Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Ein Gesicht, das man nicht vergisst

Zum Tod des Schauspielers Gottfried John

Eigentlich hätte Gottfried John scheitern müssen. Kein festes Zuhause, eine verkrachte Schullaufbahn, eine Mutter, die mit ihrem Sohn durchs Land vagabundierte. Prekär würde man heute sagen.

03.09.2014
  • CORDULA DIECKMANN, dpa

Zum Tod des Schauspielers Gottfried John
Gottfried John als Bond-Bösewicht in "Goldeneye" (1996)

Doch John hat es geschafft. Er hat eine Weltkarriere als Schauspieler gemacht. International bekannt wurde er nicht zuletzt als Bösewicht im James-Bond-Film „Goldeneye“ (1995). „Ich habe mich bemüht, Aufstieg und Fall der Sowjetunion in einer Person zu spielen, mit allen menschlichen Schwächen“, sagte er einst dazu. John gehörte zu den Schauspielern, die den von ihnen verkörperten Charakteren durch Gestaltung des psychologischen und des sozialen Umfelds Wahrhaftigkeit gaben. Am Montag erlag John laut WDR nahe München einem Krebsleiden – vier Tage nach seinem 72. Geburtstag.

Der Film- und Theaterschauspieler mit der eindringlich tiefen Stimme und dem markanten Gesicht – knorrig schiefe Nase und weicher Zug um die Lippen – wurde in erster Linie bekannt mit Filmen von Rainer Werner Fassbinder: „Die Ehe der Maria Braun“ (1978), „Berlin Alexanderplatz“ (1980) und „Lili Marleen“ (1981). Er war auch in vielen Fernsehproduktionen zu sehen.

Geboren wurde er am 29. August 1942 in Berlin. Der Vater war ein bereits verheirateter nazi-treuer Ingenieur, die Mutter eine junge Frau aus katholischem Elternhaus. „Ein gefallenes Mädchen. Eine Schande für ihre bürgerliche Familie“, schrieb John in seiner Autobiografie „Bekenntnisse eines Unerzogenen“ (2000). Statt Familienglück zu erleben, führte er als Kind und Jugendlicher ein vagabundierendes Leben mit seiner Mutter, die vom Künstlerdasein träumte.

Mit 15 Jahren floh John aus dem Erziehungsheim. Paris war die Stadt seiner Träume. Tatsächlich schlug er sich mit seiner Mutter bis in die französische Hauptstadt durch. Das Leben dort war auch hart. Doch Mutter und Sohn fanden einen Weg, zu überleben, oft am Rande der Legalität. John fotografierte für Geld Touristen und versuchte sein Glück als Pflastermaler. Eine lohnende Arbeit, allerdings immer auf der Flucht vor der Polizei, die keine Kreidebilder auf der Straße duldete. Dann wurde die Sehnsucht nach einem stetigeren Leben größer. Und so probierte John den Traumberuf seiner Mutter: Schauspielerei.

Besonders gerne arbeitete er mit dem Regisseur Hans Neuenfels zusammen, etwa in Peter Handkes „Publikumsbeschimpfung“. „Von ihm habe ich gelernt, die Ebene unter der Oberfläche zu entdecken.“ Sehr prägend wurde Fassbinder für ihn, der ihn 1972 für den ARD-Fünfteiler „Acht Stunden sind kein Tag“ als Hauptdarsteller engagierte. Lange blieb er dem Neuen Deutschen Film treu. Er war fasziniert von Fassbinders Arbeitsweise und dessen Schnelligkeit. Dass Fassbinder seinen Schauspielern so viel Selbstständigkeit zugestanden habe, habe ihm später „bei internationalen Produktionen sehr geholfen“, erinnerte sich John.

Auch nach Fassbinders Tod 1982 blieb John als Typ bei Regisseuren begehrt. Für Volker Schlöndorff spielte er in „Der Unhold“ (1996) gemeinsam mit John Malkovich. Er war auch in beliebten Krimireihen wie „Tatort“ und „Derrick“ mehrfach zu sehen. Die US-Filmindustrie lockte ebenso, doch ganz nach Hollywood wechseln wollte John nicht. „Ich will es gestehen, dass ich in Amerika plötzlich begriffen habe, dass ich tief in meinem Herzen Europäer bin“, sagte er. „Ich arbeite gerne in den USA, aber ich liebe Europa.“

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

03.09.2014, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Die Kommentarfunktionalität wurde für diesen Artikel deaktiviert.

Kino Suche im Bereich
nach Begriff
Anzeige