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Museum

„Zeugnisse des Terrors gehören dazu“

Der Berliner Anschlags-Laster ist ein Thema für das Haus der Geschichte, sagt dessen Leiter Hans Walter Hütter.

05.01.2017
  • DPA

Bonn. Ist der Lastwagen, mit dem der Anschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt verübt wurde, ein Museumsstück? Oder wäre das geschmacklos? Der Präsident der Stiftung Haus der Geschichte in Bonn, Hans Walter Hütter (62), äußert sich dazu.

Wird sich das Haus der Geschichte um den Lastwagen bemühen, mit dem der Berliner Terroranschlag verübt wurde?

Hans Walter Hütter: Es ist noch zu früh, um darauf eine abschließende Antwort geben zu können. Es läuft ja noch ein Untersuchungsverfahren. Und um die richtige Auswahl treffen zu können, braucht man auch zeitlichen Abstand. Der ganze Lastwagen ist wohl auch zu groß. Eher müsste man an ein bestimmtes Teil denken. Wir zeigen in Bonn zum Beispiel die Tür eines Bundeswehr-Fahrzeugs, das in Afghanistan beschossen wurde.

Viele Menschen werden vermutlich nicht verstehen können, dass man auch nur darüber nachdenken kann, ein solches Mordwerkzeug ins Museum zu stellen. Ist das nicht gleichsam ein Ritterschlag für den Täter?

Diese Frage stellen wir uns natürlich auch immer: Erreichen die Täter dadurch nicht gerade das, was sie wollen, nämlich öffentliche Aufmerksamkeit und das auch noch dauerhaft? Ganz wichtig ist für uns deshalb: Das Geschehen darf auf keinen Fall nur aus Sicht des Täters dargestellt werden, das wäre falsch. Aber wenn ein Thema von gesellschaftlicher Relevanz ist, und das ist in diesem Fall ja in der Tat so, dann gehört es zu unserer Geschichte, ob wir das wollen oder nicht. Und wenn wir den Auftrag haben, das materielle Erbe der Vergangenheit zu bewahren, dann gehören auch solche Themen dazu.

Was haben Sie bisher zum Thema „Terrorismus“ in Ihrer Sammlung?

Wir zeigen in der Dauerstellung in Bonn verschiedene Objekte des RAF-Terrorismus, unter anderem das Flächenschussgerät, mit dem die Bundesanwaltschaft angegriffen wurde. Die Kölner Nagelbombe der Neonazi-Zelle NSU steht für den aktuellen Rechtsradikalismus. Wir haben jetzt auch Teile der Twin Towers aus New York bekommen, einige durch den Terrorangriff am 11. September brutal verbogene Metallträger und Teile der Fassade. Auch eine kleine ID-Card eines Mitarbeiters der Deutschen Bank, der dort zu Tode gekommen ist. Sie steht für das menschliche Leid dieses Terrorverbrechens. In welcher Form der in Deutschland angekommene IS-Terror in die Sammlung integriert wird, ist noch zu diskutieren. Christoph Driessen, dpa

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05.01.2017, 06:00 Uhr

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