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Das Chef-Sakko weitergegeben

Zinser-Geschäftsführer Karl-Frieder Graul geht in den Ruhestand

Vier Jahrzehnte arbeitete er bei Mode Zinser, davon 14 Jahre als Geschäftsführer des Tübinger Hauses: Gestern war der letzte Arbeitstag von Karl-Frieder Graul. Auch im Ruhestand will sich das langjährige HGV-Vorstandsmitglied weiter engagieren – etwa beim Runden Tisch zu Europaplatz und Zinser-Dreieck.

21.09.2012
  • Volker Rekittke

Tübingen. Sakkos, soweit das Auge reicht. Ganz hinten in der Herrenabteilung, im zweiten Stock bei Zinser, tritt man durch eine unscheinbare weiße Tür mit dem Schriftzug „Geschäftsleitung“. Ein kleiner Flur, dahinter ein 13-Quadratmeter-Büro mit Ausblick auf Stiftskirche und vor allem auf jenes Eck, das nach dem Namen seines Hauses benannt ist – Zinser. Alle paar Minuten klopft es an der Tür, summt das Telefon – dabei ist doch Karl-Frieder Grauls letzter Arbeitstag. Und dann? „Erstmal mit meiner Frau nach Südfrankreich“, sagt der 66-Jährige. 25 Grad warm ist es gerade in der Gegend von Saint Tropez. Mit einem Glas Rotwein in der Hand fällt der Übergang in den Ruhestand nicht ganz so schwer.

Es war im Januar 1972, da zog es den gelernten Einzelhandelskaufmann aus dem südwestfälischen Siegen ins schwäbische Tübingen. Schon der Vater, der mit seiner Frau, dem vierjährigen Karl-Frieder und dessen Bruder 1950 von Sachsen über die Grüne Grenze in den Westen gegangen war, hatte in der selben Branche gearbeitet.

„Einkäufer für Stoffe, Kurzwaren und Heimtextilien gesucht“, das las Graul in einer Anzeige. Zu seiner Frau sagte er: „Der Süden ist doch schön“ – und zog mit ihr und den zwei Töchtern nach Pfäffingen. Sportverein, Schulbeirat, „wir haben uns dort richtig wohl gefühlt“. 1976 wurde der Tübinger Zinser-Neubau fertig, danach wurde Graul stellvertretender Geschäftsführer des Hauses.

Bereits 1982 folgte der nächste Umzug, wieder mit der ganzen Familie: Es ging für drei Jahre nach Singen, wo der geschäftsführende Gesellschafter Hans-Joachim Zinser gerade „Mode Schuler“ in seine Firmengruppe eingegliedert hatte. 1985 zog die Familie wieder nach Tübingen – auf die Wanne, wo Graul und seine Frau noch heute leben. Die weiteren Stationen seiner Karriere: Einkaufsleiter für Sortimentsware, zunächst stellvertretendes, dann gleichberechtigtes Mitglied der fünfköpfigen Zinser-Chefetage, seit 1998 auch Geschäftsführer von Zinser in Tübingen. Aktuell arbeiten hier 120 meist weibliche Beschäftigte in Voll- und Teilzeit, mehr als 600 sind es in den sieben Zinser-Häusern im Südwesten.

Graul kennt die Stadt Tübingen und speziell die hiesige Einzelhandels-Landschaft nicht nur aus der Perspektive des Platzhirschs. Viele Jahre war er bei der IHK, im Handel- und Gewerbeverein aktiv, zuletzt im HGV-Vorstand. Was sich in Tübingen in den vergangenen 40 Jahren am meisten verändert hat? Keine Frage: „Die Ausbreitung der Filialisten schreitet immer weiter voran, viele kleine Händler und Spezialisten gibt es längst nicht mehr.“ Dabei findet Graul durchaus, „dass in der Tübinger Altstadt immer noch ein toller Handels-Mix zu finden ist“. Um den nicht zu gefährden – etwa durch Ansiedlungen wie das Depot, das er von heute aus betrachtet „für einen großen Fehler“ hält – hat Graul immer wieder gestritten. Vielleicht auch, um sich Konkurrenz vom Hals zu halten? „Wir scheuen keinen Wettbewerb“, sagt er mit Blick auf die Debatte über C&A auf dem benachbarten Europaplatz.

Tübingens Innenstadt und die Peripherie, Parkplätze und ÖPNV: Viele Diskussionen sind da noch zu führen. Graul will sich auch im Ruhestand weiter einmischen – etwa beim Runden Tisch zu Europaplatz und Zinser-Dreieck. Und ist ansonsten froh, endlich mal Zeit für Wanderungen und Reisen mit seiner Frau zu haben, für Besuche bei den Töchtern und der Enkelin in München – und für sein großes Hobby, die Fotografie. Bei der VHS hat er sich schon angemeldet: für einen Kurs zur digitalen Bildbearbeitung.

Zinser-Geschäftsführer Karl-Frieder Graul geht in den Ruhestand
Stabübergabe bei Zinser: Karl-Frieder Graul (links) geht in den Ruhestand. Sein Nachfolger ist Stefan Rinderknecht, 50, seit 28 Jahren bei Zinser und zuletzt sieben Jahre lang Geschäftsführer der Offenburger Filiale.

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21.09.2012, 12:00 Uhr

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