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Ziegen sprangen zu schnell

Zickleingulasch beim Wurmlinger Almauftrieb

Damit der Kapellenberg nicht völlig zuwuchert, wurden am Samstag Ziegen hinaufgetrieben. Etwa 100 Schaulustige kamen und wurden mit Ziegengulasch bewirtet.

25.06.2012
  • Martin Zimmermann

Wurmlingen. „Wo sind denn jetzt die Ziegen?“. Die sechsjährige Nina Schuler hatte sich für den Almauftrieb extra ein Dirndl angezogen. Doch ebenso wie Rottenburgs Baubürgermeister Thomas Weigel war sie von der falschen, der Hirschauer Seite auf den Berg gelaufen. Die Ziegen wurden jedoch am Nordhang auf der Unterjesinger Seite hinaufgetrieben.

Aber auch für diejenigen, die zum richtigen Ort kamen war es ein kurzes Spektakel. „Die Ziegen waren so schnell, da konnten wir nicht Schritt halten. Und dann sind sie im Dickicht“, wunderten sich mehrere Anwohner. „Ich habe versucht sie zu bremsen, aber Ziegen wollen halt springen“, sagte die 29-jährige Ziegenbesitzerin und diplomierte Landwirtin Stefanie Seese.

Sie hält insgesamt 30 Ziegen und einen Kastraten, aber keinen Bock. „Ziegenböcke haben Stinkdrüsen und bepinkeln sich ihren Bart.“ Wenn man einen Bock in der Herde habe, dann würden alle Ziegen und der Ziegenhalter nach Bock stinken. „Deshalb leihe ich mir den Bock nur einmal im Jahr für vier Wochen aus“, sagt Seese. Ihr Freund Tobias Wagner, der etwa 30 Schafe besitzt, lacht: „Mein Schafsbock Harald stinkt nicht. Das tun nur Ziegenböcke.“ Seese zieht Ziegen dennoch vor: „Schafe laufen immer der Herde nach und lassen sich von einem Hund hüten. Ziegen haben dagegen einen Willen und Charakter.“

Seeses Ziegen dienen hauptsächlich der Landschaftspflege. „Wären sie Milchziegen, dann hätten sie nicht genug Kraft, um auf dem Berg herumzuspringen und dort die Blattknospen abzuweiden“, erzählt sie. Für das Abweiden von Büschen um die Wacholderheide als Kulturlandschaft zu erhalten, sind Ziegen optimal, weil sie die Bissstärke haben, um im Steilhang Büsche und Bäume abzuweiden und so die Magerwiesen zurückzugewinnen, auf denen dann auch wieder Schafe weiden können. „Es macht den Ziegen Spaß, ins Dickicht zu gehen und die Blätter und Blattknospen abzuweiden. Ziegen fressen erst die Blätter und dann erst Gras“, weiß die Landwirtin.

Die Ziegenbesitzerin verdient ihr Geld bisher fast ausschließlich mit Landschaftspflege. „Für Ziegenfleisch gibt es bisher kaum einen Markt.“ Nur auf Bestellung werden die Wurmlinger Zicklein deshalb geschlachtet, und der Kunde muss dann das ganze oder zumindest das halbe Tier kaufen. „Viele wissen ja auch nicht, wie man es zubereitet“, sagt Seese.

Um die Wurmlinger auf den Geschmack zu bringen gab es am Samstag am Grillplatz einen Kessel voll selbstgekochtem Zickleingulasch in Mostsoße. Das kam so gut an, dass der Kessel, der 40 Portionen fasste, nach einer halben Stunde leer war.

Für musikalische Unterhaltung sorgten die sechsköpfige Gruppe Höfler mit Blasmusik. Ortsvorsteher Hans-Dieter Bauschert erklärte, warum der Ortschaftsrat im November die Ziegenbeweidung am Kapellenberg beschlossen habe: „Wenn man das nicht erklärt, beschweren sich die Spaziergänger, dass da alles abgefressen ist.“ Zuvor hatte Bauschert oben an der Kapelle noch eine Sitzbank eingeweiht, die der Sportverein Wurmlingen zu seinem 90-jährigen Jubiläum gespendet hatte.

Zickleingulasch beim Wurmlinger Almauftrieb
Almauftrieb am Wurmlinger Kapellenberg. Landwirtin Stefanie Seese lässt ihre Ziegen springen, die das Buschwerk abweiden sollen.

Für das Abweiden von Büschen um die Wacholderheide als Kulturlandschaft zu erhalten, sind Ziegen optimal, weil sie die Bissstärke haben um im Steilhang Büsche und Bäume abzuweiden und so die Magerwiesen zurückzugewinnen, auf denen dann auch wieder Schafe weiden können. Für das Projekt gibt es Zuschüsse vom Land: Bis zu 50 Prozent der Kosten werden über die „Landschafts-Pflegerichtlinie“ (LPR) bezuschusst.

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25.06.2012, 12:00 Uhr

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