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Vom Lager in den Container

Zimmersuche in Tübingen wird immer schwieriger

Der doppelte Abiturjahrgang schwemmt 2000 Studierende mehr als im vergangenen Wintersemester nach Tübingen. Obwohl sich die Stadt bemüht, Wohnraum zu schaffen, bleibt für einige zu Semesterbeginn wohl nur die Notunterkunft.

06.10.2012
  • Moritz Siebert

Tübingen. Der Komparatistik-Doktorand Abdollah Karimzadeh ist seit einigen Wochen in Tübingen. Der Iraner promoviert im internationalen Programm Erasmus Mundus, das seine Doktoranden in jedem Semester an eine andere europäische Universität schickt. In Tübingen ist er allerdings noch nicht zum Arbeiten gekommen – er ist auf Zimmersuche. Der 28-Jährige hatte sich bereits im Juli beim Studentenwerk um ein Zimmer beworben, allerdings erfolglos. Man teilte ihm dort mit, er könne sich im November nochmals bewerben, versprechen wolle man ihm aber nichts.

Viele, die ihr Studium zum Wintersemester in Tübingen aufnehmen, stehen noch ohne Zimmer da – und die Chancen, bis Semesterbeginn noch etwas zu finden, schrumpfen täglich. Die Universitätsverwaltung geht davon aus, dass zum Semesterbeginn, wenn alle Nachrücker ihren Studienplatz erhalten haben, 27000 Studierende eingeschrieben sein werden, 2000 mehr als im Vorjahr. Die Tübinger Wohnheime bieten derzeit 3670 Studierenden Platz, gleich viel wie im Vorjahr.

„Wir sind voll ausgebucht“, sagt Oliver Schill, Geschäftsführer des Studentenwerks. Er beschreibt die Situation aber als „noch nicht dramatisch.“ Das Studentenwerk habe auf den doppelten Abiturjahrgang reagiert und Studierenden, die ihre Höchstmietdauer im Wohnheim erreicht hatten, gekündigt (früher war eine Verlängerung möglich), um Platz für Erstsemester zu schaffen.

Auf Mithilfe Tübinger Bürger angewiesen

Bewerbungen für Zimmer nimmt das Studentenwerk aber nicht mehr an. Für diejenigen, die noch nicht fündig geworden sind, stehen seit Mitte der Woche die ersten Notunterkünfte in Gemeinschaftsräumen der Wohnheime auf Waldhäuser Ost bereit. Am Donnerstag waren es erst drei Studenten, die dort Quartier bezogen haben. Benjamin Rein, Leiter der Wohnheimverwaltung, geht davon aus, dass die Notlager ausreichen werden. Auf ein Matratzenlager im Festraum auf WHO werde man verzichten können, so Rein.

Eine Alternative biete nach wie vor der freie Wohnungsmarkt, auf dem noch Zimmer zu haben seien, sagt Studentenwerksleiter Schill. Tatsächlich ist aber auch da die Lage mittlerweile prekär, jedenfalls was die guten Angebote (bezahlbar und zentrumsnah) betrifft. „Was bei uns reinkommt“, sagt Cornelia Hohndorf, Inhaberin der Mitwohnzentrale, „werden wir sofort wieder los.“ Wie die Stadt und das Studentenwerk appelliert auch sie an die Tübinger Bürger, vorhandenen Wohnraum zu vermieten. Auch wenn dies nur für kurze Zeit geschehe, etwa drei Monate oder ein Semester lang, wäre damit schon vielen Neu-Tübingern geholfen.

Auch die Stadt bemüht sich, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen und bewirbt das Projekt „Wohnen mit Hilfe“, das das Deutsche Rote Kreuz koordiniert. Studierende sollen Senioren/Innen im Alltag helfen und wohnen im Gegenzug zu verringerter Miete bei ihnen im Haus. Bauprojekte sind ebenfalls geplant: Im Baugebiet Alte Weberei sollen 100 Wohnungen für Studierende entstehen und in den Mühlbachäckern will ein privater Investor Container aufstellen – als Übergangslösung. Bis diese aber bezogen werden können, benötigen Studierende eine zweite Übergangslösung, denn die Container sollen erst zum Jahresende stehen.

„Für viele Zimmersuchende kommt das nicht infrage“, gibt Elena Blessing, Tutorin am Englischen Seminar, zu bedenken. Sie hilft ausländischen Studenten wie Abdollah bei der Zimmersuche. Doktoranden wie er haben nur begrenzte Zeit Aufenthalt in ihrem Gastland. „Ich investiere sehr viel Zeit in die Zimmersuche, die ich eigentlich für Recherchen benötige“, klagt der Iraner, der nur für ein Semester in Tübingen ist. Nachdem er einige Zeit bei einem Freund untergekommen war, hat er nun eine Notunterkunft bezogen. Hier darf er bis Ende November bleiben, spätestens dann geht für ihn die Zimmersuche weiter.

Lesen Sie dazu auch das “Übrigens” in der Samstagsausgabe des Schwäbischen Tagblatts.

Zimmersuche in Tübingen wird immer schwieriger
Benjamin Rein ist derzeit ein gefragter Mann: Der Leiter der Tübinger Wohnheime organisiert die Notunterkünfte für Studierende.

„Niemand soll zu Semesterbeginn ohne Dach über dem Kopf dastehen“, verspricht Benjamin Rein, Leiter der Wohnheimverwaltung. Deswegen bietet das Studentenwerk auch in diesem Jahr wieder Notunterkünfte für Studierende an, die bisher noch ohne Zimmer sind. Derzeit kommen Zimmerlose noch in zu Achtbettzimmern umfunktionierten Gemeinschaftsräumen von Wohnheimen unter. Toiletten und Küche stehen dort zur Verfügung, geduscht werden muss beim Nachbarn oder im Sportinstitut. Das Studentenwerk berechnet fünf Euro pro Übernachtung. Ende November, wenn sich der Wohnungsmarkt etwas entspannt hat, werden die Notlager wieder aufgelöst. (Kontakt: 07071 969714)

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06.10.2012, 12:00 Uhr

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