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"Das Orchester ist eine Band"

"Zurück in die Zukunft" und mehr: Hollywood-Komponist Alan Silvestri

Alan Silvestri gehört zu den erfolgreichsten Hollywood-Komponisten. Er hat keinen klassischen Hintergrund, gilt aber seit "Zurück in die Zukunft" als Fachmann für satten Orchestersound, Action und Romantik.

04.11.2015
  • MAGDI ABOUL-KHEIR

Mr. Silvestri, Sie haben als Komponist in den späten 70er Jahren mit Disco-Musik für die Motorrad-Cop-Serie "Chips" begonnen. 1984 folgte der Pop-Soundtrack für "Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten" - und ein Jahr später haben Sie ohne jede Orchestererfahrung "Zurück in die Zukunft" komponiert. Mal ehrlich: Warum haben Sie sich nicht in die Hosen gemacht?

SILVESTRI: Ich habe mir in die Hosen gemacht (lacht)! Regisseur Robert Zemeckis und ich hatten bei "Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten" erstmals zusammengearbeitet, es war toll gelaufen - aber ja, es war Pop. Ich bin Schlagzeuger und Gitarrist, und ich war davor in meinem Leben vielleicht einmal in einem klassischen Konzert gewesen. Ich war auf keinem Konservatorium, habe selbst nie in einem Orchester gespielt. Vor "Zurück in die Zukunft" habe ich noch einen kleinen Film namens "Fandango" gemacht, für den Zemeckis mich Spielberg empfohlen hat - da bekam ich die Krise, weil ich das erste Mal für Orchester komponieren sollte. Ich musste da durch. Aber etwas Besonderes passierte, was ich nur metaphorisch beschreiben kann: Es war, als ob in einem dunklen Raum plötzlich das Licht anging und ich erkannte, wo was steht und wie was funktioniert.

Aber Sie haben die Aufnahmen von "Zurück in die Zukunft" sogar dirigiert, Sie standen ohne Orchestererfahrung vor 90 Profimusikern. Woher kam dieses Selbstvertrauen?

SILVESTRI: Ich weiß es nicht. Ich habe es gemacht. Es hat funktioniert. Mehr kann ich nicht erklären. Wenn ich in Masterklassen Studenten habe, die frustriert meinen, sie schaffen etwas nicht - dann kann ich ihnen sagen: Ihr habt gar keine Ahnung, wozu ihr alles fähig seid!

Kann es sein, dass man Ihrer orchestralen Musik noch immer Ihren Hintergrund als Drummer und Gitarrist anhört? Ihre Action-Soundtracks wie "Predator" klingen oft, als ob sie durch Riffs strukturiert werden . . .

SILVESTRI: Unbedingt. Manchmal behandle ich das ganze Orchester wie ein einziges, riesiges Drumset. Als wir im Frühjahr in Luzern "Zurück in die Zukunft" mit Live-Orchester gemacht haben, war das Erste, was der Dirigent zu den Blechbläsern und Schlagwerkern gesagt hat: Stellt euch vor, ihr seid in einer Band! Man darf nicht vergessen: Die Orchestermusiker in Los Angeles, die damals die Original-Aufnahmen für den Film gemacht haben, haben auch auf Michael Jacksons Alben gespielt! Das war eine Kick-Ass-Brass-Section!

Sie haben tolle Filme wie "Forrest Gump" und "Cast Away" vertont und Kassenknüller wie "Nachts im Museum" und "The Avengers". Aber was ist, wenn man bei der Arbeit an einem Film merkt, dass das eher kein Meisterwerk und Hit wird?

SILVESTRI: Der Job ist, nicht einmal darüber nachdenken. Man darf nicht vergessen: So wunderbar und erfolgreich etwa "Zurück in die Zukunft" war, keiner hätte sich damals auch nur träumen lassen, dass man 30 Jahre später noch immer darüber sprechen würde. Ich versuche also immer, die beste Musik für den Film zu schreiben. Man weiß nie, was aus einer Sache wird.

Im Kino läuft derzeit "The Walk", Ihr 15. Spielfilm mit Robert Zemeckis. Sie haben ein vertrauensvolles Verhältnis, Sie kennen einander bestens. Beginnt man trotzdem jeden neuen Film wieder bei Null?

SILVESTRI: Absolut. Jeder Film ist auf seine Weise völlig anders - andere Orte, andere Zeit, andere Figuren. Ja, es gibt zwischen uns dieses Vertrauen, wie es das nur nach 30 Jahren gibt. Ja, wir haben unsere Codes. Ja, wir haben diese gemeinsame Geschichte, wo wir sagen können: Erinnerst du dich, was wir damals gemacht haben? Doch schlussendlich muss man sich jedes Mal wieder instinktiv ganz auf einen neuen Film einlassen.

Und wenn Zemeckis etwas nicht gefällt, was Sie machen?

SILVESTRI: Er sagt dann: "Ich liebe es. Aber ich verstehe es nicht." Das ist seine Art mir mitzuteilen: "Das kommt mir nicht in den Film." Dann sollte man ihm lieber genau zuhören! Er ist ein brillanter Filmemacher, und er hat meine Karriere auf jede erdenkliche Art, künstlerisch, finanziell verändert.

Im Kino läuft derzeit Zemeckis'' Hochseil-Drama "The Walk". Ihre Musik hat eine enorme Bandbreite: französisches Flair, Action, Funk, ätherische und romantische Klänge. Wie schafft man es, dass nicht alles in seine Einzelteile zerfällt?

ALAN SILVESTRI: Das ist das Verdienst des Regisseurs. Die Hauptfigur Philipe Petit ist ein komplizierter Charakter, und wir folgen seiner Entwicklung - er ist erst ein unreifer, ungestümer junger Mann, dann folgt die Vorbereitung des Coups, fast wie in einem Thriller; die Stimmung wird im Lauf des Films immer ernster, aber dann auch romantisch. Denn Petit nannte seinen Hochseil-Coup zwischen den Türmen des World Trade Centers einen Kunstakt, und er sprach davon, wie er sich in diese Türme verliebte. Das alles spiegelt die Musik wider.

Seit 17 Jahren sind Sie auch Winzer. Was hat Ihnen schon mehr Kopfweh bereitet: Ihr Wein oder Ihre Musik?

SILVESTRI: Der Wein macht mir keine Kopfschmerzen. . .

"Zurück in die Zukunft" und mehr: Hollywood-Komponist Alan Silvestri

"Zurück in die Zukunft" und mehr: Hollywood-Komponist Alan Silvestri
Auf dem Film Fest Gent hat Alan Silvestri kürzlich etliche seiner Erfolgstitel im Konzert gespielt. Foto: Film Fest Gent

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04.11.2015, 12:00 Uhr

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