Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
"Zu wenig Menschen gehen gegen Pegida auf die Straße"
Hält den Dresdnern den Spiegel vor: Volker Lösch. Foto: dpa
Der Regisseur Volker Lösch thematisiert die islam- und fremdenfeindliche Bewegung auf der Dresdner Theaterbühne

"Zu wenig Menschen gehen gegen Pegida auf die Straße"

Die Pegida-Bewegung kommt jetzt auf die Bühne. In Dresden kombiniert Regisseur Volker Lösch Max Frischs "Graf Öderland" mit Pegida-Parolen.

27.11.2015
  • JÖRG SCHURIG, DPA

Unlängst haben Sie in einem Interview gesagt: "Mehr als realer Alptraum als zurzeit in Dresden geht nicht." Sind Sie froh, die Stadt nun wieder verlassen zu können?

VOLKER LÖSCH: Ja. Aber auch, weil ich in 14 Tagen wieder anderswo Proben habe. Meine Verbindung zu Dresden ist eine besondere, weil ich schon seit 2001 hier arbeite. Ich finde es erschreckend, wie sich die Stadt verändert hat, wie sich die Leute beäugen, welches Misstrauen herrscht. Ich habe Dresden bis dahin als durchlässige Stadt erlebt. Jetzt gibt es eine aufgeladene, gedrückte Stimmung. Sie hat auch damit zu tun, dass viel zu wenig weder von zivilgesellschaftlicher als auch von politischer Seite gegen Pegida getan wird.

Sie halten den Einwohnern jetzt gewissermaßen einen Spiegel vor. Mit welchen Reaktionen des Publikums rechnen Sie?

LÖSCH: Ich erwarte keine durchgängige Zustimmung. Das mag vielleicht bei der Premiere noch so sein. Interessant wird es ab der zweiten Vorstellung. Weil dann die repräsentative Bürgerschaft im Saal sitzt. Sie hat ein ambivalentes Verhältnis zu Pegida. Im besten Fall gibt es nach der Aufführung viele Diskussionen. Vielleicht schaffen wir einen Funkenschlag, der Aktivität auslöst. Die Leute, die zu Pegida gehen, kommen sicher nicht zu uns. Interessant sind die anderen, die sich in der Auseinandersetzung bislang passiv verhielten.

Welche Reaktionen auf Pegida wünschen Sie sich von offizieller Seite?

LÖSCH: Stadt- und Landesregierung hätten sich schon lange hinstellen und sagen müssen: Es reicht! Nicht in unserer Stadt! So was kann man doch nicht nur auf Facebook machen. Politiker sollten auf den Theaterplatz gehen, sich das Mikrofon greifen und sagen: Nehmt diese lächerlichen Schilder weg! Redet nicht so einen Blödsinn! Lasst euch nicht für dumm verkaufen! Warum erklären Dresdner Politikerinnen und Politiker, warum erklärt der Oberbürgermeister den Leuten nicht öffentlich, dass da gelogen wird, dass Fakten manipuliert, dass Sündenböcke geschaffen werden - wo sind die alle?

Sie arbeiten seit langem mit einem Bürgerchor, auch jetzt wieder. Haben Sie Veränderungen bei den Mitgliedern wahrgenommen?

LÖSCH: Es ist eine sehr verlässliche Gruppe, aber es gab diesmal viel Diskussionsbedarf. Wir haben vor allem über die diffusen Ängste gesprochen, die sich schwer widerlegen lassen. Man bräuchte in Dresden einfach mehr Ausländer, so wie es in den meisten großen Städten gelebte Realität ist. Damit hier endlich kapiert wird, dass Deutschland schon längst ein Einwanderungsland ist. Dass es eine Bereicherung darstellt, mit anderen Kulturen zusammenzuleben. In Stuttgart leben mehr als 200 Nationalitäten. Rechte gibt es dort auch, aber keine kollektive Angst vor dem Fremden. Wenn man in Dresden einen dunkelhäutigen Menschen sieht, fragt man sich sofort: Ist der hier auch sicher?

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

27.11.2015, 08:30 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball