Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Theater

„Zucken“ bis zum Dschihad

In München feiert ein Stück von Sasha Marianna Salzmann zur Frage der Radikalisierung Premiere.

25.04.2017
  • DPA

München. Der Karrieremann ist morgens schon genervt. Seine geliebte, aber überdrehte Frau hat mal wieder den Duschvorhang nicht zugezogen. Pawlik sehnt sich nach Rüzgar – und kommt mit seinen Gefühlen nicht klar. Ein Mädchen lernt im Chat einen IS-Kämpfer kennen und schwärmt für ihn. Am Ende werden sie morden. Der Karrieremann greift zum Gewehr, das Mädchen zum Messer und Pawlik, der Schwule mit russisch-ukrainischen Wurzeln, schließt sich Kämpfern für die Volksrepublik Donezk an.

Das Münchner Volkstheater begleitet ihren Weg in dem Stück „Verstehen Sie den Dschihadismus in acht Schritten!“. Am Sonntag hat das Werk der Autorin Sasha Marianna Salzmann Premiere gefeiert. Den Dschihad haben zuletzt mehrere Theatermacher aufgegriffen. So zeigten das Thalia Theater Halle „Djihad Paradise“ und das Berliner Grips-Theater „Inside IS“.

Salzmann nimmt Dschihadismus nur als Beispiel und schaut auf das Phänomen Radikalisierung. Warum wenden sich Menschen der Gewalt zu, ausgerechnet auch im satten Europa? Geht es um Glauben, um politisches Ideal?

Das Stück mit dem Untertitel „Zucken“ bietet andere Motive an: Verunsicherung in einer Welt, in der nichts mehr sicher ist, Ungewissheit, Sehnsucht und die Suche nach Liebe. Das Zucken des Nervs.

Der Regisseur Abdullah Kenan Karaca, gebürtiger Oberammergauer mit türkischen Wurzeln und Muslim, hat das Stück für das Volkstheater ausgewählt. So schwerwiegend das Thema ist – die Inszenierung verzichtet nicht auf Wortwitz und Ironie. Das Lachen kann einem manchmal freilich im Halse stecken bleiben.

Hysterie macht misstrauisch

Die Schauspieler Julia Richter, Carolin Hartmann, Jonathan Müller und Jakob Geßner zeigen über gut eineinhalb Stunden Fragmente aus dem Leben der Menschen und Wendepunkte: der Geschäftsmann, den die hysterische Angst seiner Frau misstrauisch macht gegen den Mann mit dem Rucksack in der U-Bahn, gegen die vielen Fremden rundum, der deshalb das Gewehr aus dem Schrank holt. Pawlik, der Angst hat, als Schwuler bloßgestellt zu werden, und sich im Kampf als Mann beweisen will. Das Mädchen, das enttäuscht vom Kontaktabbruch des Fremden den Schulrucksack mit Messern füllt – um Bewunderung von dem zu bekommen, den sie so bewundert.

Wer nun versucht, die Stationen der Radikalisierung zu zählen, um sie am Ende „in acht Schritten“ zu verstehen, scheitert an dieser Rechenaufgabe: Am Ende bleibt der letzte Schritt zur Gewalt unerklärlich. dpa

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

25.04.2017, 06:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball