Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Kommentar

Zwangsbetreuung an der Schule

Die Schülerbetreuung an den Tübinger Grundschulen soll verlässlicher werden – zukünftig sind mindestens drei Nachmittage verbindlich zu buchen. Das beschloss der Gemeinderat (wie berichtet) am Montag. Der Elterninformationsabend zu diesem Thema an der Hechinger-Eck-Grundschule im Mai war lang – und hitzig. Es dauerte allein schon eine Stunde, bis die Eltern verstanden hatten, was sie wie an Betreuung buchen können. Falsch: müssen!

25.07.2014

Empört waren die Eltern schon darüber, dass sie nicht mehr nur zwei Nachmittage buchen können, sondern mindestens drei nehmen müssen. Zudem sind die nicht gänzlich frei wählbar. Nur Montag bis Donnerstag ist erlaubt. Wer den Freitag braucht, muss alle Tage buchen. Allein das schon erforderte Erklärungsbedarf. Leider gab es da aber nichts zu erklären. Es gibt keine Begründung dafür, warum der Freitag aus der Wahl ausgenommen ist. Eigentlich wäre auch das nicht so schlimm, weil – was wirklich toll ist – die Betreuung bis 15 Uhr nichts kostet. Da könnte man ja auf die Idee kommen, das Kind einfach für alle Tage anzumelden, und es nur dann betreuen zu lassen, wenn man’s braucht.

Darf man aber nicht – und genau da kam Zunder in die Diskussion. Die Schüler sollen an den angemeldeten Nachmittagen verpflichtend anwesend sein. „Ich will meine Tochter sehen“, rief eine Mutter verzweifelt. Als Ärztin an der Klinik müsse sie auch an Wochenenden arbeiten. Da würde sie gern unter der Woche mit ihrerer Tochter zusammensein können. Das geht dann aber nicht mehr.

Wer mal die zwei Quadratmeter eng gedruckter Listen an der Wand in der Mensa der Hechinger-Eck-Schule gesehen hat, auf denen akribisch für jedes der 200 Kinder für jeden Tag die Essens-, Betreuungs- und Heimgehzeiten vermerkt sind, ist fassungslos. Vor diesen Listen versteht man den Wunsch der Schule nach mehr Verlässlichkeit. Die allerdings wird durch die neuen Bedingungen überhaupt nicht besser: Schüler werden weiterhin zum Schulschluss, um 13, um 15 oder um 17 Uhr gehen, sie werden mitessen oder nicht – und das alles womöglich mehrfach unterschiedlich in der Woche. Diesen hohen logistischen Aufwand hat nur eine verpflichtende Ganztagsschule nicht.

Und genau das befürchten viele Eltern: Dass das alles nur der Auftakt dafür sein könnte, die Grundschule zu einer Pflicht-Ganztagsschule zu machen. Die wollen sie nicht. Um Beruf und Familie vereinbaren zu können, brauchen Eltern Betreuung für ihre Kinder. Sie sind froh darüber, dass sich in den letzten Jahren viel, sehr viel bewegt hat in Tübingen. Sie möchten die Betreuung aber als Angebot, nicht als Pflicht. Wie das Beispiel der Ärztin zeigt, zwingt die Arbeitswelt heute Eltern zu sehr flexiblen Arbeitszeiten. Das trifft keineswegs nur Akademiker. Verkäuferinnen, Krankenschwestern, Erzieherinnen, viele, die im Dienstleistungssektor beschäftigt sind: Sie alle müssen auch außerhalb der Schulzeiten ihrer Kinder arbeiten. Die Teilzeitstellen, die Mütter oft haben, um Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen, finden leider nicht nur vormittags von 8 bis 12 Uhr statt. Viel eher sind sie auch am Dienstag- oder Freitagnachmittag. Da möchten sie dann doch gerne an den anderen Nachmittagen ihre Familie vereinbaren können. Angelika Brieschke

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

25.07.2014, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball