Kliniken

Zu wenig Ausstattung

Deutschland hat zu viele Krankenhäuser, von denen zu viele zu wenig können, darin sind sich Experten einig.

31.08.2021

Von HAJO ZENKER

Operationen benötigen Kompetenz, die oft fehlt. Foto: © Gorodenkoff/shutterstock.com

Berlin. Laut Statistischem Bundesamt hat nur jede zweite deutsche Klinik einen Computertomographen. Naturgemäß sieht das bei kleinen Krankenhäusern besonders schlecht aus: Bei Kliniken mit bis zu 100 Betten sind es lediglich zwölf Prozent. Dabei gilt gerade bei Unfällen und Schlaganfällen heute die Computertomographie als unverzichtbar. Ein Drittel der Kliniken aber hat weniger als 100 Betten, was sich nicht nur bei Computertomographen bemerkbar macht.

So beklagt AOK-Bundeschef Martin Litsch seit langem, dass Krankenhäuser, denen es an Kompetenz und Ausstattung fehle, trotzdem Eingriffe durchführten. Das sei „Gelegenheitschirurgie“. So sei die Sterblichkeitsrate bei Frühgeborenen in kleinen Krankenhäusern mit nur wenigen Frühchen-Fällen um 50 Prozent höher als in spezialisierten Kliniken. Auch beim Wechsel einer Hüft- oder Knieprothese hat laut AOK eine Auswertung gezeigt, dass es in Kliniken, die nur wenige Operationen pro Jahr durchführten, höhere Komplikations- und Sterblichkeitsraten gab als in den Häusern mit hohen Fallzahlen. Für die Behandlung von Infarktpatienten sollte laut AOK ein Herzkatheterlabor eigentlich zum Standard gehören. Trotzdem lägen bundesweit zehn Prozent der Patienten in Kliniken, die diesen Standard nicht erfüllten. Man brauche deshalb „nicht weniger Zentralisierung und Spezialisierung von Kliniken, sondern mehr“, so Martin Litsch.

Das sieht der Verband der Ersatzkassen genauso: Eine Konzentration auf weniger Standorte sei nötig, so Vorstandschefin Ulrike Elsner. So hätten 2019 von 1088 Standorten, die in Deutschland Knieoperationen durchführen, 16,5 Prozent die eigentlich vorgeschriebene Mindestmengenfallzahl von 50 Eingriffen nicht erreicht. Behandlungen seien aber dort qualitativ besser, wo sie häufiger durchgeführt würden. Für Johannes Bauernfeind, Vorstandschef der AOK Baden-Württemberg, ist deshalb ein „Qualitätswettbewerb“ dringend nötig, der Innovationen anstoße und eine qualitativ hochwertige Versorgung sicherstelle. „In Deutschland aber gibt es bisher keine Anreize für Qualität“, fasst der Hamburger Gesundheitsökonom Jonas Schreyögg die Lage zusammen, die nach einer Reform rufe.

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Erstellt:
31. August 2021, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
31. August 2021, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 31. August 2021, 06:00 Uhr

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