Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Zurück bleibt Zerstörung
Und dann flog das Dach weg: Peggy Scharnick in ihrem Apartment in Daytona Beach (Florida). Foto: Imago
Naturgewalt

Zurück bleibt Zerstörung

Mindestens elf Tote und Städte und Land unter Wasser: Der Hurrikan „Matthew“ hat den Südosten der USA getroffen. Es hätte schlimmer kommen können.

10.10.2016
  • GABRIELE CHWALLEK, DPA, ema

Miami. Peggy Scharnick war in ihrem Apartment in der Nähe des Meerufers geblieben, als „Matthew“ kam. Sie hatte nicht gewusst, wohin sie mit ihrem Hund „Levon“, einem australischen Schäferhund, gehen sollte, weil der „sich vor jedem fürchtet“, sagte sie dem „Orlando Sentinel“. Mitten im Sturm flog das Dach weg, das Apartment wurde geflutet, das Interieur ist zerstört oder unbrauchbar.

Zerstörung, Stromausfall und vor allem Überschwemmung: „Matthew“ hat im US-Südosten seine Visitenkarte hinterlassen. Elf Menschen haben ihr Leben verloren.

Zwei Tage lang schien es, als klebe „Matthew“ an den USA. Seit Donnerstagabend stellte der Hurrikan Millionen Menschen auf eine Nervenprobe, während er sich quälend langsam vom Südosten Floridas die US-Küste entlang nordwärts pflügte.

War es für die eine Region vorbei, nahm sich „Matthew“ die nächste vor. Und hinterließ abgedeckte Häuser, entwurzelte Bäume, heruntergerissene Stromleitungen, Glasscherben auf den Straßen und Wasser, Wasser, Wasser.

Auch, als sich „Matthew“ gestern Morgen von den USA zu lösen begann, war es für Hunderttausende noch nicht vorbei: Noch bis zum frühen Abend sollte es dauern, bis die Winde in North Carolina völlig abgeflaut sein würden.

Weiter südlich entlang der Küste schien die Morgensonne auf Städte, deren Straßen sich in Flüsse verwandelt hatten. Im Zentrum der historischen Stadt Charleston, der „Perle South Carolinas“, hatte „Matthew“ die Flut über Schutzmauern gedrückt. Ebenso im romantisch-melancholischen Savannah in Georgia, in St. Augustine im Nordosten Floridas, der ältesten Stadt der USA. Immer noch sind Hunderttausende entlang der Küste ohne Strom, vermutlich für Tage.

Dennoch hat sich am Wochenende große Erleichterung breit gemacht: Es hätte viel schlimmer kommen können. Das Auge des Sturmes war am Samstag in South Carolina an Land gekommen, aber da war „Matthew“ zu einem Hurrikan der schwächsten Kategorie abgestuft – wenn auch weiterhin nicht zu unterschätzen. Bis dahin war er die Küste entlanggeschrammt, „und jede Meile Entfernung hat geholfen“, sagte ein Meteorologe im Sender CNN.

„Matthew“ wird den US-Südosten teuer zu stehen kommen. Weil er so weite Küstenabstriche malträtiert hat, wird es aber wohl eine geraume Zeit dauern, bis sich seine Auswirkungen in Dollar beziffern lassen.

Und dann ist da die Erosion, sind da die zahlreichen Strandabschnitte, von denen Sturm und Wasser Erde und Sand weggefressen haben. Vielerorts werden wohl Anlandungen nötig werden – dabei streiten sich Küstenbezirke in Florida schon seit Jahren darum, woher der Sand genommen werden und wer ihn bekommen soll.

Die Hurrikan-Saison ist nicht vorbei. Bis Ende November dauert sie noch – wenigstens. Es gibt auch keine Garantie, dass „Matthew“ ganz zur Geschichte wird, wenn er in den offenen Atlantik herausgezogen ist. Nach Berechnungen der Meteorologen wird er auf dem Atlantik eine Schleife drehen – nicht ausgeschlossen ist, dass er Floridas Südostzipfel einen zweiten Besuch abstattet.

Peggy Scharnick hatte sich einen Motorradhelm übergestülpt und war an eine andere Stelle des Hauses geflüchtet, mitsamt „Levon“ und ihren drei Katzen. Dort fand ein Nachbar sie, der sich eine Dreiviertelstunde später vor die Tür wagte. Auch in seine Apartment tropfte es.

Scharnick eilte in ihren Wagen und fuhr zu einem Parkhaus aus Beton, bis „Matthew“ vorüber war. „Das sind nur Dinge“, sagte sie, als sie Medien ihr zerstörtes Heim zeigte. „Dinge sind mir nicht wichtig. Ich und die Tiere sind okay.“

Gabriele Chwallek, dpa, ema

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

10.10.2016, 06:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball