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Zorneding:
Hetz-Rentner verurteilt
Der Rentner wird in den Gerichtssaal geführt. Foto: dpa/Sven Hoppe
Prozess

Zorneding: Hetz-Rentner verurteilt

Weil er einem schwarzen Pfarrer in Bayern zwei Drohbriefe schrieb, stand ein 74-Jähriger vor Gericht.

08.11.2016
  • PATRICK GUYTON

Ebersberg. Es ist ein alter, schäbiger Mann, der von Polizisten in den kleinen Saal am Amtsgericht Ebersberg geführt wird. Gottfried T., 74 Jahre alt, ist derjenige, der vor acht Monaten einen Skandal mitverursacht hat, welcher das oberbayerische Städtchen Zorneding bekannt gemacht hatte. T. hatte dem heute 67 Jahre alten schwarzen Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende anonym zwei Postkarten mit rassistischen Beleidigungen und Morddrohungen geschickt. Die Hetzschriften setzten dem im Kongo geborenen katholischen Geistlichen so zu, dass er sein Amt aufgab und schnell aus Zorneding wegzog. Das Amtsgericht Ebersberg hat T. nun wegen Volksverhetzung, Bedrohung und Beleidigung zu zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

Der Pfarrer Ndjimbi-Tshiende ist Zeuge, er nimmt nur drei Meter vom Angeklagten Platz. Nach außen hin ruhig, erzählt er von den Schreiben, in denen stand: „Wir schicken Dich nach Auschwitz.“ Oder: „Hau ab, Du stinkender Nigger.“ Ndjimbi-Tshiende, der mittlerweile in Eichstätt theologische Forschungen anstellt: „Ich hatte Angst vor und während der Gottesdienste.“

Gottfried T. stammt aus Schlesien und kam 1976 als Deutschstämmiger nach München. In der Bundesrepublik fand er sich nicht zurecht. Im Prozess verweigert er die Aussage, sagt dann aber unvermittelt: „Diese Kacke habe ich nicht geschrieben.“ T. ist schon mehrfach zu Geldstrafen verurteilt worden, er ist bekannt als Mann mit rechtsradikalem Gedankengut.

Die Schreiben an den Pfarrer hatten eine Vorgeschichte: Als eine örtliche CSU-Politikerin in einem Artikel gegen Flüchtlinge hetzte, mischte sich Pfarrer Ndjimbi-Tshiende ein. Er rief zu Toleranz auf und kritisierte die örtliche CSU. Das wiederum spornte offenbar Gottfried T. an.

Der Fall Zorneding ist mit dem Urteil aber nicht vollständig gelöst. Der Pfarrer hatte insgesamt fünf anonyme Hass- und Hetzbriefe erhalten. Zwei waren von T. Die anderen drei stammen von mindestens zwei weiteren anonymen Schreibern. Patrick Guyton

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08.11.2016, 06:00 Uhr

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