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Natur

Ziemlich trocken zur Zeit

Durch die steigenden Temperaturen und wenigen Niederschläge der vergangenen Wochen erhöht sich derzeit das Risiko für Waldbrände stark. Auch die Tierwelt im Neckar und die Landwirtschaft leiden unter dem Ausbleiben von Regen.

11.04.2017
  • Fabian Schäfer

Endlich wird es Frühling! Das wunderschöne Wetter der vergangenen Tage lockte deutschlandweit Millionen Menschen nach draußen. Ob in der Eisdiele, am See oder im Biergarten – endlich konnte man wieder die Sonne genießen. An einen Regenschirm ist derzeit nicht zu denken, kaum ein Wölkchen trübt den azurblauen Himmel. Und das Mitte April, wo so mancher in den Vorjahren noch mit Winterjacke und Schal durch die Gegend lief. Doch das vorsommerliche Wetterhoch, so schön es für alle Freunde der warmen Temperaturen auch scheinen mag, birgt nicht zu unterschätzende Gefahren.

Äußerste Vorsicht ist geboten

„Das ist der Klassiker, dass es im April oder Mai die ersten Waldbrände gibt“, erklärt Simon Stahl, Kreisforstamts-Leiter beim Landratsamt Freudenstadt, auf Anfrage der SÜDWEST PRESSE. „Das ist jetzt das volle Programm: Die Leute sind draußen, machen Feuer, rauchen. Das ist ganz schwierig“, sagt Stahl. Die Vegetation beginne derzeit, verstärkt Wasser aus dem Boden zu ziehen, was große Trockenheit an der Oberfläche zur Folge habe. Ein weitere Gefahr ist sehr dürres und somit leicht entzündliches Material aus dem Winter. „Da reicht teilweise schon ein Glassplitter, um es zum Brennen zu bringen“, warnt Stahl.

Äußerste Vorsicht sei geboten, ob beim Grillen oder nur beim Genuss von Tabak-Waren. Eine Zigarette reicht laut Stahl oft aus, um einen Waldbrand auszulösen. „Wir rechnen damit, dass das zunehmend Thema wird.“

Wie in jedem Frühjahr, berichtet Stahl, versuche man, die Leute für dieses Thema zu sensibilisieren. „Wenn die Grillsaison losgeht, hat sich das meist schnell herumgesprochen. Aber wir sprechen das natürlich bei Führungen mit Schulklassen oder Fortbildungen an“, erklärt der Forstamts-Leiter. Auch der baden-württembergische Forstminister Peter Hauk warnt in einer Pressemitteilung des Landratsamtes vor den Gefahren der Trockenheit: „Schon eine Kleinigkeit kann einen Waldbrand verursachen, wie der heiße Katalysator eines am Waldrand geparkten Autos oder eine Glasscherbe, die unter sengender Sonne wie ein Brennglas wirken kann.“

Obwohl der März 2017 der wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen war, ist die Trockenheit laut Simon Stahl derzeit „noch nicht extrem“. Das Jahr 2003 sei deutlich trockener gewesen, mit kaum Niederschlägen zwischen Mitte April und Juni. „Normalerweise gibt es gerade um Ostern herum Kaltlufteinbrüche, die schlechteres Wetter und Regen mit sich bringen“, sagt der Amtsleiter. „Jetzt wird es entscheidend, ob wir Schwierigkeiten kriegen oder mit einem blauen Auge davon kommen.“

Futterbau stark betroffen

Für das Kreisforstamt stellt nicht nur die hohe Waldbrand-Gefahr ein Problem dar, sondern auch die Auswirkungen auf die vom Amt gesetzten Bäume und Pflanzen. „Die brauchen Niederschlag, da man da oft halt nicht so einfach zum Gießen rankommt“, erklärt Stahl. Außerdem profitiere der Borkenkäfer stark von der Trockenheit, was wiederum eine Gefahr für die Vegetation darstelle.

Auch Gerhard Fassnacht, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes, wünscht sich ein wenig Niederschlag: „Wenn es jetzt mal regnen würde, wäre noch kein schwerer Schaden entstanden. Aber das gibt schon ein Problem.“ Vor allem die Pflanzenkulturen, die langsam starten und keine Feuchtigkeit aus dem Winter „mitgebracht“ hätten, leiden laut Fassnacht heute schon. Der Futterbau sei besonders betroffen, beispielsweise Mais oder Rüben. „Aber es gibt natürlich verschiedene Standorte und unterschiedlich gute Böden, die das dann länger und kürzer aushalten“, erklärt Fassnacht. Ein so trockenes Frühjahr wie 2017 hat der Kreisvorsitzende allerdings noch nicht erlebt. „In den vergangenen Jahren hatten wir immer einen trockenen Herbst, das Frühjahr war dafür recht nass.“

Ungemütliche Ostern drohen

Doch nicht nur Pflanzen, auch Tiere könnten unter der derzeitigen Witterung leiden. Der Wasserstand des Neckars ist aktuell relativ niedrig, auch eine Folge des ausbleibenden Niederschlags. Werner Häußler, Vorsitzender des Horber Fischereivereins, spricht zwar derzeit noch von einer „nicht so drastischen Situation“, das könnte sich jedoch ändern. „Aktuell besteht keine Gefahr für die Fische, auch der Sauerstoffgehalt ist gut. Wenn es aber länger so trocken bleibt, kann sich das durchaus drastisch auswirken“, erklärt Häußler. Eine solche Phase habe es im vergangenen Sommer, zwischen August und September, gegeben. „Aber wir müssen es auf uns zukommen lassen“, sagt der Fischer-Vorsitzende.

Über Ostern könnte es jedoch wieder ein wenig natur-freundlicheres Wetter geben. Typisch April, soll es laut dem deutschen Wetterdienst schon im Laufe dieser Woche deutlich kühler werden, als noch am strahlend schönen Palmsonntag. Über die Ostertage könnte es dann sogar ganz ungemütlich werden: Für Horb liegt die Regenwahrscheinlichkeit am Samstag und Sonntag bei über 85 Prozent. Das einzige Tier, das sich davon gestört fühlen dürfte, ist wohl der Osterhase.

Acht Regeln zum Vermeiden von Waldbränden

1) Vom 1. März bis zum 31. Oktober gilt im Wald ein grundsätzliches Rauchverbot

2) Feuer machen ist nur an fest eingerichteten, genehmigten Feuerstellen auf Grillplätzen erlaubt

3) Um Funkenflug einzudämmen, nur kleine Grillfeuer entfachen

4) Feuer unter keinen Umständen unbeaufsichtigt lassen

5) Feuer vor dem Verlassen unbedingt vollständig löschen

6) Grillen im Wald auf mitgebrachten Gartengrillgeräten ist nicht gestattet

7) Keine Glasscherben im Wald liegen lassen (Brennglaseffekt)

8) Keine Fahrzeuge mit heißem Katalysator über trockenem Gras parken

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11.04.2017, 01:00 Uhr

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