielerführung ist zudem wie gewohnt präzise. Die Nebenrollen sind bestens besetzt (zum Beispiel als nervige Nachbarin: Kathy Bates, die auch schon auf der „Titanic“ war), und natürlich ist „Zeiten des Aufruhrs“ großes Starkino. DiCaprio (34) und Winslet (33) gemeinsam vor der Kamera, das bedeutet die sehenswerte Zusammenspiel zweier Könner; Winslet ist gerade erst für diese Rolle mit einem Golden Globe ausgezeichnet worden.

Darüber hinaus ist es ein intelligenter Besetzungscoup: Eben weil der Zuschauer diesem Traumpaar die Ambitionen und den Glauben, etwas Besonderes zu sein, so einfach abnimmt. Und umso bestürzender müsste es sein, ihnen beim Scheitern zuzusehen. Doch das ist nicht unbedingt der Fall – „Zeiten des Aufruhrs“ berührt nicht durchweg, immer wieder bleibt der Betrachter distanziert. Vielleicht, weil die Welt von April und Frank – die Rollenbilder und sozialen Gegebenheiten der amerikanischen Fifties – nicht mehr ganz die unsere ist. Vielleicht, weil zeitlose Aussagen nur schwer aus einem Zeitstück wie „Revolutionary Road“ zu gewinnen sind. Und so hat Mendes’ neuer Oscar-Kandidat bei aller filmischen Qualität nicht ganz die Allgemeingültigkeit und Emotionalität, wie sich die Macher das wohl erhofft haben.

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23.11.2015, 12:00 Uhr | geändert: 21.07.2009, 12:00 Uhr

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05.02.2009

12:00 Uhr

Gertrude schrieb:

An diesem Wochenende habe ich den Film zum zweiten Mal gesehen und ich muss sagen, das war auch notwendig um die ganze Tragweite des Inhalts zu verstehen. Den Inhalt brauche ich nicht wiederzugeben: es geht um die schmerzliche Anpassung an ein zutiefst sinnentleertes bürgerliches Leben, die dann eben auch scheitern muss. Bis in die Nebenrollen hinein sind die Rollen grandios besetzt. Jedes Detail ist überzeugend, wie sich Frank Wheeler in der grauen Menge zu seinem Arbeitsplatz bewegt erinnert an Brecht und seine Aussage man sieht nur die im Licht, die im Dunkeln sieht man nicht. Besonders beeindruckend ist der psychisch kranke Sohn der Maklerin, der keine Konventionen kennt und die Wahrheit brutal ins Gesicht schleudert. Leonardo di Caprio hätte mal wieder einen Oscar verdient, ist aber nicht einmal nominiert worden, auch Kate Winslett nicht und auch nicht Sam Mendes für die Regie. Eine typische Blamage für die Akademie. Ich habe aber gehört, dass die persönliche Lage dieser Mitgliede



24.01.2009

12:00 Uhr

shevad schrieb:

Ein hervorragend gespieltes und eindringlich inszeniertes Ehedrama. Über weite Strecken erinnert der Film thematisch an Sam Medes' Meisterstück "American Beauty", ohne jedoch an dessen Ansprüche für ein breiteres Publikum heranzukommen und zeitgenössische Referenzen zu erfüllen. Dennoch sehenswert ...



21.01.2009

12:00 Uhr

schrieb:

Der Fim ist gut, aber leider am Schluß übertrieben. Die Realität sieht anders aus: Die Leute haben Träume, gehen diesen zunächst nach, machen dann aber doch was ganz anderes (und zwar das, was sie vorher verdammten) , weils unkomplizierter ist und jetzt kommt der Witz: Sie sind total glücklich damit.
Helden wie im Film gezeigt, wohnen nicht in Neubausiedlungen die hätten sich von Anfang an nicht zu so einem jämmerlichen Leben hinreißen lassen (auch nicht temporär)



19.01.2009

12:00 Uhr

Eva schrieb:

...sehr bewegend und aufrührend- sehr guter Film, der viel Diskussionsstoff bietet, auch wenn das NATÜRLICH nicht mehr unsere Welt ist!



18.01.2009

12:00 Uhr

riddam schrieb:

der Streifen lohnt schon allein wegen des grandiosen Auftritts des "Irren" auf Freigang, der die Lügengebäude gnadenlos in der Luft zerreisst, er hätte den Globe verdient!



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