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Drehen mit dem Dämon

Zum achten Mal trieben es die Narren wild

Von Freitag bis Sonntag herrschten zottelige Gestalten, lautes Geschepper und wilde Tänze in der Stadt: Der Original Steinlachtaler Fasnachtsverein hatte zu seinem achten Narrentreffen geladen.

08.02.2010
  • Kathrin löffler

Volle Straßen beim Umzug in Mössingen

Volle Straßen beim Umzug in Mössingen --

02:46 min

Mössingen. Wer in der ersten Reihe steht, hat den besten Blick. Bei einem Fasnachtsumzug gibt‘s da allerdings noch einiges obendrein – das durften die Schaulustigen, die gestern Nachmittag die Straßen zwischen Schulzentrum und Freibad säumten, zu Genüge erfahren. Bonbonregen und Konfettiangriffe waren da freilich noch die angenehmste Variante. So landete auch des öfteren die flinke Hand voll Laub eines Mössinger Wendgoischds in dem ein oder anderen Zuschauerkragen.

Und wer sich als junges Mädel nicht recht versah, lag schwups quer über den Schultern eines rabenschwarzen Oferdinger Dämonen und musste sich bei geschätzten 15 wilden Umdrehungen seiner Schwindelfähigkeit erproben oder wurde vom Wachendorfer Allgeier im Stroh gewälzt.

Zum achten Mal trieben es die Narren wild
Original Steinlachhexe tête-à-tête mit dem Fotografen.

Der gestrige Umzug bildete den Höhepunkt des Mössinger Narrentreffens. 87 Gruppen zogen durch die Innenstadt. Vor allem beim Marktplatz, dem Haus an der Steinlach und auf der Lehr ballte sich das närrische Zuschauervolk. Da wurden von den drei Sprecherwägen von „Grea Deiffele“ über „Narri Narro“ bis „Häbles Wetzer“ sämtliche Narrenrufe intoniert. Vorbeiziehende Hexen stapelten sich zu Pyramiden, um anschließend auf der Straße umher zu wälzen. Die Bisinger Butzen feuerten einen lauten Knall aus ihrem Kanonenrohr.

Zum achten Mal trieben es die Narren wild
Jung, weiblich und blond zu sein, barg ein gewisses Risiko für Zuschauerinnen, die – schwupps – entführt wurden.

Laut war es auch losgegangen: Mit Böllerschüssen hatte der örtliche Schützenverein auch dem letzten Mössinger klar gemacht, dass es mit der Ruhe vorbei war. Die Gastgeber zogen vorneweg: Steinlach-Hexen, Krebs-Fischer, Heuberg-Zottler und Wendgoischder vom Steinlachtaler Fasnachtsverein. Von dem, was folgte, war ein ziemlich großer Teil zottelig, warzengesichtig, trug eine lange, verfilzte Mähne oder einen Zinken im Gesicht. Mössingen war gestern zweifellos in Hexenhand. Rekordverdächtig jene aus Bisingen: Die hatten den kompliziertesten Ruf („D‘Hex isch - horig - ond batsch - nass“), die meisten (bestimmt 150) und die Jüngsten (ein Stöpsel, der kaum laufen konnte) in ihren Reihen.

Fanfarenzüge und Glottertalpiraten

Aber unter den 3500 liefen auch ganz andere und teils sogar historische Hästräger mit: Das Bettel-Männle der Narrenzunft Alpirsbach etwa stellte einen alten Baumstamm dar – und trug jede Menge Brezen. Laut Legende nämlich hatte ein Handwerksbursch einmal auf einem Bauernhof Brot erbeten, jedoch keines erhalten und deshalb sämtliche Kühe in Stein verwandelt.

Zum achten Mal trieben es die Narren wild
Gar grausige Dämonen trieben am Sonntag in Mössingen den Winter aus – mit Konfetti.

Auch Animalisches war zuhauf zu sehen: Rammert-Wölfe aus Nehren, Degerschlachter Eulen oder Wannweiler Esel. Dazwischen machten Guggenmusiken, Lumpenkappellen und Fanfarenzüge scheppernd auf sich aufmerksam. Stramm marschierten Tanzgarden gegen die Kälte an. Imposant die Glottertalpiraten, die auf einem riesigen Schiff durch Mössingen „segelten“.

Aus der Nachbarschaft – Hechingen, Dußlingen, Ofterdingen – reisten Zünfte ebenso an wie aus dem Schwarzwald und von der Alb. Überall rauchte, schellte und knallte es. Hexenbesen qualmten. Neben der Strecke stärkte man sich an rund 20 Ständen mit Wurst, Glühwein oder „Penner-Menü“ (Lkw und Bier und Schnaps). Viele Jugendliche, Familien mit Kindern und ganz Kleinen auf väterlichen Schultern ließen sich gestern im Stadtkern ausmachen.

Das Wetter spielte auch mit, weder Frostbeulen noch Regenschauer mussten erduldet werden. Aus den Boxen an der Strecke wummerte und tönte es vom „knallroten Gummiboot“ und vom ebenso roten Pferd. Wer über den entsprechenden Wohnsitz verfügte, aber sich nicht auf die Straße wagte, lugte vom Balkon auf das närrische Treiben herab oder ließ sich von den Hästrägern die Bonbons gleich ins Fenster werfen.
„Super Stimmung“ befand Zunftmeisterin Doris Kondic. Nach rund zweieinhalb Stunden hatten alle Gruppen die Straßen passiert, aber vorbei war es da noch lange nicht. Im Zelt beim Freibad gab es von einigen Musikgruppen noch ordentlich auf die närrischen Ohren.

Zum achten Mal trieben es die Narren wild
Am Samstag war im Festzelt Kinderschminken angesagt.

Alle zwei Jahre – jenen mit einer geraden Zahl nämlich – gibt es in Mössingen ein großes Narrentreffen. Begonnen hatte heuer wieder alles am Freitag mit dem Brauchtumsabend. Fast ausschließlich von Mitgliedern der anwesenden Zünfte – 45 an der Zahl – war das Zelt gefüllt, aber auch einige Jugendliche aus dem Ort waren da. Oder besser Katzen, Atzen und Glitzergesichtige. In Zivil trieb sich nahezu niemand herum.

Auf dem Programm am Freitagabend standen diverse Show- und Brauchtumstänze. Urig-wild zeigten sich die Wald-Gilche der Narrenzunft Entringen. Bei den „Crazy Dancers“, den Jungen des Steinlachtaler Fasnachts-Vereins, waren die tänzerischen Elemente schon um einiges rasanter. Und die Waldhufenstromer aus Schönberg fegten zu Rammstein genauso wie zu Schlagern über die Bühne.

Am Samstag festete der Narrensamen

Dem Narren-Nachwuchs gehörte der Samstagmittag: Getanzt wurde aber auch bei der Kinderfasnet, und gespielt. Party war in den Abendstunden angesagt. Zum Fasnetsball spielte die Memminger Gruppe „Burnout“ auf.

Gestern morgen begrüßte das Stadtoberhaupt die Narren: Sämtliche Zunftmeister der anwesenden Gruppen fanden sich bei Werner Fifka auf dem Rathaus ein.
„Das Besondere an der Mössinger Fasnet ist, dass es die früher gar nicht gab“, umschreibt Doris Kondic das Narrentreffen in der Steinlach-Stadt. Seit 1994 existiert erst der örtliche Fasnachts-Verein. Aber die Fasnacht habe sich in hier in Mössingen sehr gut etabliert, ist sich die Zunftmeisterin sicher. Aber nicht nur im Ort selber: „Wir haben auch einen guten Namen bei den anderen, alteingesessenen Zünften.“

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08.02.2010, 12:00 Uhr

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