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Große Kurve für besseren Takt

Züge sollen in Wendlingen zweigleisig auf Neubaustrecke fahren

Eine Fernverkehrs-Studie nährt in der Region Neckar-Alb die Hoffnung, dass im Rahmen von S 21 doch noch die "Wendlinger Kurve" leistungsfähiger gebaut wird. Bahn und Land winken aber weiterhin ab.

17.10.2015

Von FABIAN ZIEHE

Wendlingen Es geht um etwa zwei Kilometer Gleise und zwei Weichen extra. Klingt nach nicht viel, kostet aber Millionen und war deshalb bei der S-21-Schlichtung 2010 ein heißes Eisen: die "Wendlinger Kurve". Tübingens OB Boris Palmer (Grüne) erklärte per Simulation, warum die eingleisig geplante Abzweigung von der Neubaustrecke ins Neckartal Richtung Tübingen zum Flaschenhals wird, wenn Züge verspätet fahren. Sein Fazit: Es braucht eine zweigleisige "Einschleifung".

Doch die Bahn sieht bei der eingleisigen Lösung alle Anforderungen erfüllt. Für mehr gebe es aus dem S-21-Topf kein Geld. Es folgten fünf Jahre Schweigen, bis vor ein paar Tagen die vom Bundesverkehrsministerium in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie "Deutschland-Takt im Schienenverkehr" die Runde machte. Das geprüfte Konzept verfolgt zwei Kernziele: Fernzüge sollen regelmäßig alle halbe Stunde oder Stunde verkehren - und so getaktet sein, dass sie regelmäßig ankommen und abfahren.

Als erstes griff die FDP die Studie auf. Denn, das zeigte ein Anfrage beim Landesverkehrsministerium: Um den wünschenswerten Takt 2030 umzusetzen, braucht es Umbauten - etwa "kleine Maßnahmen mit regionaler Bedeutung" wie den "Abzweig Neckartal". "Wir brauchen zwingend eine Vorbereitung für den späteren zweigleisigen Ausbau", forderte FDP-Verkehrsexperte Jochen Haußmann.

Palmer kommentierte das gallig: "Als ich noch Anfragen gestellt habe zum selben Thema, wurde von CDU und FDP immer abgewiegelt." Gut sei, dass "Landesregierung und die Opposition weiter am Ball bleiben". Die Region fordere schon lang den Ausbau, dies könne noch "kraftvoller geschehen". Der Verkehrsclub Deutschland forderte, fix die Planung zu beginnen. Der Ausbau würde "unter laufendem Betrieb erheblich aufwendiger und teurer", so Landeschef Matthias Lieb. Wolle man Tübingen ans IC-Netz anschließen, braucht es die Kurve.

Ein Bahnsprecher wand ein, dass es für eine angedachte IC-Linie Bamberg-Tübingen noch kein "detailliertes Fahrplankonzept" gebe. Bei so einer Linie sei auch die Anbindung über Esslingen "durchaus interessant". Zudem dauerten Planung, Ausschreibung und Bau der zweigleisigen Variante zu lang, um 2021 mit der Trasse Stuttgart-Ulm in Betrieb gehen zu können. Auch Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) hatte gegenüber dieser Zeitung erklärt: "Das hätte man von Anfang an einplanen müssen. Im Nachhinein ist es ein aufwendiges und teures Element." Sollte die zweigleisige Kurve wegen des Deutschland-Takts notwendig sein, müsse der Bund sie bezahlen.

Bahnexperte Matthias Gastel, grüner Bundestagsabgeordneter für Filderstadt, hatte im Bundesverkehrsministerium nachgefragt, wie es um die Kurve stehe. Antwort: Die Studie sehe Umbauten "am Südkopf des Bahnhofs Wendlingen" vor. "Eine zweigleisige Ausführung der Wendlinger Kurve wurde dagegen nicht vorgeschlagen." Auf diese Interpretation war noch keiner gekommen.

Zügen im Neckartal droht bei Wendlingen ein Engpass. Foto: Deutsche Bahn AG

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Erstellt:
17. Oktober 2015, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
17. Oktober 2015, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 17. Oktober 2015, 12:00 Uhr

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