Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Kommentar

Zu tun gibt es genug – doch wer bezahlt?

Rassistische Sprüche beim Bäcker, chancenlose Bewerbungen wegen eines ausländischen Namens oder der bundesweit bekannt gewordene Türsteher-Fall im M-Park: Diskriminierungen sind leider immer noch alltäglich, auch in Reutlingen. Und allzu viele verschließen die Augen davor, ob Lehrer oder Polizisten. Deshalb ist die Arbeit des Runden Tischs rundum begrüßenswert. Zentrales Element eines Reutlinger Antidiskriminierungsbüros, heißt es in einem Papier der Aktivisten, ist die Beratung von Betroffenen.

30.10.2012

Dabei seien Gerichtsprozesse nur eine Option. Ebenso könne es zu Schlichtungen mit den zuständigen Stellen kommen, mit Schulen, Arbeitgebern, Vermietern. Und ganz wichtig: Das Büro könnte Öffentlichkeit herstellen.

„Wir warten nicht, dass Menschen zu uns kommen und um Unterstützung ersuchen, sondern wir gehen auf sie zu“, heißt es in dem Papier. Die Aktivisten wollen Räume bieten, in denen sich Menschen gegenseitig stärken, und gemeinsam Strategien entwickeln. Doch natürlich ist es ein langer Weg, bis das Antidiskriminierungsbüro realisiert ist. Vielleicht wird es auch eine virtuelle Beratungsstelle im Internet, das bleibt abzuwarten. Auch, wer das Personal bezahlt. Es muss hoch qualifiziert sein, denn oftmals sind Betroffene durch die Diskriminierungen traumatisiert. Auch am Arbeitsmarkt will sich der Runde Tisch umtun. „Wir erwarten, dass die Betriebe da relativ offen sind“, sagt Sprecher Andreas Foitzik von der Bruderhaus-Diakonie. Und mittlerweile ist bei dem Thema gesellschaftlich einiges in Bewegung gekommen. Nicht nur bei der Frauenquote in Aufsichtsräten. Es gibt schon Modellprojekte mit anonymisierten Bewerbungen, damit die Qualifikation und nicht die Hautfarbe bei der Jobvergabe entscheidet. Auch hier gibt es zweifelsfrei viel anzustoßen und zu beraten.

Bleibt die Frage der Finanzierung. Nicht ohne Grund gibt es Antidiskriminierungsbüros bisher fast nur in Großstädten oder für ganze Bundesländer. Kleinräumiger sind sie kaum zu finanzieren. Die Mitglieder des Runden Tischs hoffen dennoch auf das Landes-Sozialministerium und wollen auch den Kreis ins Boot holen. Die Stadt hat bisher 5000 Euro bewilligt – ganz unüblich aus verschiedenen Töpfen, dem breiten Ansatz des Runden Tischs entsprechend. Das Projekt passe zur „Charta der Vielfalt“, die OB Barbara Bosch unterzeichnet hat, sagt Integrationsbeauftragte Sultan Braun.

Doch da sind noch einige dicke Bretter zu bohren, bis das Antidiskriminierungsbüro konkret wird. Einstweilen lebt das Projekt vom ehrenamtlichen Engagement. Es wird sich zeigen, was dem Land und den Kommunen der Einsatz gegen Diskriminierungen wert ist. Dass er im öffentlichen Interesse liegt, sollte selbstverständlich sein. Und auch die regionale Wirtschaft ist gefragt. Matthias Reichert

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

30.10.2012, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball