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Stuttgart

Zschäpes Cousin: «Sie hat sich nichts gefallen lassen»

Im NSU-Untersuchungsausschuss hat ein Cousin des mutmaßlichen NSU-Mitglieds Beate Zschäpe ausgesagt - und diese als durchsetzungsfähige Frau beschrieben.

28.04.2017
  • dpa/lsw

Stuttgart. «Sie hat sich nicht großartig etwas gefallen lassen», sagte Stefan A. am Freitag in dem Landtagsgremium in Stuttgart. «Sie hat sich halt durchgesetzt.» Beate Zschäpe sei meistens mit Männern und weniger mit Frauen befreundet gewesen. Nach ihrem Abtauchen habe er keinen Kontakt mehr zu seiner Cousine gehabt. «Sie hat sich nie bei mir gemeldet. Ich weiß nichts.»

Keiner in der Familie habe verstanden, warum Zschäpe plötzlich verschwunden gewesen sei, sagte Stefan A. «Man hat immer gehofft, dass sie wiederkommt.» Die Familie habe nicht gewusst, ob Zschäpe überhaupt noch lebe. Der aus Jena stammende Cousin kannte auch die beiden weiteren NSU-Mitglieder Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos. Mit Mundlos sei er aber im Streit auseinandergegangen, nachdem dieser ihn als «Alkoholiker» bezeichnet habe. Stefan A. beschrieb Mundlos als gebildet. Böhnhardt sei aggressiver und ein Waffennarr gewesen.

Der NSU-Ausschuss geht der Frage nach, ob die Rechtsterroristen des «Nationalsozialistischen Untergrunds» (NSU) im Südwesten Helfer hatten. Zschäpe steht in München vor Gericht. Sie ist wegen Mittäterschaft an allen Verbrechen des NSU angeklagt. Sowohl Zschäpe als auch Mundlos und Böhnhardt stammen aus Thüringen. Die Bundesanwaltschaft schreibt ihnen zehn Morde zwischen 2000 und 2007 zu - auch an der Polizistin Michèle Kiesewetter in Heilbronn.

Der ehemalige Leiter der Sonderkommission «Rex» gegen die rechte Szene in Thüringen, Günther Hollandt, berichtete im Ausschuss von massiven Problemen bei Ermittlungen. Ihm seien von den eigenen Leuten, aber auch vom Verfassungsschutz Steine in den Weg gelegt worden. «Sämtliche Verfahren, die wir bearbeitet haben, sind irgendwo im Sande verlaufen. Es war für mich irgendwo frustrierend.»

Die Zusammenarbeit mit dem Verfassungsschutz in Thüringen sei schwierig gewesen, sagte Hollandt. Dieser habe den Schutz seiner Quellen über die Aufklärung von Verbrechen gestellt. Es habe in der Soko einen Maulwurf gegeben: Geplante Maßnahmen der Polizei seien in der Szene bekannt gewesen. Zu den Gründen, aus denen die Soko 1996 nach eineinhalb Jahren überraschend aufgelöst wurde, meinte Hollandt: «Wir waren zu aktiv und zu dicht dran, und der Verfassungsschutz hatte einfach Angst, dass wir ihnen das Wasser abgraben.»

Der Ausschuss befragte auch den früheren Betreiber eines Privatkellers in Heilbronn, in der sich die rechte Szene in den 1990er Jahren häufiger traf. Der Mann widersprach Mutmaßungen, er könne dem NSU-Trio eventuell Unterschlupf gewährt haben. Auch könne er sich nicht daran erinnern, dass Mundlos, Bönhardt oder Zschäpe jemals in seinem Keller gewesen seien. Zu vielen Fragen des Ausschusses wollte oder konnte der Zeuge aber keine Angaben machen. «Ich hab ein sehr schlechtes Personengedächtnis», führte er an. «Und ich sehe nicht sehr gut.» Den Keller habe er 1994 aufgegeben.

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28.04.2017, 06:32 Uhr | geändert: 28.04.2017, 17:52 Uhr

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