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Gemeinde bezieht Stellung zum Anwohner-Protest gegen die Pergola auf der Tunneldecke in Dußlingen

Zusammenwachsen war das Ziel

Der Verkehrslärm ist mit dem B 27-Tunnel verschwunden. Anwohner befürchten eine neue Lärmquelle: Der geplante Pavillon auf der Tunneloberfläche könnte Jugendliche zum nächtlichen Feiern einladen, glauben die Protestler. Die Gemeinde bezog jetzt Stellung zu den Bedenken der Bürger. Von Regierungspräsidium und Landratsamt gibt es noch keine Aussage.

27.09.2014
  • Amancay Kappeller

Dußlingen. Man sei nicht generell gegen den Park, betont Manfred Lorch, Sprecher der Anwohner-Initiative. Einzig und allein der Pavillon ist einigen ein Dorn im Auge. Die Anwohner befürchten, dass der Platz dadurch für Jugendliche (zu) attraktiv wird – und dass Vermüllung und lautstarke Feste zu Unzeiten überhand nehmen. Wozu einen Lärmschutztunnel bauen, wenn man auf der Oberfläche einer neuen Lärmquelle Tür und Tor öffnet – so der Tenor. Mitte August haben die Anwohner ein Widerspruchsschreiben gegen die Pergola-Planungen formuliert und an die Gemeinde, das Landratsamt und das Regierungspräsidium geschickt. Weder vom Regierungspräsidium noch vom Landratsamt liegt bislang eine Antwort vor.

In der Gemeinderatssitzung am Donnerstag, der ersten nach der Sommerpause, bezog Bürgermeister Thomas Hölsch Stellung „zu den für die Gemeinde relevanten Aspekten“. Auch einige Pavillon-Gegner waren anwesend. Man fühle sich „ungenügend informiert“, heißt es im Schreiben der Anlieger. Hölsch wies diesen Vorwurf entschieden zurück: „Mehr Öffentlichkeit ist kaum möglich“, konterte der Dußlinger Rathaus-Chef. Bereits im Juli 2010 war die Gestaltung der Tunneloberfläche öffentlich Thema. Die Bevölkerung sei „frühzeitig in den Planungsprozess eingebunden“ worden. Es gab eine Bürgeranhörung mittels Fragebogen. Ein Wettbewerb für die Gestaltung des Tunneldachs wurde ausgelobt; die Ergebnisse wurden der Öffentlichkeit im April vergangenen Jahres präsentiert. Der Entwurf der Landschaftsarchitekten Wölffing-Seelig machte den ersten Platz. Kurz darauf gab es eine Bürgerversammlung zum Thema.

Im Rahmen des „Antrags auf Baugenehmigung im vereinfachten Verfahren zur Errichtung des Pavillons“, den die Gemeinde gestellt hat, sind die Widerspruchsführer nicht als Angrenzer benachrichtigt worden, weil deren Grundstücke nicht unmittelbar an das Baugrundstück angrenzen, erklärte Hölsch: Dazwischen befinden sich noch die Wilhelm-Herter-Straße und die Blumenstraße. Rein rechtlich bestehe deshalb auch kein Anspruch, gehört zu werden. Die Tunneloberfläche betreffend wurde im Vorfeld mit dem Regierungspräsidium eine Nutzungsvereinbarung getroffen, so der Bürgermeister. Das Regierungspräsidium sei nicht der Meinung gewesen, dass die Pläne das eigentliche Ziel „Lärmvermeidung“ ad absurdum führten, so Hölsch. Die Anwohner argumentieren, die Pergola-Pläne seien nicht mit dem Tunnelziel „Lärmschutz“ vereinbar.

„Es ist klar, dass wir mit der Gestaltung der Tunneldecke keine neue Emissionsquelle schaffen wollen“, so Hölsch. Auch wolle man dort keinen „zusätzlichen Festplatz“ errichten. Vielmehr sollen „inmitten der Gemeinde vielfältige Begegnungen ermöglicht werden“. Bereits in den Wettbewerbsunterlagen war von „Aufenthalts- und Verweilzonen, Bereichen für Kultur, Spiel und sportliche Bewegung“ die Rede, außerdem von einer „Fläche für kleinere Märkte und Veranstaltungen“. Der Platz mit langgestreckter Pergola soll im Zentrum des künftigen Parks stehen und kann für Bürger- und Vereinsfeste genutzt werden. Anwohner befürchten, dass mit dem Pavillon ein „Lallesplatz“ geschaffen wird.

„Wir brauchen auch Plätze für Jugendliche“, sagte Hölsch. Deutlich weniger Schwierigkeiten gebe es erfahrungsgemäß, wenn der Platz entsprechend beleuchtet werde: „Probleme gibt es eher in Schattenlöchern.“ Die Gemeinde gehe davon aus, dass dort auch „eine gewisse Sozialkontrolle“ greife. Natürlich werde man auch „nachsteuern“, falls sich Nutzungen ergeben, „die nicht im Einklang mit der öffentlichen Sicherheit und Ordnung stehen“. Gegebenenfalls müsse man über Beschränkungen – der Nutzung und der Nutzungszeiten – nachdenken. Im Vorfeld möchte die Verwaltung aber keine unnötigen Barrieren aufbauen, erklärte Hölsch.

Antje Wellhäuser (DWV) sagte, ein „gut gestalteter Raum“ habe die Chance, „nicht von Vandalismus heimgesucht zu werden“. Der sehr ansprechend geplante Park auf der Tunneldecke solle „zum Verweilen im positiven Sinn“ einladen, so die Gemeinderätin. Eine Verkehrsberuhigung, Tempo 30 rund um den Park, hält Wellhäuser für angebracht; die Durchgangsstraße dürfe nicht zur „Rennstrecke“ werden. Thomas Hölsch erklärte, es würden derzeit noch Geschwindigkeitsmessungen durchgeführt. Das Landratsamt wisse um die Problematik: „Tempo 30 wäre wünschenswert“, so der Bürgermeister. Dirk Wütherich (DWV) sieht den Park samt Pavillon als „Chance für Dußlingen, den Raum positiv zu nutzen“.

Kurt Schmidt (Grüne) äußerte Unverständnis über den späten Widerspruch der Anwohner: „Lebendiges Zusammenwachsen war das Ziel. Und jetzt, wo alles im Sack ist, kommt der Protest.“ Den B 27-Straßenlärm könne man auch keinesfalls mit eventuell im Bürgerpark entstehendem „Lärm“ vergleichen. Auch wegen des Spielplatzes auf der Tunneloberfläche findet Schmidt eine Verkehrsberuhigung „ganz wichtig“. Renate Schelling (SPD) sagte, in Dußlingen sei es oft so, dass man Dinge lange vorbereite – „und kurz vor Torschluss kommt dann eine Protestwelle, die einen im Gemeinderat überrascht“. Man dürfe die Pläne „nicht von vorne rein schlecht reden“. Jochen Kocher (DWV) betonte, man müsse die Bedenken der Anwohner ernst nehmen, „sensibel mit der Thematik umgehen“. Herbert Dieter (FWV) befand, man sei mit den Park-Planungen sehr transparent umgegangen: „Der Gemeinderat muss sich nichts vorwerfen lassen.“

Zusammenwachsen war das Ziel
Mit der Parkanlage auf der Tunneldecke geht es voran. Viele Anwohner blicken aber skeptisch auf die Baustelle: Die Pergola, die dort entstehen soll, könnte Jugendliche zum nächtlichen Feiern einladen – und die liebgewonnene Ruhe stören. Bild: Siebert

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27.09.2014, 12:00 Uhr

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