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Bombenkrater auf den Härten

Zeitzeugen und Bilder beim Geschichtsverein im „Höfle“

KUSTERDINGEN (vor). Vor genau 60 Jahren erlebten die Bewohner der Härten ihre bis dahin schlimmste Kriegsnacht. Am Dienstag erinnert der Geschichtsverein mit Bildern und Zeitzeugen an die Bombardierung Kusterdingens in der Nacht vom 15. auf den 16. März 1944.

13.03.2004

Erst als gegen halb zwei Uhr nachts die Sirenen in Tübingen und Reutlingen Entwarnung gaben (Kusterdingen hatte damals noch keinen eigenen Alarm), wagten sich die Bewohner des Härtenortes wieder aus ihren Kellern. Überall brannte es, das Kusterdinger Bauernviertel an der Tübinger Straße war ein einziges Trümmerfeld. „Kaum eine Straße war ohne Ruine“, schreibt Zeitzeuge Friedrich Hinderer, „Verwüstungen, wie man sie nur von den Bombenteppichen im Ruhrgebiet oder aus Hamburg kannte.“ Wie durch ein Wunder waren nur drei Menschen ums Leben gekommen, allerdings wurden 144 Gebäude, darunter 93 Wohnhäuser, zerstört. 300 Menschen wurden in dieser einen Nacht obdachlos.

Ausgerechnet das kleine, ländliche Kusterdingen wurde durch das Bombardement zu der am stärksten von Kriegsschäden betroffenen Gemeinde des Kreises Tübingen. Dabei hatte der Angriff der fast 900 in Südengland gestarteten „Lancaster“-Bomber eigentlich Stuttgart gegolten. Weil aber schlechte Sicht herrschte und angreifende deutsche Jäger unter den Briten für einige Verwirrung sorgten, ging der größte Teil der Bombenlast über den Fildern und weiter südlich nieder.

Aus Anlass des 60. Jahrestages der „Kusterdinger Bombennacht“ lädt nun der Geschichtsverein Härten am kommenden Dienstag, 16. März, um 20 Uhr ins Kusterdinger Bauerncafé „Im Höfle“, Tübinger Straße 14. Eine kurze Einführung in das Thema „Luftkrieg“ – speziell zu den Ereignissen, die zum ‚versehentlichen‘ Bombardement Kusterdingens führten – gibt Professor Herbert Raisch. Als Augenzeuge wird Friedrich Hinderer, der damals seine Erlebnisse in einem Tagebuch niederschrieb, berichten. Außerdem will der Geschichtsverein etliche jener rund hundert elektronisch gesicherten Fotos und Dokumente zeigen, die von den Zerstörungen des nächtlichen Angriffs Zeugnis geben.

Doch in erster Linie, betont der neue Vereinsvorsitzende Manfred Wandel, soll an diesem Abend das Publikum zu Wort kommen. An gleich mehreren Saalmikrofonen können Zeitzeugen erzählen, wie sie die Bombardierungen des 15. und 16. März 1944 erlebt haben. Wandel: „Alle, die diese Schreckensnacht miterlebt haben oder die Erzählungen von Augenzeugen wiedergeben können, sind herzlich eingeladen, uns zu berichten.“

Zeitzeugen und Bilder beim Geschichtsverein im „Höfle“
Kusterdingen nach dem Bombenangriff: Aus den Trümmern an der Tübinger Straße steigt noch Rauch.

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13.03.2004, 12:00 Uhr

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