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Angelernter Tübinger

Zum Tod von Wolfgang Werner

Wolfgang Werner bezeichnete sich gern als „angelernten Tübinger“. Mehr als drei Jahrzehnte bestimmte der gebürtige Schlesier als Tourismus-Geschäftsführer das Bild, das Besucher von der Stadt mitnahmen. Am 9. November ist er mit 94 Jahren gestorben.

17.11.2012
  • Ulrike Pfeil

Tübingen. Er sagte von sich, er habe eine „amerikanische Karriere“ gemacht: Wolfgang Werner kam nach dem Krieg, in dem er Soldat war, nach Tübingen. Wie so viele damals musste der gelernte Kaufmann hier ganz von vorne anfangen. Er begann mit dem Verkauf selbst gesammelter Pilze, war als Hilfsarbeiter bei der Beseitigung von Bombenlöchern, als Plakatwerber, als Garderobier beim Theater, in der Mahnabteilung des Steueramts tätig.

1950 wurde er Geschäftsführer des Bürger- und Verkehrsvereins (BVV) nach dessen Wiederzulassung durch die französische Besatzungsbehörde. Werner organisierte Reitturniere und Gewerbeausstellungen, Blumenschmuckwettbewerbe, Jungbürgerfeiern, Waldputzeten, er betrieb die Anlage des Campingplatzes und wollte die Schwäbische Alb von ihrem „rauen“ Image fort zum „Kaiserlichen Ferienland“ entwickeln.

33 Jahre war Wolfgang Werner die Triebfeder des BVV, und noch lange danach lag sein Schatten der Unentbehrlichkeit mächtig über dem Tübingen-Tourismus. Doch das war nicht die einzige bemerkenswerte Kontinuität in seinem Leben: Von 1971 bis 1994 gehörte er in der damals starken Fraktion der Unabhängigen (UFW) dem Tübinger Gemeinderat an, 1971 bis 1980 dem Kreistag; 1993 zog er dort ein zweites Mal kurzfristig als Nachrücker ein.

„Umtriebig“ ist ein schwaches Wort für den Mann, der in zahlreichen Vereinen Mitglied war, und das hieß: aktiv. Im Lions Club, im SV 03, im Stadtverband Sport, in der Museumsgesellschaft, bei den Schlesiern, in der Deutsch-Französischen Gesellschaft – überall ging seine Mit- in eine Ehrenmitgliedschaft über.

Politisch war Wolfgang Werner ein Konservativer, wie es sie heute kaum noch gibt. Seit er als Jugendlicher von der Hitlerjugend „verführt“ worden war, misstraute er allem, was nur entfernt in Ideologieverdacht stand, zuvorderst den politischen Parteien – der SPD und später den Grünen mehr als der CDU. „Meine Röteln habe ich schon in der Jugend gehabt“, mit solchen Sprüchen parierte er Anfechtungen von links.

Ernst wurde es dem jovialen und kontaktfreudigen Plauderer, wenn es um die Aufarbeitung deutscher Schuld und deutscher Verbrechen gegen die Menschlichkeit ging. Als stolzer Träger der Goldenen Ehrennadel des Kameradenhilfswerks der 78. Infanterie- und Sturmdivision sammelte er Belege für Verbrechen anderer Nationen und stellte deutsche Kriegsopfer den Opfern der Deutschen gegenüber. 1996 erhielt er das Bundesverdienstkreuz von Bundespräsident Roman Herzog. Von Richard von Weizsäcker, der den 8. Mai 1945 als „Tag der Befreiung“ einordnete, sagte er später einmal, hätte er es nicht angenommen.

Mit seiner Frau Gertraud war Wolfgang Werner 72 Jahre verheiratet. Altersmilde bekannte er bei seiner Eisernen Hochzeit, er habe im Leben und mit der Familie doch viel Glück gehabt.

Die Trauerfeier für Wolfgang Werner ist am kommenden Dienstag, 20. November, um 13 Uhr auf dem Tübinger Bergfriedhof.

Zum Tod von Wolfgang Werner
Wolfgang Werner

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17.11.2012, 12:00 Uhr

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