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Zu intim für die Öffentlichkeit
Gefängnisgebäude in der JVA Adelsheim. Foto: Uwe Anspach/dpa
Strafvollzug

Zu intim für die Öffentlichkeit

Eine Psychologin soll einen 17-jährigen Häftling der JVA Adelsheim missbraucht haben. Der Prozess findet hinter verschlossenen Türen statt.

09.03.2018
  • HANS GEORG FRANK

Adelsheim. Eine Psychologin, die wegen sexuellen Missbrauchs eines Schutzbefohlenen angeklagt ist, fühlt sich als Opfer eines „juristischen Vernichtungsfeldzugs“. Die Staatsanwaltschaft Mosbach wirft der 33-jährigen Frau vor, als Sozialtherapeutin in der Justizvollzugsanstalt Adelsheim mehrfach Geschlechtsverkehr mit einem 17-jährigen Häftling gehabt zu haben. Doch die beiden Verteidiger der 2012 eingestellten Beamtin weisen jedes schuldhafte oder strafbare Verhalten zurück. Weil sie überzeugt sind, dass ihre Mandantin „kein faires Verfahren“ in Mosbach erwarten kann, pochen sie auf den Verweis an ein anderes Gericht im Bezirk des Oberlandesgerichts Karlsruhe.

Der Angeklagten wird sexueller Missbrauch von Schutzbefohlenen und falsche Verdächtigung vorgeworfen. Sie soll als Sozialtherapeutin mehrfach „einvernehmlichen“ Sex mit einem 17-jährigen Häftling der als „Jugend-Knast“ bekannten JVA im Neckar-Odenwald-Kreis gehabt haben. Eine solche Straftat kann mit Freiheitsentzug zwischen drei Monaten und fünf Jahren geahndet werden. Weil die Frau den Jugendlichen laut Anklageschrift „in Kenntnis der Unrichtigkeit ihrer Angaben“ wegen Vergewaltigung angezeigt hatte, ist sie auch wegen falscher Verdächtigung angeklagt. Das Gesetz sieht dafür eine Geldstrafe oder Haft bis zu fünf Jahren vor.

Die Jugendschutzkammer des Landgerichts Mosbachs hatte die Verhandlung gestern kaum begonnen, da wurde die Öffentlichkeit auf Antrag der Staatsanwaltschaft ausgeschlossen. Die Entscheidung wurde begründet mit der Erörterung von „Umständen aus dem sexuellen Intimbereich“ von Angeklagter und Nebenkläger. Die Geheimhaltung sei notwendig, um „das Ansehen in der Öffentlichkeit nicht zu beschädigen“. Doch die beiden Verteidiger der Angeklagten waren damit nicht einverstanden, sie verlangen eine Beweisaufnahme vor Publikum. Sie verwahrten sich lautstark, aber ohne Erfolg gegen die Prozessführung.

Die zierliche Frau sei Opfer einer Vergewaltigung, begangen von einem „gewaltbereiten und gewalttätigen jugendlichen Intensivtäter mit einer beeindruckenden Vorstrafengeschichte“, wie die aus München angereisten Verteidiger erklärten. Gegen seine Behauptung stehe das Wort einer „JVA-Mitarbeiterin, die sich nie etwas zu Schulden hat kommen lassen“. Die Anschuldigung sei „bei neutraler Betrachtung unter keinem Aspekt nachvollziehbar“. Es bestehe vielmehr der Verdacht, dass mit der Anklage „eklatante Versäumnisse der Justiz und im Strafvollzug vertuscht werden“ sollen. Die junge Gefängnispsychologin solle „zum Bauernopfer gemacht“ werden.

Detaillierte Hinweise

Eine Pressemitteilung des Landgerichts mit Einzelheiten über den vaginalen und oralen Geschlechtsverkehr kritisierten die Anwälte als „perfide Öffentlichkeitskampagne“. Diese habe das Ziel, die Frau „endgültig zu brechen und so zur Aufgabe zu zwingen“.

Nach Angaben des Gerichts soll die Beziehung zwischen Psychologin und Häftling im Mai und Juni 2016 wegen eines Streits aufgeflogen sein. Die Frau hatte sich angeblich geweigert, die von dem jungen Mann verlangten acht Mobiltelefone in die Anstalt zu schmuggeln. Bei einer „vollzugsinternen Anhörung“ habe der Inhaftierte die sexuellen Handlungen angesprochen. Um „drohenden Konsequenzen“ zuvorzukommen, habe die Frau Anzeige wegen Vergewaltigung erstattet.

Für den Prozess sind acht Verhandlungstage angesetzt worden. Bis 26. April sollen elf Zeugen gehört werden, nachdem der Befangenheitsantrag gestern abgewiesen wurde.

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09.03.2018, 06:00 Uhr

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