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Zurück auf den richtigen Weg
Laub rechen auf dem Pforzheimer Hauptfriedhof: Das Haus des Jugendrechts veranstaltet regelmäßig Putzaktionen. Foto: dpa
Justiz

Zurück auf den richtigen Weg

Mit seinen Häusern des Jugendrechts war Baden-Württemberg einst Vorreiter. Das Modell ist durchaus erfolgreich – aber nicht völlig unumstritten.

08.12.2016
  • LSW

Pforzheim. Schulschwänzer, Ladendiebe, Gewalttäter. In Pforzheim müssen jugendliche Delinquenten ab und zu gemeinsame Sache machen – und zwar beim Putzen, Müllsammeln, Graffiti wegschrubben. Rund 70 Jugendliche, vornehmlich Jungs und fast alle unter 18, haben sich an einem Samstag eingefunden, um in Pforzheim die ihnen aufgebrummten Arbeitsstunden abzuleisten. Zweimal im Jahr organisiert das Haus des Jugendrechts der Stadt solche Großreinigungsaktionen und steht damit beispielhaft für die Arbeit mit straffälligen Jugendlichen.

Die Pforzheimer Einrichtung ist eine von inzwischen drei Häusern des Jugendrechts in Baden-Württemberg. 1999 hatte das bundesweit erste Haus in Stuttgart seine Arbeit aufgenommen; 2012 folgte das in Pforzheim und vergangenes Jahr eines in Mannheim. Ähnliche Häuser in Heilbronn und Ulm sollen folgen . Ihre Aufgabe: In jedem Einzelfall eines kriminellen Jugendlichen sollen Polizei, Staatsanwaltschaft und Jugendamt, gerne auch Arbeitsamt oder das zuständige Amtsgericht möglichst an einem Tisch sitzen, in Fallkonferenzen gemeinsam das Vorgehen beraten und letztlich dazu beitragen, dass die Jugendlichen nicht nur angemessen bestraft werden – sondern auch wieder auf den richtigen Weg kommen.

Was das sonst noch bringt? „Die Wege sind kurz, die Kommunikation besser“, sagt Hoffmann. Um rund 900 Beschuldigte kümmert sich sein Haus jährlich. Die Verfahren wurden deutlich verkürzt oder im Gegenzug für abzuleistende Arbeitsstunden eingestellt. Aus dem vergleichsweise jungen Mannheimer Haus hört man ähnliches: Im ersten Jahr sei die Verfahrensdauer bei mehr als 80 Prozent auf mindestens acht Wochen verkürzt worden. Rund die Hälfte davon dauerten sogar nur bis zu vier Wochen, berichtet ein Sprecher des Bildungsdezernats der Stadt. „Früher dauerten die Verfahren zwischen drei und sechs Monaten.“

Insgesamt sinkt die Zahl der straffälligen Jugendlichen im Land seit einigen Jahren. Laut Justizministerium wurden 2015 knapp 4400 Jugendliche verurteilt – der niedrigste Stand seit 1991. „Die Häuser des Jugendrechts sind eine sinnvolle Einrichtung“, bilanziert Minister Guido Wolf (CDU).

Von einer flächendeckenden Versorgung ist Deutschland aber weit entfernt. Wäre das überhaupt gewünscht? „So segensreich die Häuser des Jugendrechts im Einzelfall vor Ort sein können – ein Königsweg ist das nicht“, sagt die Bundesvorsitzende der Deutschen Vereinigung für Jugendgerichte und Jugendgerichtshilfen (DVJJ), Theresia Höynck. Sie sieht die Gefahr „struktureller Probleme“: Etwa, dass die Grenzen zwischen Jugendhilfe und Strafverfolgungsbehörden zu stark verwischen. „Die Polizei muss verfolgen. Die Jugendhilfe wiederum darf kein strafender Arm sein.“

Die 17-jährige Janine ist zum wiederholten Mal beim Arbeitseinsatz dabei. Bislang hat sie meist mit Müllsammeln ihre Strafstunden wegen Schulschwänzens abgetragen. Jetzt heißt es Graffiti überstreichen, in einer Fußgängerunterführung in Ispringen. Schulschwänzen will sie nicht mehr und ein Ziel hat sie auch: Sie möchte Altenpflegerin werden. dpa

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08.12.2016, 06:00 Uhr

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