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Zucker: Prozesswelle rollt an
Zucker versüßt den Alltag, es sei denn, er ist überteuert. Foto: dpa

Zucker: Prozesswelle rollt an

Kunden fordern wegen illegaler Preisabsprachen Schadenersatz von ihren Lieferanten.

22.10.2016
  • DPA

Mannheim. Die großen deutschen Zuckerhersteller sehen sich in immer mehr Prozessen hohen Schadenersatzforderungen von Lebensmittelunternehmen ausgesetzt. Südzucker, Nordzucker und Pfeifer & Langen (Diamantzucker) haben nach Überzeugung des Bundeskartellamtes jahrelang Gebiete, Quoten und Preise abgesprochen. Dafür bekamen sie 2014 ein Bußgeld von 280 Mio. EUR aufgebrummt. Viele Unternehmen sind jetzt überzeugt, zu viel Geld für ihren Zucker bezahlt zu haben.

Vor dem Mannheimer Landgericht laufen bereits Verfahren der Süßwarenhersteller Katjes und Goldeck, in denen es um Millionen geht. Jetzt beginnen weitere Prozesse mit dem Feinkostunternehmen Hengstenberg, dem Bonbonproduzenten Kalfany, Lauterecker Fruchtsaft und weiteren Klägern. Da Zucker in vielen verarbeiteten Lebensmitteln steckt, könnte die Zahl der Prozesse weiter zunehmen. Nach Angaben des Bundeskartellamtes haben bisher mehr als 130 Unternehmen Akteneinsicht beantragt.

Erst vor wenigen Wochen reichte Deutschlands größte Genossenschaftsmolkerei DMK Schadenersatzklage ein. Das Unternehmen selbst äußert sich nicht zu den Details. Nach Informationen des „Handelsblatts“ geht es um 28 Mio. EUR. Allein die Unternehmen Bauer, Ehrmann und Zentis rechnen den Zuckerherstellern demnach einen Schaden von fast 119 Mio. EUR vor.

Die Abwehrstrategie der Zuckergiganten war in bisherigen Prozessen immer gleich: Der europäische Zuckermarkt sei streng reguliert – und trotzdem habe es immer Wettbewerb gegeben. Selbst unter der Annahme, dass es Absprachen gegeben habe, seien keine höheren Preise entstanden, argumentieren die Juristen der Beklagten. Die Anwälte der Kläger sehen das anders. Wer ein Kartell bilde, mache das, weil er sich davon einen Mehrerlös verspreche. Das sei das Wesen eines Kartells.

In Mannheim ging es in den Verfahren bisher um die Frage, wie man feststellen kann, ob es einen Schaden gibt und wie hoch dieser ist. Der Vorsitzende Richter schlug vor, das von einem Gutachter beurteilen zu lassen. dpa

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22.10.2016, 06:00 Uhr

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